1,2 Millionen Euro für ein Projekt der Stadt

Selten war ein Sockel so leer im Raum

von Achim Manthey

Die Sache mit dem zweiten Sockel (Foto: Achim Manthey)

Die Stadt München gibt viel Geld aus für ein Kunstprojekt, das zum Nachdenken über die Bedeutung des öffentlichen Raums anregen soll. Muss das sein?

Das Reiterstandbild des Kurfürsten Maximilian I. auf dem Münchner Wittelsbacherplatz erhält für eine Weile Gesellschaft. Aber von was oder von wem? Am westlichen Rand des Platzes ist - wie berichtet - ein weiterer Sockel entstanden, auf dem zunächst einmal nichts steht. Das eher klassisch und bar jeden Pfiffs gestaltete Gebilde stellt den Auftakt eines Kunstprojekts dar, das das Künstlerduo Elmgreen und Dragset konzipiert hat. Seit dem 29. Januar 2013 und bis Ende September soll unter dem Titel "A Space Called Public/Hoffentlich öffentlich" über die Bedeutung des öffentlichen Raums nachgedacht unsd philosophiert werden. Vorbild ist eine ähnliche Aktion in London: "Fourth Plinth", der vierte Sockel auf dem Trafalgar Square, stand ebenfalls lange leer.

Schaun mer mal, was darauf zu stehen kommt oder ob überhaupt. Für 1.2 Millionen Euro darf man schon etwas erwarten (Foto: Achim Manthey)

1,2 Millionen Euro lässt sich die Stadt die Gaudi kosten - der Programmbeirat Freie Kunst des Kulturreferats hat dem Stadtrat das Projekt einstimmig "mit Nachdruck und ohne Einschränkungen" zur Realisierung empfohlen. Fünf Künstler haben die Chance, eine von ihnen für dieses Projekt entworfene Skulptur am Ende der Aktion auf dem Sockel enthüllt zu sehen.

Zuvor allerdings gibt es allerlei Veranstaltungen. So sollen ab dem 12. März 2013 täglich um 12 Uhr Performer bei dem Projekt "It's Never Too Late To Say Sorry" am Odeonsplatz aus einer dort plazierten Glasvitrine das darin befindliche Megaphon entnehmen und "Es ist niemals zu spät, sich zu entschuldigen" über den Platz zu brüllen - eine Reminiszenz an die naziträchtige Vergangenheit der Umgebung. Je nun. Eine "Berliner Pfütze", dortselbst von der Künstlerin Kirsten Pieroth "aufgesaugt" - wir nehmen das jetzt mal nicht wörtlich - soll in der Stadt immer wieder aufgespült werden. Na ja!

Der ganze Millionen-Spass soll am 6. Juni 2013 in eine große Eröffnungsparty in der Rathausgalerie münden. Ende September soll das alles dann wieder aus dem Stadtbild verschwunden sein. Wir wollen nicht stänkern, sind einigermaßen offen und alles andere als prüde. Aber, liebes München: So viel Geld! Wofür? Brauchts das? Aber wir lassen uns gern überraschen.

Ab dem 29.Januar 2013 bis Ende September 2013 auf dem Wittelsbacherplatz und an unterschiedlichen Orten in der Stadt.

Veröffentlicht am: 03.02.2013

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