World Press Photo startet in München

Spiegel mit düsterem Grundton - Die besten Pressefotos 2011

von Achim Manthey

Freunde geworden: Wildhüter beschützen das Breitmaulnashorn rund um die Uhr (c) Brent Stirton, Südafrika

Naturkatastrophen, Krieg und Gewalt haben auch das Jahr 2011 geprägt. Die Medien brüllten die Bilder der Ereignisse in alle Welt. Die besten Pressefotografen, deren Arbeiten jetzt für kurze Zeit in München zu sehen sind, waren dabei - mit ihrem eigenen Blick auf die Dinge.

Der Sohn hat überlebt! Immerhin! Das Siegerfoto 2011 stammt von Samuel Aranda und zeigt eine jemenitische Mutter, die ihren erwachsene Sohn im Arm wiegt, der bei einer Demonstration in Sanaa von Tränengas verletzt wurde. Auch wenn das Bild mehr suggeriert, als tatsächlich war, offenbart es das Leid der Menschen, die sich gegen Diktaturen auflehnen auf der Suche nach Freiheit und einer wie immer gearteten Form von Demokratie. Die Dokumentation der gewaltigen Umbrüche in Ägypten, dem Libanon und im Jemen bildet einen wesentlichen Teil der in der Ausstellung gezeigten Arbeiten. Harte, brutale Fakten zeigen die Aufnahmen aus der stark umkämpften libyschen Stadt Homs, den fast fanatischen Freiheitsdrang geben die Aufnahmen vom Tahirplatz in Kairo wieder.

Die japanische Katastrophe im März 2011 (c) Yasuyoshi Chiba, Japan

Der Betrachter spürt, wie schwer es dem Fotografen zuweilen fällt, die sogenannte professionelle Distanz zu dem zu bewahren, was er abbildet. Ganz besonders deutlich wird dies bei den Fotografien, die im März 2011 nach dem Erdbeben und Tsunami im östlichen Japan entstanden. Die Aufnahmen von Paolo Pellegrin, David Guttenfelder oder Yasuyoshi Chika dokumentieren Schicksale von Mensch und Natur. Es sind die kleinen Momente wie die um Hab und Gut gebrachten Obdachlosen, die sich in einer Sammelunterkunft waschen oder die in Trümmern hochgehaltenene Urkunde eines vermissten Kindes, die bewegen.

World Press Photo richtet in jedem Jahr diesen Wettbewerb internationaler Pressefotografen aus. 101.254 Fotos von 5247 Fotografen aus 124 Ländern hatte die 19-köpfige Jury dieses Mal zu beurteilen. Die Preise werden in 18  Kategorien vergeben. In der Ausstellung ist eine Auswahl von 158 Bildern zu sehen, neben den Siegerfotos eine Auswahl der bestplazierten Arbeiten.  Prämiert wurden dabei auch Ideen. Simon Norfolk hat in Afghanistan militärische und zivile Gruppen im Stil von John Burke, eines Fotografen aus dem 19. Jahrhundert, aufgenommen. Alte und neue Bilder werden in der Ausstellung einander gegenübergestellt. Und darin liegt hier das Manko: Norfolks Bilder können zwar für sich stehen, funktionieren aber ohne diese Konfrontation nicht.

Das Pressefoto des Jahres 2011: Eine jemenitische Mutter wiegt ihren durch Tränengas verletzten Sohn in den Armen (c) Samuel Aranda, Spanien

Fast scheint es, als habe die düstere Stimmung aus den Krisengebieten auch auf die übrigen Kategorien ausgestrahlt. Schockierende Aufnahmen von Strelka, einem russischen Amateur-Straßenkampf, der ohne zeitliches Limit ausgetragen wird und nur durch K.O. oder Aufgabe beendet werden kann, zeigt Alexander Taran und erinnert an die Frühzeiten des Faustkampfes, der nach vergleichbaren Regeln durchgeführt wurde. Dem stehen in der Kategorie "Sport" die harmonischen, scherenschnitthaften Bilder des Australiers Adam Pretty über Synchronspringer gegenüber.

Berührende Tieraufnahmen sind zu sehen: Jenny E. Ross zeigt ein junges Eisbärenmännchen in einem Klippenfelsen auf der Suche nach Lummeneiern und lässt die pinguinartigen Vögel völlig unberührt. Afrikanische Wildhüter beschützen ein imposantes Breitmaulnashorn, das sich ganz der menschlichen Liebkosung hinzugeben scheint. Und dann gibt es die erschütternden Fotos von Paul Hilton, auf denen die brutale Jagd auf Haie zu sehen ist, nur um deren Flossen für die Feinschmecker dieser Welt zu ernten.

Es ist eine sehr vielfältige, sehenswerte Ausstellung mit düsterem Grundton. Dies ist nicht so, weil die Fotografen es so wollten. Die Welt ist so.

Bis zum 25. Juni 2012 rund um die Uhr in der Schalterhalle des Münchner Hauptbahnhofs. Eintritt frei.

Veröffentlicht am: 19.06.2012

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