Kinold und Priller bei Stefan Vogdt

Neue Sachlichkeit und moderne Schwünge

von Achim Manthey

Louis Kahn, Salk Institute, La Jolla 1998 (c) Klaus Kinold,

Eine feine Ausstellung in München kombiniert Architekturfotografie von Klaus Kinold mit Skulpturen von Markus Priller.

Ob es der Barcelona Pavillon von Mies van der Rohe ist, der von Carlo Scarpa entworfene Friedhof von Brion oder die Döllgast-Treppe in der Alten Pinakothek: Wo es hochwertige, außergewöhnliche Architektur zu sehen gibt, da ist auch Klaus Kinold mit seiner Kamera zu Stelle.

Architekturfotos ohne Schnickschnack

Treppen- haus Alte Pinakothek München, 1981 (c) Klaus Kinold

Der 73-jährige Wahlmünchner zählt zu den weltweit renommiertesten Fotografen dieses Genres. Und er ist ausgebildeter Architekt, der sich in die Gedankenwelt des Baumeisters und zuweilen auch des Bauherrn hineinversetzen kann. Das fließt in die Arbeiten ein. Kinold zeigt Architektur, wie sie ist. Er verzichtet auf extreme Perspektiven, verzerrende Blickwinkel oder Spielereien mit Licht und Schatten. Natürliche Standorte und weiches Licht zeichnen seine Fotografien aus. Besonders deutlich wird das bei der 1998 entstandenen Aufnahme des von Louis Kahn entworfenen Salk Institute in La Jolla, die in genialer Weise die klaren, geometrischen Linien des Baus mit der Linie des Horizonts vereint.  Der Fotograf sieht sich weniger als Künstler denn als Vermittler zwischen Architektur und Publikum. Die Ausstellung zeigt Arbeiten aus der Zeit von 1981 bis 2003. Das ist eine lange Zeitspanne, in der sich sowohl die Architektur wie die Fotografie verändert haben. Kinold bleibt mit seinen Bildern in bester Tradition der Neusachlichen.

Aus nassen Buchenstämmen gehauen

Die Galerie der Moderne von Stefan Vogdt stellt Kinolds Fotos die leichten, geschwungenen Skulpturen des Österreichers Markus Priller (56) gegenüber. Den Künstler, der in Innsbruck und München studiert hat und am Attersee lebt und arbeitet, interessiert seit frühester Jugend das "Physische des Arbeitsvorgangs", die Arbeit mit bloßen Händen, auch mit alten oder selbst konstruierten Werkzeugen.

o.T. Markus Priller (Foto: Achim Manthey, courtesy Stefan Vogdt-Galerie der Moderne)

Die Ausstellung zeigt Arbeiten in Bronze, Aluminium und Holz, wobei der Künstler die Buche bevorzugt. Aus nassen Stämmen schlägt er die Grundform seiner Werke, die dann in filigraner Kleinarbeit zu geschwungenen, sich nach unten hin verjüngenden Gebilden werden. Die wie durch einen Windhauch geblähten Blattformen erinnern an traditionelle Kultgegenstände aus Afrika oder Asien, die durch ihre Farbgebungen allerdings sowohl Eleganz wie Kraft erhalten.

Die Gegenüberstellung von Architekturfotos und moderner Skulptur erreicht in der Ausstellung ein hohes Maß an Harmonie. Sie zeigt das Zusammenspiel von Außen und Innen.

Bis zum 2. November 2012 bei Stefan Vogdt - Galerie der Moderne, Kurfürstenstraße 5 in München, Mo-Fr 10.30 - 18.30, Sa 10.30-15.00, Eintritt frei.

 

 

Veröffentlicht am: 25.10.2012

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