Fotograf Sebastian Copeland in der Antarktis

In Schönheit zerbrechen - Vom Tod der Eisberge

von Achim Manthey

Night in Qanaaq, Greenland, 2010 (c) Sebastian Copeland, courtesy Bernheimer Fine Art Photography

Die Ausstellung "Antarctica: A Million Faces Of Ice" zeigt fotografische Arbeiten von Sebastian Copeland. Sie dokumentieren bevorstehende Verluste.

Sie sterben unweigerlich, unaufhaltsam. Der Klotz aus Eis, der da in türkis-grünen Farben wuchtig, mächtig und einsam vor sich hin treibt, trägt Wunden und Narben, die ihn über kurz oder lang bersten lassen. Das Bild "Iceberg IX" entstand 2010 vor Grönland. Wie er enden wird, zeigen eindrucksvoll die beiden 2007 in der Antarktis entstandenen Aufnahmen "Ice Graveyard": Ein paar Trümmer, letzte Eisbrocken - Fragmente einstigen Stolzes vergehen kläglich im seichten Wasser.

Sebastian Copeland (49) arbeitete zunächst in der Werbung, drehte Musikclips und portraitierte Prominente. In der Promi-Ecke war auch er einmal zu verorten: Der Schauspieler Orlando Bloom ist sein Cousin, mit der Schauspielerin Birgit Nielsen war er von 1990 bis 1992 verheiratet. Er spät kam er zur künstlerischen Fotografie und entdeckt seine Passion: dem Umweltschutz mit dem Schwerpunkt Klimawandel. Beides verbindet er in seiner Arbeit. Copeland zählt zu den weltweit bekanntesten Umweltaktivisten. Er ist im Vorstand der Organisation "Global Green", die dem von Michael Gorbatschow gegründeten Umweltverband "Internationales Grünes Kreuz" angehört. Die weltweit bestehenden Kommunikationsprobleme überwindet er mit den Mitteln seiner Profession als Fotograf.

Greenland Storm, Greenland 2010 (c) Sebstian Copeland, courtesy Bernheimer Fine Art Photography

Die Antarktis ist eine der entlegensten und unwirtlichsten Gegenden der Erde. Für die meisten Menschen scheint sie auf einem fremden Planeten zu liegen, ist buchstäblich ein weißer Fleck auf der Landkarte. Mit seinen hautnahen Fotografien, die auf ausgedehnten Reisen in diese Eiswüste entstanden, bringt er dem Betrachter diese Welt von oft bizarrer Schönheit nahe und zeigt zugleich auf schonungslose Weise die fatalen Folgen des Klimawandels.

In der Ausstellung sind 21 meist großformatige Fotografien zu sehen, die zu einem großen Teil erstmals öffentlich ausgestellt werden. Häufig führen sie an Orte, die noch kein Mensch zuvor betreten hat. Sturm mit Windgeschschindigkeiten von bis zu 160 Kilometern in der Stunde formen die schneebedeckten Landschaften zu surreal oder abstrakt anmutenden Gemälden. Die Bilderserie "Sastrugi I bis VI", die 2010 und 2011 in der Antarktis entstand, zeigt dies eindrucksvoll; auf dem vierten Bild der Reihe bilden sich die Spektralfarben wie ein kleiner Bogen von den Eiskristallen ab. Ein in der Ausstellung gezeigtes Video dokumentiert, mit welcher Wucht die Winde Eis und Schnee über das Land peitschen. Die weißen und türkis-grünen, bis ins Blau gehenden Flächen strahlen in ihrer Klarheit Stille aus - und halten die Morbidität fest, die diesen Landschaften inne wohnt. Hier ist die Schau stark.

Antarctica Sky One, Antarctica 2012 (c) Sebastian Copeland, courtesy Bernheimer Fine Art Photogrphy

 

Sie fällt deutlich ab bei den "Horizont"-Bildern, auf denen Copeland die verfließenden Grenze zwischen Meer und Himmel aufzeigt. In den pastellenen Farbgebungen ist das handwerklich gekonnt und dekorativ. Aber das Motiv ist - es hilft nichts - seit Hiroshi Sugimoto ausgelutscht. Copeland liefert außer Farbe hierzu keine neuen Aspekte.

Die Ausstellung ist wichtig, da sie die Problematik des Klimawandels und seiner Auswirkungen aufgreift und in künstlerisch besachtenswerter Weise aufzeigt. Kein hinsehender Betrachter, derjenige also, der nicht nur die Eyecatcher - was die Fotos fraglos auch sind - wahrnimmt, wird sich dem entziehen können.

Bis zum 13. April 2013 bei Bernheimer Fine Art Photography, Brienner Str. 7 in München, Di-Fr 10-18 Uhr, Sa 11-16 Uhr, Eintritt frei.

Veröffentlicht am: 22.03.2013

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