Frauen-Welten in der Galerie Christa Burger

Der schönste Tag im Leben - Windsbräute und andere Zitate

von Achim Manthey

En coleur (c) Lisl Ponger, courtesy Galerie Christa Burger

In der Sammelausstellung "Revisited" werfen sechs Fotokünstlerinnen einen Blick zurück in die Kunstgeschichte - mit Ironie gegen Verklärung.

Frauen und Kunst. Arthur Schopenhauer gehörte zu den bösen Buben, der ihnen teilweise jedes eigenständige künstlerische Talent absprach. Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein war Künstlerinnen der Zugang zu den Akademien meist verwehrt, eine fehlende, adäquate Einordnung in die Kunstgeschichte wird bis heute als Behinderung empfunden. Kein Wunder also, dass sich weibliche Künstler verstärkt und rückblickend mit der von Männern geprägten Kunst der Vergangenheit beschäftigen. Eine aktuelle Ausstellung gibt hierfür ein beredtes Beispiel.

La sposa del vento, (c) Tina Bara, courtesy Galerie Christa Burger

Tina Bara und Alba D'Urbano, beide Professorinnen an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, nehmen sich in ihrer 51-teiligen Arbeit "La sposa del vento" mit Fotografien und einer Video-Installation Oskar Kokoschkas gleichnamigem Gemälde "Die Windsbraut" an, das ein eng umschlungenes Liebespaar in einem von Wellen umspielten Boot zeigt. Der Verklärung der Liebe begegnen die Künstlerinnen mit Ironie. Zunächst unabhängig voneinander inszenieren sie sich als "Braut", die dem herkömmlichen Heiratsalter entwachsen ist. Der Bräutigam kommt nicht vor.

Alba D'Urbano ließ sich im Hochzeitskleid ihrer Mutter aus den 1950er Jahren - das amüsante Album mit den Hochzeitsbildern ist in der Ausstellung zu sehen - ablichten. Aber nicht in romantischer, feierlicher Umgebung, sondern vor Plattenbauten, Bauzäunen, Schuttbergen und Brachen in Leipzig. Das ist ätzend. Tina Bara zeigt sich in barockem Fantasiekleid auf einer Hochzeit, zu der sie in das italienische Impera eingeladen war. Sie klettert über Felsen am Meer. Die Teilnehmerinnen der Hochzeit einschließlich der Braut treten in einem Video kurz auf. Erst später haben die Künstlerinnen, die häufig gemeinsame Projekte verfolgen, ihre Arbeiten zu einem Gesamtwerk zusammengefügt, in dem sehr gründlich mit der traditionellen, romantischen Vorstellung von Liebe aufgeräumt wird. Vorstellung, Traum und Bildersicht werden unbeherrschbar.

La sposa del vento (c) Alba D'Urbano, courtesy Galerie Christa Burger

Mit ihrer Arbeit "En couleur" zitiert Lisl Ponger ein berühmtes Foto der Reihe "Noire et Blanche" von Man Ray aus den 1920er Jahren, das die Schönheit "Kiki von Montparnasse" mit einer dunklen afrikanischen Maske in der Hand zeigt. Dem hält die Künstlerin eine moderne junge Frau entgegen, ebenso blass und schön wie das Vorbild, aber mit einer Ausgabe der National Geographic mit dem Titelbild eines Folani in der Hand entgegen. Ironisch und hintersinnig weist Ponger auf die immer noch bestehenden Klischees und Vorurteile im Umgang mit anderen Hautfarben hin.

Irene Naef plaziert Frauen auf historischen Gemälden aus unterschiedlichen Epochen an einem Tisch in einer mit Rosen und Blattwerk zugewachsenen, natürlichen Laube. Eine Collage als Zeitreise, die sich an Ingrés, Pontormo und van Dyck anlehnt. Die Geschichte spielt sich vor gleichem Hintergrund ab, in dem doch nur ein kleines grünes Blatt am Boden für Kontinuität sorgt. Alles andere ist Veränderung, ein Übergang von Realität zu Fiktion, von Vergangenem zum Jetzt. Die drei Aufnahmen, die durch Bildbearbeitung entstanden, sind ein kleines Highlight der Schau.

Souvenir II (c) Irene Naef, courtesy Galerie Christa Burger

Annegret Soltau setzt dagegen auf Körpereinsatz. Sie ist sich Modell genug, duldet in der 1985 entstandenen  Arbeit aber die Künstlerin Christel Burmeier neben sich. In einer nicht öffentlichen Performance entstand ein Austausch zwischen beiden Protagonistinnen, die sich nackt zeigen und umgeben sind mit Gegenständen, die ihnen wichtig schienen: Metronom, Horn, Koffer, Sichel und Sense. Zwischen den beiden Frauen entsteht Nähe, fast Einheit. Es soll ein Kontrapunkt sein gegen die Sicht des männlichen Künstlers auf sein Modell, das dem "Genie" doch nur Objekt war.

Katharina Mayer schließlich ironisiert die Süße der nazarenischen Malerei mit einem Bild im Bild, das zwei Frauen in Tracht vor idyllischer Landschaft und den unvermeindlichen Mauerresten zeigt. Hier gelingt es indes nicht, die Differenz zwischen Malerei und Fotografie aufzuzeigen. Die Süße bleibt.

Die Ausstellung ist interessant. Die Sicht der Künstlerinnen auf eine männlich geprägte Kunstgeschichte ist gewiss nicht ultimativ. Aber sie regt zum Nachdenken an.

Bis zum 31. Oktober 2012 in der Galerie Christa Burger, Theresienstraße 19 (Eingang Fürstenstraße) in München, Di-Fr 14-18.30 Uhr, Sa 13-16 Uhr, Eintritt frei.

 

 

 

Veröffentlicht am: 18.10.2012

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