Anke Heelemanns Installation im Stadtmuseum

Vergessene Privatfotografie zum Abreißen - Das Ende wird weiß

von Achim Manthey

Foto-Abreißblöcke der Installation des Projekts Fotothek (Foto: Anke Heelemann)

Die Ausstellung "Neuordnung" im Forum 028 zeigt eine interaktive Installation des Projekts "Fotothek - Fachgeschäft für vergessene Privatfotografien". Ohne aktive Besucher funktioniert sie nicht.

600 quadratische Abreißblocks, wie man sie in Gelb aus Büro oder Haushalt kennt, sind mit Schwarz-Weiß-Fotos bedruckt und auf einer weißen Fläche, die entfernt an einen überdimensionalen Setzkasten erinnert, angebracht. Es sind Privatfotos, für die sich keiner mehr interessiert: Urlaubs- und Familienfotos, von Verlobung und kirchlichen Weihen, eingeklebt in Alben, leicht verblasst mit der Zeit. Mit jedem Erbfall wanderten sie Dachboden oder Keller ein Stück näher, bis sie ganz vergessen wurden.

Solche Fotografien sammelt die 33-jährige Künstlerin Anke Heelemann, die an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und der Bauhaus-Universität in Weimar, wo sie lebt und arbeitet, studierte. In privaten Nachlässen, auf Flohmärkten und in Kramläden wird sie fündig. 2006 startet sie ihr Langzeitprojekt "Fotothek-Fachgeschäft für vergessene Privatfotografien", das inzwischen über einen Fundus von etwa 100.000 Einzelfotos, Dias und Fotoalben verfügt. Er bildet den Ausgangspunkt für immer neue Aktionen, bei denen der Betrachter interaktiv-performativ einbezogen wird.

Grundlage der Münchner Installation sind Bilder aus einem älteren, anonymen Album. Macht der Besucher mit, reißt er also ab so oft er mag, verändert sich das Werk ständig. Die Bilder Unbekannter aus lange vergangener Zeit werden in das Licht der Gegenwart gerückt. Und womöglich erinnert sich der einzelne Besucher an das, was er selbst bereits entsorgt oder jedenfalls lange nicht mehr angeschaut hat.

Am Ende der Ausstellung könnte ein Werk mit nur noch wenigen, verstreuten Bildern stehen, dass die Abbildungen zurück in die Einsamkeit entlässt. Oder es bleibt ein großer, weißer Setzkasten. Originell, spannend - und endlich.

Bis zum 4. November 2012 im Forum 028 des Münchner Stadtmuseums, St.-Jakobs-Platz 1, täglich außer Mo 10-18 Uhr.

Veröffentlicht am: 28.10.2012

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