Daniel Radcliffe zurück im Kino

Schaurig-schöner Gänsehaut-Grusel

von kulturvollzug

Auf dem Weg zum Sturz ins Verderben © 2011 Concorde Filmverleih GmbH

Daniel Radcliffe ist Harry Potter. So war es, so ist es. Aber so muss es nicht bleiben. Denn in "Die Frau in Schwarz", seinem ersten Film nach der Ära als Zauberer, schafft es Radcliffe, sein Potter-Image zu überwinden.

Drei kleine Mädchen in weißen Kleidern spielen in einem Dachzimmer mit ihren Puppen. Plötzlich lassen sie das Spielzeug fallen und gehen, wie von einer unsichtbaren Hand geführt, in Richtung der drei bodentiefen Fenster. Die drei Kinderhände drehen die Griffe, ziehen die Fenster auf und die Mädchen schreiten – im Gleichschritt – wie durch eine Zimmertür in den Tod.

Schon der Vorspann von „Die Frau in Schwarz" weist auf das seltsame Reich zwischen Leben und Tod hin, in dem sich Daniel Radcliffe in den nächsten eineinhalb Stunden bewegen wird.

Er spielt einen jungen Rechtsanwalt, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts von seinem Chef als Nachlassverwalter in ein entlegenes Dörfchen geschickt wird. Das Haus, um das er sich kümmern soll, steht mitten im Watt und ist nur während der Ebbe zugänglich - zu allem Überfluss gilt es auch noch als verwunschen.

Der dem Film zu Grunde liegende Roman erschien 1982 und wurde zum Welterfolg. Es folgten eine TV-Adaption, ein Theaterstück und ein Hörspiel, ehe sich jetzt die berühmten, wiederauferstandenen „Hammer“-Studios des Stoffes annahmen. Zusammen mit Regisseur James Watkins und Drehbuchautorin Jane Goldman haben sie mit höchster Sorgfalt eine äußerst gelungene Verfilmung für die große Leinwand geschaffen.

Daniel Radcliffe spielt jungen Londoner Anwalt Arthur Kipps © 2012 Concorde Filmverleih GmbH

Es ist wie in jedem guten Gruselfilm: die Dorfbewohner stehen Rechtsanwalt Arthur Kipps ablehnend gegenüber, einzig der Gutsbesitzer Mr. Daily lädt ihn zum Essen ein - und erzählt ihm die tragischen Geschichten des Dorfes. Nicht nur Mr. Dailys Sohn Nicholas ist vor Jahren im Meer verschwunden, auch ganz in der Nähe Hauses im Watt hat es einen schrecklichen Unfall gegeben, bei dem eine Kutsche versunken ist - zusammen mit dem kleinen Sohn der Hausbesitzerin.

Mit dem Tod ist Kipps bereits früher in Berührung gekommen - vier Jahre ist es her, seit seine geliebte Frau bei der Geburt des gemeinsamen Sohnes Edward gestorben ist. Der junge Anwalt hat ihr Ableben noch längst nicht überwunden, vielmehr hat er immer noch das Gefühl, als wäre sie manchmal ganz in seiner Nähe...

„Die Frau in Schwarz“ beweist, dass altmodisch schaurige Gruselfilme auch in der schnelllebigen Zeit voller Facebook-Klicks und Smartphone-Hektik nichts von ihrer Faszination eingebüßt haben. Es braucht eben keine blutrünstigen Zombies, um beim Zuschauer Gänsehaut-Wellen auszulösen. Ein unheimliches Haus, seltsame Geräusche von überallher, Türen, die sich von selber öffnen, hier und da ein sonderbarer Schatten, der Anflug eines Gesichtes - das wirkt viel intensiver und länger.

Ab Donnerstag, den 29.03. im Kino: Die Frau in Schwarz © 2012 Concorde Filmverleih GmbH

Immer tiefer gerät der Zuschauer zusammen mit der Hauptfigur in jenes Zwischenreich zwischen Diesseits und Jenseits - die gelungene Kameraführung und gekonnte Lichtsetzung tun ihr Übriges. Natürlich weiß niemand von uns, ob das Jenseits existiert, und letztendlich werden wir es auch erst nach dem Tod erfahren – aber gerade das macht doch die Faszination des Sujets aus.

Und so begleiten wir Arthur Kipps gerne, dem Daniel Radcliffe, oft mit einfachen Gesten, die nötige Tristesse verleiht und lassen uns entführen in das Totenreich - ehe uns ein überraschendes Ende mit unseren tiefsten Ängsten - oder sind es doch Hoffnungen? - alleine lässt.

Ulrich Buchner

 

 

Hier finden Sie ein Interview des Horrorfilm-Portals BlairWitch mit der Drehbuchautorin Jane Goldmann

 

Veröffentlicht am: 28.03.2012

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