Hans-Christian Schink in der Galerie Jordanow

Analog ist besser

von Achim Manthey

4/10/2009, 4:11-5:11 pm (c) Hans-Christian Schink, courtesy Galerie Jordanow

Eine Ausstellung in München zeigt Arbeiten aus der Serie "1 h" des Foto-Künstlers Hans-Christian Schink. Sie halten fest, wie die Zeit verrinnt.

Eine Stunde. Danach bohrt sich die Sonne wie ein Speer durch die Baumkrone, bleibt dort hängen, leuchtet an den Rändern. Die Aufnahme entstand im Oktober 2009 zwischen 4.11 Uhr und 5.11 Uhr am Nachmittag. Auf einem anderen Foto scheint sie eine Insel aufspießen zu wollen, während sie ihre frühmorgentliche Lichtbahn auf das Meer wirft. Auf einer weiteren Aufnahme will sie in eine Ebene einfahren.

Die Sonne als Speer? Das geht zusammen. Solarisation ist das Stichwort, ein Verfahren, bei dem eine Verfremdung des fotografischen Bildes durch starke Überbelichtung erfolgt. 1857 beschrieb William Henry Jackson die Methode zum ersten Mal, 1888 bildete der Fotopionier Hermann Krone das Phänomen auf dem Bild "Die Sonne in ihrem scheinbaren Verlauf gegen den Horizont" ab. Hierdurch hat sich Schink inspirieren lassen.

4/05/2009, 6:53-7:53 am (c) Hans-Christian Schink, courtesy Galerie Jordanow

Der 51-jährige Künstler studierte von 1986 bis 1993 Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. 2002 begann er mit dem Projekt "1 h", das er 2010 abschloss. Die Aufnahmen entstanden auf der nördlichen und der südlichen Halbkugel der Erde, wenn die Sonne ihren Zenith noch nicht erreicht oder schon überschritten hatte.

Es sind faszienierende Bilder. In der einstündigen Belichtungszeit zieht die Sonne ihre Bahn und erscheint als schwarzer Streifen über der ansonsten unveränderten Landschaft. Die Aufnahmen entfalten besondere Wirkung, wenn das Sonnenlicht nicht auf refektierenden Flächen wie dem Meer zu sehen ist. Die Methode kann nur in der analogen Fotografie funktionieren, da durch die lange Belichtungszeit unmittelbar in die chemische Zusammensetzung des Filmmaterials eingegriffen wird.

Die Ausstellung wird ergänzt durch Beispiele aus weiteren Werkreihen des Künstlers. "Wände", in denen kräftige Farbflächen nur durch die Grasnaben am unteren Bildende als Bauwerke kenntlich werden, korrespondieren mit den Sonnenfotos. Fotografien aus Peru und Vietnam, die einen Einblick in die Bandbreite der künstlerischen Arbeit von Hans-Christian Schink bieten, sind klugerweise räumlich separiert.

 

Bis zum 20. Oktober 2012 in der Galerie Jordanow, Fürstenstraße 11 in München, Mi-Fr 14.19 Uhr, Sa 10-16 Uhr, freier Eintritt.

 

 

 

 

Veröffentlicht am: 13.10.2012

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