Münchner Glaspalast im Staatsarchiv

Keine Auferstehung aus Ruinen - Vernichtete Kunst, verändertes Stadtbild

von Achim Manthey

Die Seiten wurden im Juni 1931 erstmals in den Süddeutschen Wochen veröffentlicht. Es handelte sich um eine Bildbeilage der Augsburger Post (Bild: Bayer. Hauptstaatsarchiv, Landtag 14524)

Eine kleine Ausstellung erinnert an Glanz und Untergang eines Baus, der 77 Jahre lang das Münchner Stadtbild prägte.

Der Alarm ging gegen 3.30 Uhr ein an diesem 6. Juni 1931: Der als unbrennbar geltende Münchner Glaspalast stand lichterloh in Flammen. Als der Morgen graute, waren nur noch einige verbogene Eisenträger in einem Haufen rauchender Trümmer zu sehen. Zu retten gab es da nicht mehr viel.

77 Jahre zuvor hatte alles so schön angefangen. König Maximilian II. holte die Erste Allgemeine Deutsche Industrieausstellung nach München. Dafür musste ein repräsentatives Gebäude her. Zunächst am Maximiliansplatz vorgesehen, wurde 1854 nach den Plänen des Architekten August von Voit an der Nordseite des Alten Botanischen Gartens eine Konstruktion aus Gußeisenträgern und Glas errichtet. Vorbild war der für die Internationale Weltausstellung 1851 in London errichtete Crystal Palace. Durch den Bau der Schrannenhalle 1853 und den nicht mehr erhaltenen Wintergarten zwischen Königsbau und Nationaltheater hatte man in München bereits Erfahrungen mit Glas-Gusseisen-Konstruktionen gesammelt. In nur sechs Monaten wurden für den Glaspalast 1700 Tonnen Gusseisen, geliefert von Nürnberger Unternehmen Cramer-Klett, und 37.000 Glastafeln verarbeitet.

Am 18. Juli 1854 begann die Industrieausstellung, nach deren Ende das weitere Schicksal des Bauwerks zunächst ungewiss blieb. Auch an Abriss wurde gedacht. Allen Spekulationen setzte Maximilian II. ein Ende, als er am 25. Oktober 1856 verfügte, "daß der hübsche Bau, der bisher bei verschiedenen Anlässen geeignete Verwendung  finden konnte, München erhalten bleibe."

Der Glaspalast-Brunnen wurde nicht zerstört. Er steht heute am Weißenburger Platz in Haidhausen (Foto: Achim Manthey)
Es brachen glanzvolle Zeiten an für das Haus: Die Kunst hielt Einzug. Jährlich fanden dort auch international viel beachtete Kunstausstellungen statt, deren Eröffnungen gesellschaftliche Ereignisse höchsten Ranges waren. "Die Festgäste des Zivilstandes erscheinen im Frack und mit weißer Halsbinde", schreibt die Einladung zur IX. Internationalen Kunst-Ausstellung 1905 vor. Dass Amts- und Militärpersonen in Galauniform und Amtstracht mit Orden, Streifen und Schleifchen anzutreten hatten, war eh klar. Legendär waren die Künstlerfeste.

All das machte der Brand, dessen Ursache ungeklärt blieb, zunichte. Mehr als 3000 Gemälde wurden vernichtet, darunter die vollständige Sonderausstellung "Werke deutscher Romantiker von Caspar David Friedrich bis Moritz von Schwind" mit 2000 Bildern. Blankes Entsetzen herrschte weit über Bayerns Grenzen hinaus.

Schon bald gab es konkrete Pläne für einen Neuaufbau, die nach der Machtergreifung durch die Nazis in den Schubladen verschwanden. Hitler gab dem 1937 am Südrand des Englichen Gartens eröffneten "Haus der Deutschen Kunst "den Vorzug.

In einer sehr klein geratenen Ausstellung erinnert das Bayerische Hauptstaatsarchiv an Glanz, Gloria und Untergang des Bauwerks, das der Dichter Eugen Roth einmal als "Wahrzeichen der Stadt" bezeichnete. Annelie Hopfenmüller und Elisabeth Weinberger haben Dokumente, Fotografien und Zeitungsausschnitte zusammengetragen, die einen dann doch eher unzureichenden Überblick bieten. Schade, denn hier wäre etwas mehr drin gewesen.

Bis zum 14. September 2012 im Bayerischen Hauptstaatsarchiv, Schönfeldstraße 5 in München, Mo-Do 8.30 bis 18.00 Uhr, Fr. 8.30 bis 13.30 Uhr. Freier Eintritt.

Veröffentlicht am: 10.09.2012

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