Über den Alten Nordfriedhof

Historischer Parcour für Jogger

von Achim Manthey

Joggen zwischen historischen Grabmalen (Foto: Archiv ama)

Eine kleine Aussstellung erzählt von der Geschichte des Alten Nordfriedhofs in der Münchner Maxvorstadt.

"Radfahren verboten!" gebietet das Schild am eisernen Tor des Haupteingangs an der Arcisstraße. Das Thema zählt zu den Standardfragen an den München-Kenner, wenn es zu beantworten gilt, was man auf dem Alten Nordfriedhof nicht darf. Sonst ist inzwischen vieles erlaubt, was man auf einem Gottesacker in Betrieb tunlich unterlässt.

Der Alte Nordfriedhof wurde nach Plänen des Stadtbaurats Arnold Zenetti errichtet und am 5. Oktober 1868 in Betrieb genommen. Schon am gleichen Tag fand der frühere Stadtpfarrer der Ludwigskirche dort als erster seine letzte Ruhe. Angelegt wurde der Friedhof nach dem Vorbild eines Campo Santo: In 16 gleichmäßige Rechtecke sind die Grabfelder gegliedert, eine Arkadenmauer umgibt das Feld. Das große Kreuz des Bildhauers Halbig bildet noch heute die Achsenmitte der Anlage.

Skulpturen spiegeln die Bildhauerei ihrer Zeit (Foto: Archiv ama)

Zahlreiche Prominente des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts kamen dort zu liegen. Die Familie derer von Montgelas hat ein Familiengrab. Gottfried von Neureuther (1811-1887), der Architekt der Technischen Universität liegt hier ebenso wie der Lokomotivenbauer Georg Ritter von Krauss (1826-1906) und der Erfinder des modernen U-Boots, Wilhelm Bauer (1822-1875). Dessen ansonsten eher schlichtes Grabmal ziert die Abbildung seiner Erfindung. Künstlerisch bedeutende Skulpturen wurden auf den Grabstellen errichtet wie die des sterbenden Kindes in den Armen des Todesengels auf dem Wagmüller-Grab. Sie spiegeln die Bildhauerkunst jener Zeit wider.

Die letzte Bestattung fand 1939 statt. Im Krieg 1944 schwer beschädigt wurde die Anlage komplett geschlossen und nicht wieder in Betrieb genommen. Heute ist der parkartige Friedhof ein Freizeit- und Erholungsort. Jogger prusten und pusten entlang der Grabwege, Lesende und Sonnenhungrige lassen sich auf denBänken und Wiesen zwischen den Gräbern nieder. Und zuweilen soll es nächtens heimliche Schäferstündchen geben.

Eine kleine Ausstellung der Städtischen Friedhöfe München in Zusammenarbeit mit dem Bezirksausschuss Maxvorstadt erinnert mit Fotografien und Schautafeln an diesen denkmalgeschützten und kunsthistorisch wertvollen Ort, der einen Besuch allemal und zu jeder Jahreszeit lohnt.

Bis zum 30. November 2012 in der U-Bahn-Galerie U3/U6 Giselastraße, nördlicher Aufgang, täglich zu den Betriebszeiten der U-Bahn, Eintritt frei.

Veröffentlicht am: 21.11.2012

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