Fotograf Horst P. Horst bei Bernheimer

Mode und andere Akte

von Achim Manthey

Horst P. Horst, Mainbocher Corset, 1939 (c) Horst Estate, courtesy Bernheimer Fine Art Photography

Die Ausstellung "Horst P. Horst: Icons of Fashion and Beauty" bei Bernheimer in München gibt einen Überblick auf 50 Jahre Mode-, Portrait- und Aktfotografie des surrealistischen Modepapstes.

Er schwärmte für den Surrealismus, in dessen Strömungen er seine frühen Arbeiten verortete. Zusammen mit Salvador Dali entwarf er fantasievolle Kostüme, die er anschließend in seinem Studio in Foto-Szenen umsetzte. Das in der Ausstellung gezeigte Bild "Dali Costumes" ist ein Beispiel. Aber auch "Waxed Beauty" von 1938 und vor allem "Electric Beauty" von 1939 deuten in diese Richtung. Keine Pracht und Herrlichkeit der Houte Couture, sondern Modelle in abstrusen Situationen wie der Haarentfernung durch Wachs oder in unaufgeräumten Schminkzimmern sind zu sehen, werden zu entpersonalisierten Kleiderträgern vor dem Eintritt in den Moment des Lichts und Glamours.

 

Diese Bilder stellen aber nicht das Hauptwerk des deutsch-amerikanischen Fotokünstlers dar. Berühmt wurde er durch seine Modeaufnahmen. Über fast  sechs Jahrzehnte hat Horst P. Horst dieses Genre modernisiert und entscheidend geprägt. Die großen Roben waren es, die er zunächst für die Vogue und ihre nationalen Ausgaben, später auch für Vanity Fair ablichtete. Helen Bernett, eine Frau von makelloser Schönheit, war in der zweiten Hälfte der 1930er Jahres eines seiner bevorzugten Modelle. Ein Portrait von 1935, auf der sie Hals- und Armschmuck präsentiert, beeindruckt durch seine Aktualität, ebenso "Capa" von 1936 und "Spider Dress" aus dem Jahr 1939. Die Fotografien bilden Modeklassiker ab, die durch die Art ihrer Darstellung bis heute Bestand haben. Aber auch Filmstars wie Ginger Rogers (1936) und Marlene Dietrich (1948) standen, saßen oder lagen ihm Modell.

Horst P. Horst, Study in Ivory, Advdertisement for Saks, 1982 (c) Horst Estate, courtesy Berheimer Fine Art Photography

Angefangen hatte alles ganz anders. Als Horst Paul Albert Bohrmann wird der Künstler am 14. August 1906 in Weißenfels an der Saale geboren. Eine Ausbildung zum Möbeldesigner an der Hamburger Kunstgewerbeschule schließt er nicht ab, geht 1930 nach Paris und arbeitet kurz als Praktikant bei Le Corbusier. Durch den Fotografen George von Hoyningen-Huene kommt er in Kontakt zur französischen Vogue, für die er 1931 zu fotografien beginnt und deren Chef-Fotograf er 1935 wird. 1937 geht er nach New York, wird amerikanischer Staatsbürger und fotografiert im 2. Weltkrieg für die US-Army. Aufnahmen des amerikanischen Präsidenten Henry S. Truman bringen ihm den Job als offizieller Fotograf der folgenden Präsidenten bis Gerald R. Ford ein. Nach der Entlassung aus der Armee kehr er zur Vogue zurück, für die er umfangreiche Serien über das gesellschaftliche Leben fotografiert. Zahlreiche Buchveröffentlichungen und Einzelausstellungen folgen in der 1980er Jahren, darunter 1987 in München. Horst P. Horst stirbt am 19. November 1999 in Florida.

Horst P. Horst, Round the Clock I, 1987 (c) Horst Estate, courtesy Bernheimer Fine Art Photography

In seinem künstlerischen Schaffen waren Außenaufnahmen seine Sache nicht. Er bevorzugte Studioaufnahmen, die Inszenierung durch kontrollierte Beleuchtung und die Steuerung von Licht und Schatten. Sein ausgeprägter Sinn für Geometrie und strenge Linienführung ergeben Bilder von zeitloser Schönheit. Besonders deutlich wird dies an den sehr diskreten Akten. "Lisa on Silk Hand on Torso" aus dem Jahr 1940 orientiert sich stark an altgriechischen Schönheitsidealen. Der weltbekannte Rückenakt "Mainbouche Corset" von 1939 belegt die grafisch klar und strenge Komposition des Bildes, die sich durch die nur locker geschnürten Bänder des Korsetts in Leichtigkeit auflöst.

Die Ausstellung zeigt rund 35 Aufnahmen aus einem Zeitraum von mehr als 50 Jahren. Sie ist für Freunde der streng formalen Schwarz-Weiß-Fotografie ein Muss. Lehrreich und sehenswert!

Bis zum 19. Januar 2013 bei Bernheimer Fine Art Photography, Brienner Straße 7 in München, Di-Fr 11-18 Uhr, Sa 11-16 Uhr, Eintritt frei.

Veröffentlicht am: 14.12.2012

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