Künstler-Kooperation Thiemann / Partenheimer

Alte Schläuche in Raum und im Foto - Eine Geduldsüberdehnung

von Achim Manthey

o.T., 2011 (c) Susanne Thiemann/Moritz Partenheimer, courtesy Galerie Jordanow

Die Ausstellung mit dem schlichten Titel "Susanne Thiemann Moritz Partenheimer" zeigt Objekte und deren Fotografien. Sie fordert Langmut.

Schwarz - Rot - Gold. Von drei ineinander verhängten, metallenen Stuhlgestellen ohne Sitz- und Rückenfläche ergießen sich dünne Plastikschläuche und und verwirren sich auf dem Boden bei der 2011 entstandenen Installation "Pull over Chairs" von Susanne Thiemann. Alternativ gibt's die auch mit vier Stühlen. "Pinkcloud" aus dem gleichen Jahr ist ein durch schwarze und rosafarbene Schnüre fest verwobenes Gebilde, das leise vor sich hin strahlt.

Die Ausstellung stellt die Arbeiten der 1955 in Kiel geborenen Korbflechter-Meisterin den Fotografien gegenüber, die der 33-jährige Moritz Partenheimer von ihnen gemacht hat. Weder das Eine noch das Andere mag so recht überzeugen.

Susanne Thiemann verwendet für ihre künstlerischen Arbeiten - Skulpturen, Installationen und Wandobjekte - formbare Kunststoffe, Kunststoffreste, Gummischläuche. Die Objekte in der Ausstellung sind mit diesen fiesen dünnen Plastikschläuchen entstanden, die in der 1960er Jahren zur Herstellung von Eisdielen- und Gartenbestuhlungen dienten und jeden kurzbehosten Oberschenkeln mit schmerzhaften Striemen versahen. Die Farben Schwarz, Rosa und Babyblau herrschen vor und ergeben Arbeiten, die optisch gefallen können, aber ohne jeden Aussagegehalt bleiben.

Das retten auch die Fotografien von Moritz Partenheimer nicht. Immerhin ist eine Veränderung in seiner Arbeit erkennbar. Zeigt die fotografische Langzeitbeobachtung "Points of Interest" noch unverfälscht das, was das abgebildete Objekt tatsächlich ist, inszeniert er seine Bilder nun, drapiert die Objekte und stellt sie in Korrespondenz zu einem reduzierten Raum.

Dass die Veränderung nicht projektbezogen ist, beweisen drei gezeigte, aus dem Rahmen der Schau fallende Aufnahmen, die zugemauerte, vernagelte Zimmerzugänge zeigen. Ein Kuriosum besteht schon darin, dass die Bilder vom Zimmerinneren, quasi aus einer Situation des Eingesperrtseins heraus entstanden. Kleine Details wie die mit dem frischen Mauerwerk korrespondierende, altbackene Motivtapete oder das aus der Zimmerdecke hängende Stromkabel neben dem Lampenhaken machen die drei Bilder zu einem Highlight, das wie zufällig in diese Ausstellung zu geraten scheint und in einem Nebenraum fast übersehen werden kann - ein gehängtes Schattendasein.

Die Schau fordert dem Betrachter ein gerüttelt Maß an Geduld ab, mehr als aufzubringen sich lohnen würde.

Noch bis zum 14. Juli 2012 in der Galerie Jordanow, Fürstenstraße 11 in München, Mi-Fr 14-19 Uhr, Sa 10-16 Uhr, Eintritt frei.

Veröffentlicht am: 08.07.2012

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