Veli Granö im Münchner Stadtmuseum

Finnischer Künstler mit skandinavischer Düsternis in Bild und Ton

von Achim Manthey

Veil of Forest, 2011 (c) Veil Granö

Die Ausstellung "Veli Granö - Prophet. Fotografie und Video" im Forum 026 des Stadtmuseums zeigt erstmals in Süddeutschland Foto- und Videoarbeiten des bekannten finnischen Künstlers.

Finstere Wälder - Lebensraum für Trolle, Feen und Elfen, die durch Unterhölzer geistern, auf Baumleichen tanzen, locken, zirzen, quälen, Schabernack treiben. Sie sind nicht wirklich da, aber er sieht sie, lebt mit ihnen.

Die jüngste Serie des Foto- und Videokünstlers Veli Granö mit dem Titel "Profeetta" (The Prophet) befasst sich mit seinem Landsmann Markku Mäkinen. Als Einsiedler lebt er in einem Wald, seit das Haus, in dem er wohnte, in seiner Kindheit von einem Blitz getroffen wurde. Ein traumatisches, nicht verarbeitetes Erlebnis. Er lebt seither in einer Welt übersinnlicher Erscheinungen. Zurückgezogen von den Menschen taucht der Protagonist der Arbeiten ab in tiefere Ebenen, kehrt aber immer wieder an die Oberfläche zurück, "um in ihre vielseitigen materiellen Ebenen der Realität einzutauchen", wie er in dem in der Ausstellung gezeigten Video berichtet, in das Zeichnungen des finnischen Künstlers Oscar Parvianen (1880-1938) eingearbeitet sind.

Parvianen, der zwischen 1900 und 1914 zahlreiche Ölgemälde und Zeichnungen geschaffen hatte, die den Ausbruch der Apokalypse zeigen, überlebte einen Versuch, sich das Leben zu nehmen. Mit seinen Arbeiten verfiel er in die Kahlheit und Einsamkeit, die er zuvor vielleicht nie herbeigesehnt hatte. Sie korrespondieren mit dem Dasein des Einsiedlers.

Einsiedler und Prophet, The Prophet, 2011 (c) Veli Granö

Veli Granö ist einer der international bekanntesten finnischen Künstler. 1960 in Kajaami geboren studierte er am Lathi Design Institut und lehrte von 1993 an an der University of Art and Design in Helsinki. Seit 2011 ist er Professor an der Academy of Fine Arts der finnischen Hauptstadt. Zahlreiche Einzelausstellungen vorwiegend in Skandinavien und die Beteiligung an Gruppenausstellungen in Sydney und New York machten ihn international bekannt. Er lebt und arbeitet in Helsinki.

Die skandinavischen Künstler der jüngeren Zeit haben - egal ob in Film, Malerei, Fotografie oder Literatur - einen unübersehbaren Hang zur Düsternis. Das ist hier nicht anders, auch wenn Granös Fotografien die Finsternis des Waldes dadurch auflösen, dass sich an seinem Saum Licht auftut, in dem schemenhaft Figuren zu sehen sind. Vorsichtig und behutsam nähert sich der Künstler seinen Sujets. Die Aufnahmen dokumentieren Glück und Stolz ebenso wie die dunklen Momente im Leben der dargestellten Personen.

Nie wird die Kamera aufdringlich, zerstörerisch. Die radikale Abkehr seiner Helden von den Ansprüchen unserer rationalen Welt  ist das prägende Thema der Arbeiten. Es sind Helden, die sich die Freiheit zum Ich nehmen.

"Das ist nur ein Ausdruck davon, was ich wirklich bin und des uns umgebenden Universums", sagt Markku Mäkinen im Video. Die Ausstellung fängt das ein.

Bis zum 20. Mai 2012 im Forum 026 des Stadtmuseums München, St. Jakobs-Platz 1, Di-So 10-18 Uhr.

 

 

Veröffentlicht am: 10.04.2012

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