Davis Klemm Gallery neu in München

Die Not und die Tugend - Eine Baustelleneröffnung

von Achim Manthey

Wandinstallation von Babak Saed (Foto: Achim Manthey)

Die geplante Ausstellung zur Eröffnung der neuen Galerie Davis Klemm in München fiel buchstäblich ins Wasser . Mit der rasch zusammengestellten Gruppenausstellung "Betreten der Baustelle erlaubt!" ist trotzdem ein Anfang geglückt.

"WASTUN". Die Wandinstallation des Konzeptkünstlers Babak Saed hätte der Eröffnungsausstellung in der neuen Galerie von Erika Davis-Klemm und Erhard Witzel auch den Titel geben können. Ein Wasserrohrbruch hatte den für Dezember geplanten regulären Start verhindert. Die Panne war kein Hindernis: Das Münchner Publikum wurde  am ersten Dezember-Wochenende(1. und 2. Dezember 2012) mit einer provisorischen Gruppenausstellung auf die Baustelle gelockt.

So machen sie auf sich aufmerksam (Foto: Achim Manthey)

Das wäre es doch, wenn es schnell gehen muss: Ein Instant-Gemälde aus der Tube einfach an die leere Wand gespritzt oder 100 Quadratmeter originaler englischer Rasen, gefriergetrocknet und komprimiert, im Vorgarten ausgestreut. Die in der Ausstellung gezeigten, verschrobenen Arbeiten von Barbara Storck-Brunetts bieten diese "Soforthilfe für alle Lebenslagen" an. Sehr amüsant kommt auch die Computer-Animation "View from my bedroom window" des Briten Julian Opie daher. Die immer gleiche Landschaft vor dem Schlafzimmerfenster von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang lädt zur Mediation über Gott und die Welt ein, ist allerdings auch so beruhigend, dass man mittendrin einnicken könnte, um ebenso aktuell im Nicht-Geschehen wieder aufzuwachen.

Ausstellungsansicht mit Lichtsäule von Hermann Präg (Foto: Achim Manthey)

Erika Davis-Klemm und Erhard Witzel haben bisher in Frankfurt und Wiesbaden eigene Galerien betrieben. Kürzlich haben sie sich zusammen geschlossen. Der Standort Frankfurt wird aufgegeben und nach München verlegt. Da in den neuen Räumen noch kein Licht installiert werden konnte, konzentriert sich die aktuelle Schau auf Arbeiten mit eigenen Lichtquellen.

Der Nürnberger Ottmar Hörl präsentiert sich mit Lichtkästen, in denen Fotografien aus den Aquarien des Frankfurter Zoos zu sehen sind. Witzig, aber auch hinterfotzig sind die Arbeiten von Karin Hoerler, die Alltagsgegenstände zerschneidet, kombiniert und diese Folien auf Leuchtkästen montiert. Der Münchner Siegfried Kreitner zeigt minimalkinetische Objekte aus aluminiumfarbenem Plexiglas, in dener er sich mit Technik und der Zweckfreiheit von Kunst auseinanderzusetzen versucht.

Zugegeben: Die Schau auf der Baustelle wirkt arg zusammengewürfelt und improvisiert, was den räumlichen Gegebenheiten geschuldet ist. Wohin die Reise gehen soll, zeichnet sich noch nicht ab. Im Januar 2013 soll es jedenfalls mit der Ausstellung "Neu im Viertel" richtig losgehen. Die Titel der ersten Ausstellungen zeugen jedenfalls von Humor.

"Betreten der Baustelle erlaubt!" noch vom 12. bis 14. Dezember 2012, Gabelsbergerstraße 11 in München, 14-18 Uhr, Eintritt frei.

Veröffentlicht am: 12.12.2012

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