Letzte Schau im Gartenhaus der Kunstakademie

Kunst geht, Künstler kommen

von Achim Manthey

Lauschig liegt das Gartenhaus im Akademiegarten (Foto: Achim Manthey)

Das Gartenhaus hinter der Akademie der Bildenden Künste wird zukünftig keine Kunst mehr beherbergen. Es wird zum Wohnraum für Gastprofessoren umgebaut. Die Studierenden suchen eine Alternative.

Der Mann mit dem blauen Bart wird wohl die schillernste Persönlichkeit gewesen sein, die sich dort eingenistet hatte. Der Multimedia-Künstler Robin Page, der in den 1980er Jahren seinen Gesichtsschmuck blau einfärbte und sich fortan Bluebeard nannte, lebte dort mit Frau und Zottelhund während seiner langjährigen Lehrtätigkeit an der Akademie und viele Jahre vor Umbau und Renovierung des Gartenhauses, das sich - grau angestrichen und mit modernen Türen und Fenstern versehen - in den historischen Akademiegarten schmiegt.

Heute gibt es dort eine Wohnung für Gastprofessoren und einen weiteren Raum, der von den Studierenden selbst verwaltet wird - in dem sie in eigener Regie Ausstellungen ausgerichtet haben. Freie Arbeiten wechselten mit der Präsentation von Diplomwerken ab. Auch wenn der Bezug zum Haupthaus erhalten blieb, waren im Gartenhaus oft spannende Projekte zu beobachten. Und noch anlässlich der Jahresausstellung 2012 ließen die Schüler des im vergangenen Jahr verstorbenen Norbert Prangenberg ihr Vorbild in Puppengestalt über seine Schäfchen und die Besucher der Ausstellung wachen.

Für Norbert Prangenberg bei der Jahresausstellung der Akademie im vergangenen Jahr (Foto: Achim Manthey)

Nun aber müssen die Studenten ausziehen. Das Gartenhaus wird vollständig zum Gästehaus umgebaut. Noch bis zum 3. Februar ist dort die Diplomarbeit von Korbinian Jaud zu sehen. "Psychobuilding/100 Kumpels unterm Gartenhaus" erzählt eine fiktive Geschichte vom Gastprofessor Till Steinbrenner, in dem Jaud die skurril-verschachtelte Raumgestaltung der Wohnungen im Gartenhaus aufnimmt.

Danach ist Schluss. Die Studenten suchen nach alternativen Räumen, um ihre Unabhängigkeit zu erhalten. Eine Alternative hätte sich ja schon einmal angeboten, als ein leerstehender Laden in der Türkenstraße im Dezember 2012 für kurze Zeit als Ausstellungsraum zur Verfügung stand. Aber auf eine solche Art von Room-Sponsering hofft man wohl vergebens. Aber wer weiß: Vielleicht findet sich wieder einmal ein farbiger Bart.

Noch bis zum 3. Februar 2013 "Psychobuilding/100 Kumpels unterm Gartenhaus" von Korbinian Jaud, Gartenhaus der Akademie, Akademiestraße 2-4 in München, täglich von 12-20 Uhr.

 

Veröffentlicht am: 01.02.2013

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