Kunst aus Shanghai in der Whitebox

Bilder in die chinesische Vergangenheit

von Achim Manthey

 Tradition mit Blick nach vorn (Foto: Chen Yanyin/Veranstaler)

In der Ausstellung "all about... Shanghai" werden Arbeiten von 17 Mitgliedern der Künstlervereinigung "Shanghai Oil Painting and Sculpture Institute" gezeigt. Viel Rückschritt, etwas Statik und wenig Aufbruch ist zu sehen.

Der Pfirsich sieht wie ein Herz aus. Das tiefrote Gebilde aus Glas ruht auf einer weißen Säule, dahinter an der Wand fünf mittelformatige Fotografien, auf denen das Objekt von einer linken Hand in unterschiedlichen Haltungen berührt, angestupst wird. Yuan Kan mag sein Obst, kein Frage. Die Arbeit "Mein Pirsich und ich" lässt Raum für Interpretationen, die im Kern ersticken. In der Reihe "Always be my company I-V" aus dem Jahr 2008 portraitiert der Zeichner und Bildhauer Lin Su Hund und Katz, die den Betrachter aus unterschiedlichen Betrachtungswinkeln in den Focus ihrer tierischen Sicht nehmen. Von Li Peng sind kleinformatige Ölgemälde zu sehen, die in dunkelblauen oder braun-beigen Farben gehalten Landschaften und Denkmals-Situationen darstellen. Die Bilder scheinen einerseits der traditionellen chinesischen Malerei zu folgen, erinnern motivisch jedoch auch an die deutsche Romantik.

Die Künstlervereinigung "Shanghai Oil Painting and Sculpture Institute (SPSI)" wurde vor 30 Jahren gegründet. Vor zwei Jahren erhielt die Einrichtung mit dem "SPSI Art Museum" ein eigenes, allerdings staatlich geführtes Forum zur Präsentation der Kunstentwicklungen in Shanghai. Die Münchner Ausstellung präsentiert 17 vom SPSI selbst ausgewählte Künstler der Vereinigung mit Arbeiten, die zwischen 1994 und 2012 entstanden.

Dein Hund sieht dich an (Foto: Lin Su/Veranstalter)

Die Schau hinterlässt zwiespältige Gefühle. Die Aktzeichnungen von Yin Xiong erscheinen wie die Bemühungen eines akademischen Erstsemesters, die Reihe mit Ölgemälden "Archive of a pretty Woman - Ruan Lingyon No. 1-6" ist handwerklich solide, plakativ und nett - mehr aber auch nicht. Zhu Yong zeigt in Mischtechnik auf Papier Körperteile, Ohren, Füße und am Ende der Reihe einen zerbrochenen Torso mit dem Titel "Alptraum". Wie wahr.

Die Schau dokumentiert, dass sich jenseits international bekannter Größen wie Ai Weiwei in China wohl nur wenig tut, was beachtenswert wäre und internationalen Bestand hat. Das, was gezeigt wird, ist in Teilen schön, überwiegend erbaulich, meist traditionell. Die zu beobachtende Rückbesinnung auf eigene Werte kann auch Resignation vor den bekannten, staatlichen Eingriffen in künstlerische Freiheiten bedeuten. Die Einblicke, die in den Stand  zeitgenössischer chinesischer Kunst gewährt werden, sind alles andere als spannend. In  Anlehnung an Herbert Rosendorfers "Briefe in die chinesische Vergangenheit": Die Bilder grüßen genau dort hin, ohne von der Gegenwart zu berichten. Schwer vorstellbar, dass da nicht mehr ist.

Bis zum 26. August 2012 in der Whitebox, Grafinger Straße 6 in München, Do und Fr 17-21 Uhr, Sa, So und Feiertag 15-20 Uhr, Eintritt 3 Euro. Zum Ende der Ausstellung soll es einen Katalog geben.

 

Veröffentlicht am: 18.08.2012

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