Thomas Schmauser im Heimatkrimi

Ein Bamberger Reiter kehrt zurück

von Michael Weiser

Bamberger Reiter und blonde Zuwanderin: Thomas Schmauser als Haller und seine norddeutsche Kollegin Sacher (Teresa Weißbach). Foto: BR

Heimspiel für Thomas Schmauser: Der Schauspieler, seit 2007/2008 an den Kammerspielen, kehrt als  Kommissar Haller für den Krimi "Bamberger Reiter" aus Würzburg in seine fiktive und tatsächliche Heimat zurück. Mit Michael Weiser unterhielt sich Schmauser, 1972 wenige Kilometer von Bamberg entfernt geboren, über schreiende Fotografen, über gemischte Emotionen beim Heimspiel und das Glück auf dem Rücken der Pferde.

Das Previewpublikum in Bamberg war begeistert, - wie auch nicht bei so vielen schönen Bildern von Bamberg. Die Story vom "Bamberger  Reiter" ist nicht die überzeugendste, Regisseur Michael Gutmann und Drehbuchautor Peter Probst versprechen viel Geheimnis und lassen allzu viele Fäden liegen. Der Heimatkrimi insgesamt macht dennoch Spaß - der schönen Bilder wegen, wie gesagt (Kamera Kay Gauditz), und wegen der stimmigen Szenen vor allem mit dem mild-melancholischen Hauptkommissar Peter Haller (Thomas Schmauser) und Kommissar Sven Schäuffele (Sven Waasner): die Oberfranken können aber auch so was von trocken sein.

Im alten "Odeon"-Kino steht die Filmcrew auf die Bühne, erzählt was von der neu entdeckten Liebe zu Bamberg, einer erwähnt, dass er in Bayreuth eine Patentante hat. Oberfränkischer Lokalstpatriotismus äußert sich in spöttischem Gejohle, das der Partystimmung keinen Abbruch tut: Im engen Foyer des "Odeon" drängeln sich Schauspieler, Crewmitglieder, Bamberger Ehrengäste. Ich habe Thomas Schmauser um ein Gespräch gebeten. Wir lassen uns draußen nieder. Die Luft ist besser dort. Und man kann rauchen.

Hatten Sie vor diesem Heimspiel auch ein wenig Bammel?

Ja, zum Beispiel davor, dass ich's nicht greifen kann. Was einen immer umgibt, ist nicht unbedingt leicht zu beschreiben, ganz im Gegenteil: Oft ist es doch so: Je weiter man von einer Sache weg ist, desto leichter kann man sie greifen, desto kreativer kann man mit ihr umgehen.

Sie wirkten ziemlich gerührt, als sie von der Bühne herab Ihre Familie grüßten...

Ja, aber ich war auch nervös. Weil das ja keine Profis sind. Ich bin jetzt wirklich nicht berühmt, nicht in der Art jedenfalls, dass mich die Leute auf der Straße erkennen würden. Und trotzdem war da vorhin dieser Rummel, diese Fotografen, die einen anschreien... Das ist nicht die Umgangsweise, die ich gut finde. Und da habe ich schon ein bisserl Schiss um meine Familie, wie die das verkraftet.

Und wie ist das Gefühl jetzt, nach dem Trubel, hier vorm Kino in Bamberg? Sind Sie ein besonders heimatverbundener Mensch?

Das war ja nicht nur good feeling. Es war auch viel Kampf dabei. Ich habe hier Bankkaufmann gelernt, und da war ich total fehl am Platz. Und dann bin ich weggegangen, um zu studieren, mich der Kunst zu widmen (lacht). Zur Heimat gehört auch ein Abnabelungsprozess, glaube ich. Natürlich ist das jetzt, es war schön, aber auch Kampf - es ist beides. Jetzt lacht man drüber, aber das hätte ja auch schiefgehen können.

Auf der Bühne der Kammerspiele waren  Sie oft in schrilleren Rollen zu sehen, als tief verletzter Caliban im "Sturm", als verkommener "Platonow" etwa. Wie viel ist davon im Kommissar Haller?

Haller ist kein Querdenker, der ist viel alltäglicher. Er ist kein spezieller Kommissar mit irgendeinem ganz besonderen Talent, mit Visionen oder so was. Er ist kurz vor langweilig. Das ist mir wichtig, dass er keine Ferne zur Realität aufweist. Die anderen Figuren - die sind so was von aufgeladen.

Ist Haller ein Romantiker?

Objektiv betrachtet ist es so. Er selber würde es verneinen.

Ein, zweimal kommt Oberbayern vor im "Bamberger Reiter", und dann mit einem süffisanten Unterton...

Ach, das gehört doch dazu, dieses tease around. Diese Bissigkeit, dieses Aufziehen gehört schon zu Haller. Der ist eine stille Figur, aber das heißt nicht, dass er nicht links und rechts austeilen kann. Sonst wird's doch zu gemütlich, man arbeitet sich mit Klischees ab, und dann wird's fad.

Bleibt Haller in Bamberg? Oder geht's doch wieder nach Würzburg zurück?

Ne, das möchte ich nicht. Aber das muss der Sender entscheiden. Ich würde am liebsten in Bamberg bleiben, das finde ich alles so stimmig. Am wichtigsten ist allerdings, dass Hallers Geschichten notwendig sind, dass sie erzählt werden müssen.

Am Ende des Heimatkrimis "Bamberger Reiter" scheint sich Haller doch mit Pferden anzufreunden. Eine Anspielung auf den wahren Thomas Schmauser?

Ich bin ein Reit-Junkie. Ich hab vor drei Jahren angefangen mit dem Westernreiten, und es spielt eine zentrale Rolle in meinem Leben. Ich reite jeden Tag, außer, ich bin unterwegs. Ich habe mein Pferd in Schwabhausen. Das ist meine Lebensphilosophie. Ich bin kein Profi, werde ich auch nicht, aber ich arbeite jeden Tag mit dem Pferd. Der Umgang mit ihm - das ist meine Passion.

"Bamberger Reiter", ein Frankenkrimi aus der Reihe Heimatkrimi, wird im Bayerischen Fernsehen am Samstag, 27. Oktober 2012, um 20.15 Uhr ausgestrahlt.

Veröffentlicht am: 19.10.2012

Über den Autor

Michael Weiser

Redakteur, Gründer

Michael Weiser (1966) ist seit 2010 beim Kulturvollzug.

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