Jeanloup Sieff: Four Decades - vier Jahrzehnte französische Fotokunst

von Achim Manthey

Astrid's Rücken, für Harper's Bazaar 1964 ⓒThe Estate of Jeanloup Sieff Courtesy Bernheimer

Die Bernheimer Fine Art Photography zeigt in ihren Galerieräumen an der Brienner Straße in München eine Werkschau des großen französischen Fotografen Jeanloup Sieff.

Die unvermeidliche Filterlose zwischen Zeige- und Mittelfinger, den Kopf auf die rechte Hand gestützt, die Augenbrauen leicht hochgezogen, der Blick ironisch, melancholisch, er scheint in die Ferne zu gehen.

So empfängt Jeanloup Sieff den Besucher der Ausstellung. Besser gesagt ein Portrait des Fotografen, 1998 aufgenommen von Sonia Sieff, seiner Tochter. Und es gibt gleich die Grundmelodie der Bilder vor, die den Betrachter in der Ausstellung erwarten: Eleganz, gemischt mit Humor, Romantik und Melancholie.

Die Ausstellung zeigt rund 40 Fotografien, die in der Zeitspanne von den 60er Jahren bis in die späten 90er Jahre hinein zu den Themenbereichen Mode-, Portrait- und Aktfotografie entstanden. Schwarz-weiß-Aufnahmen, die als Vintage oder Modern Print zu Lebzeiten des Fotokünstlers abgezogen und von ihm autorisiert wurden.

Jeanloup Sieff, 1933 als Sohn polnischer Eltern in Paris geboren, arbeitete ab Mitte der 50er Jahre zunächst als freier Fotojournalist und Modefotograf für die Zeitschrift Elle. Von 1961 an lebte und arbeitete er in New York, bevor er 1966 nach Paris zurück ging, wo er für so renommierte Magazine wie Vogue, Harper's Bazaar, Paris Match, Esquire und Twen Mode, Portraits und Akte fotografierte. Seine Werke finden sich in vielen Sammlungen, u.a. im Centre Pompidou in Paris und im Museum Ludwig in Köln. Sieff starb am 20. September 2000 in Paris.

Für die in München gezeigte Ausstellung konnte die Kuratorin Ira Stehmann gemeinsam mit Barbara Sieff und in Anstimmung mit Blanca Bernheimer die Aufnahmen aus dem Nachlass des Fotografen in Paris auswählen. Die Anzahl der dort vorhandenen Vintage Prints und späteren Abzüge ist begrenzt, von manchen Aufnahmen steht nur noch ein Abzug zum Verkauf.

Die Fotografien von Jeanloup Sieff waren prägend und haben ihren festen Platz in der Geschichte der Fotografie. Modefotografien wie wie Astrid's Rücken haben bis heute nichts an Aktualität verloren. Originelle Bildkompositionen wie das hinter einem Riesenrad positionierte Model im kleinen Schwarzen (1960), das an Audrey Heburn erinnert, oder die drei Buben, die Modefotos in die Kamera halten, oder die an der Büste eines Engels plazierten Modeaufnahmen zeigen den Ideenreichtum des Fotografen. Sieff spielt mit dem Licht, komponiert Räume, in denen er Begegnungen stattfinden lässt.

Yves Saint Laurent, 1969 ⓒThe Estate of Jeanloup Sieff Courtesy Bernheimer

Für seine Portraits hatte er sie alle vor der Kamera: ob Yves Montand (1961), die junge Mia Farrow (1968) oder Karl Lagerfeld (1986). Und immer wieder Yves Saint Lorent, den Sieff über die Jahrzehnte mehrfach portraitiert hat. In der Ausstellung sind allein vier Portraits des Modeschöpfers zu sehen, darunter - großformatig und raumfüllend - auch die berühmte, 1971 entstandene Aktaufnahme. Authentische Aufnahmen, die den Charakter der Abgebildeten transportieren.

Dazu sind in der Ausstellung verstörend schöne Akte zu sehen wie Nu pompier aus dem Jahr 1956, auf dem das Akt-Modell vor einem Trödlerladen plaziert ist. Hoch erotisch die Aufnahme eines - elegant bekleideten - Paares, das, statt in sich zu versinken, die Glut von Cigarillo (Sie) und Zigarette (Er) sich vereinen lässt (1964).

Dass Sieff auch auf anderen fotografischen Gebieten daheim war, zeigt die 1978 entstandene Aufnahme des nächtlichen Café de Flore in Paris. Leider wirkt die Aufnahme etwas verloren angesichts des Schwerpunktes, den die Ausstellung sich gesetzt hat.

Vier Jahrzehnte französischer Fotokunst, die bis heute Gültigkeit hat. Sieffs Fotografien sind zeitlos. Es ist sicherlich ein Verdienst der Galerie Bernheimer Fine Art Photographie, das Werk des Künstlers in dieser lange nicht gesehenen Fülle zu zeigen.

Dem Bild am Eingang ist zu wünschen, dass es beim Verlassen der Ausstellung mit Hochachtung, Freude oder zumindest mit leicht hochgezogenen Augenbrauen gegrüßt wird.

Die Ausstellung ist noch bis zum 29. Januar 2011 dienstags bis freitags von 10.00 bis 21.00 Uhr, samstags von 11.00 bis 16.00 Uhr in der Galerie Bernheimer Fine Art Photography in der Brienner Straße 7 in München zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Nähere Informationen unter www.bernheimer.com

Veröffentlicht am: 27.11.2010

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