Rüdiger Liedtke mit 111 neuen München-Tipps

Ein klingendes Glockenspiel und Fische, die gegen den Strom schwimmen

von Achim Manthey

Kleinhesseloher See mit Insel (Fotos: Archiv ama)

Der Kölner Autor und Journalist Rüdiger Liedtke hat einen zweiten Band seines Buches "111 Orte in München die man gesehen haben muss" vorgelegt. Er hält wieder zahlreiche Überraschungen parat.

Der Gang ist 32 Meter lang und drei Meter breit. An der einen Wand sind Glasscheiben übereinandergeschoben und gegeneinander versetzt angebracht, auf denen tausende Namen jüdischer Münchner Bürger geschrieben stehen, die Opfer des Nazi-Terrors wurden. Dieser "Gang der Erinnerung" verläuft unter dem St-Jakobs-Platz zwischen der neuen Hauptsynagoge Ohel-Jakob und dem Jüdischen Gemeindezentrum. Dies ist einer der eher verborgenen Orte in München, die Rüdiger Liedtke in seinem neuen Buch beschreibt. Ein anderer ist das Mahnmal für die Opfer der Nationalsozialisten im Innenhof der Justizvollzugsanstalt Stadelheim, das sich besuchen lässt, ohne dort für längere Zeit eingeliefert zu werden.

An der Kreppe in Haidhausen.

Aber es geht auch weniger beklemmend: Die Juristische Bibliothek im Rathaus am Marienplatz mit ihren beiden Galerien, den Wendeltreppen und Balustraden ist ein sehenswertes Kleinod, ebenso das Kanalwärterhäuschen an der Würm. Detailliert und kenntnisreich führt das Buch quer durch die Stadt. Überall gibt es etwas zu entdecken wie den Künstlergarten an der Villa Stuck, die kleine Sackgasse Am Künstlerhof in Neuhausen oder das Templerkloster am Isarhang. Und wer kennt schon die Fischtreppe an der Maximiliansbrücke, die den Fischen ihren Weg flussaufwärts erleichtern soll. Man erfährt näheres über das im Mai 2012 eingeweihte Carillon in der Kirche Mariahilf, und das die massige Figur, die sich vor der neuen Hochschule für Fernsehen und Film am Bernd-Eichinger-Platz beugt und durch ein Rohr ins Erdinnere zu schauen scheint, einen Namen hat.

Das Konzept des ersten Bandes wurde beibehalten: Einer Textseite ist eine Fotoseite gegenübergestellt. Die Beschreibungen sind interessant und informativ, kommen allerdings zuweilen etwas altväterlich daher. Die Qualität der Abbildungen hat deutlich zugenommen, was erfreulich ist. Dass sich manche Beschreibungen von Lokalen oder Geschäften bei aller Einzigartigkeit wie Werbung lesen, mag den einen oder anderen Leser stören.

Das Buch bietet Zuagroasten wie München-Kennern viel Neues. Das macht es empfehlenswert. München hat allerdings weit mehr als 222 Kleinodien. Dem zweiten Band wird daher wohl bald ein dritter folgen.

Rüdiger Liedtke "111 Orte in München die man gesehen haben muss" Band 2, Emons Verlag, 14,95 Euro.

 

 

Veröffentlicht am: 09.12.2012

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