50 Jahre "The Dubliners"

Ergraute Boygroup aus Irland auf Abschiedstour

von Achim Manthey

"The Dubliners", hier noch mit Barney McKenna (Archivbild: Karsten Jahnke Konzertdirektion)

Same procedure als every year. An Allerheiligen startete die irische Folkband ihre Jubiläumstour durch Deutschland in München. Es wurde ein sentimentales Goodbye.

Das war anders geplant. Ein halbes Jahrhundert auf der Bühne sollte richtig gefeiert werden. Doch dann starb im April 2012 Barney McKenna, das letzte noch lebende Gründungsmitglied der Band. Wie damit umgehen im Jubiläumsjahr?

Schon vor Beginn der Show war klar, dass dies kein normaler Dubliners-Abend werden würde. Eine Screenwand strahlte Foto-Collagen mit den gewesenen und aktuellen Akteuren seit 1962 aus fünfzig Jahren Bandgeschichte ins Halbrund des Zirkus Circus Krone. Und "Banjo-Barney" sollte über dem gesamten Abend schweben.

Die Gruppe, in der auch schon etwas in die Jahre gekommenen Besetzung mit John Sheahan, Eamonn Campbell, Seán Cannon und Patsy Watchorn - keiner von ihnen jünger als 70 - wurde durch den Tenorbanjospieler Gerry O'Connor verstärkt - sein Spiel war die Offenbarung des Abends.

John Sheahan und Eamonn Campbell (Archivbild: Karsten Jahnke Konzertdirektion)

Kein "Wild Rover" und kein "Black Velvet Band" zum Einstieg, sondern eine eher stille Instrumental-Nummer. Was folgte war eine Multimedia-Show, die an die Frühform derartiger Präsentationen erinnerte. Einspieler mit Videos der verstorbenen Bandgründer Ronnie Drew, Luke Kelly, Ciarán Bourke und Barney McKenna begleitete die Gruppe live und holte die Ahnen heim. "Seven drunken Nights" (Ronnie Drew) oder "Kelly the Boy from Killan" (Luke Kelly) waren die Hits aus den 1960er Jahren. Berührend waren die fast unbegleiteten Videos, in denen Barney McKenna "Fiddlers Green" und "I wish I have someone to love me" sang, in die das verblüffend textsichere Publikum einstimmte - richtig aufgewacht war es erst kurz vorher bei "Dirty Old Town", wobei sich Patsy Warchorn als exzellenter Animateur zeigte.

Erfreulich viele Instrumental-Nummern wurden gespielt, bei denen sich Gerry O'Connor am Tenorbanjo auszeichnete. Was der Mann auf seinem Instrument - ein vorzüglicher Geiger ist er auch noch - drauf hat, ist genial. Tosender Beifall! Etwas episch die Eigenkompositionen von John Sheahan für Violine, die sich zunehmend vom Folk entfernen und stark barocke Elemente aufweisen. Wie immer kongenial begleitet wurden die Violinstücke von Eamonn Campbell auf der Gitarre.

Natürlich gab es ein Medley mit den bekanntesten und beliebtesten Stücken, zum Schluss das unvermeidliche "Whiskey in the jar". Zwei Zugaben - und dann der Abschied von München.

Es war ein etwas anderer Konzertabend. Die eingefleischten Dubliner-Fans waren selig und sentimental. So manch Älterer wischte sich verstohlen Feuchtigkeit aus den Augen. Als die Gruppe längst gegangen war, intonierten einige Zuschauer die "Fields of Athenry" den Durchhaltesong, den die irischen Fussballfans auch in den heftigsten Niederlagen anstimmen. Farewell Boys, we'll see you some day on Fiddlers Green.

 

Veröffentlicht am: 08.11.2012

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