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Thomas de Lates
03.02.2012 23:13 Uhr

Was Hornstein beklagt, stimmt genau so wie er es sagt – selbstverständlich gibt es Ausnahmen, an den Hochschulen und sogar in Jurys und Redaktionen. Aber leider nur Ausnahmen. Für jeden seiner Kritikpunkte lassen sich massenhaft Belege vorweisen. Und vieles davon kenne ich aus eigener Erfahrung – sowohl als Musiker, der Gigs an Land zieht, wie auch aus meiner Tätigkeit in Booking und Musik-Management.

Bedauerlicherweise unterstellt man Hornstein Larmoyanz. Berechtigte Klage über Missstände so zu nennen ist jedoch ein nur allzu wohlfeiles Killerargument. Und was man ihm auf keinen Fall vorwerfen kann: dilettantische Schreibe – sein Text ist so gut, dass manch ein Lohnschreiber neidisch werden könnte.

Das Wutgeheul, dass er mit seinem Artikel entfacht hat, gibt zu denken – er hat offenbar einen wunden Punkt getroffen. Aber wie schon oft identifizieren sich die Opfer mit den Tätern und nehmen diese in Schutz – psychologisch nachvollziehbar, aber auch entlarvend. Klar: Der Musiker sitz immer am kürzeren Hebel, ist auf Gedeih und Verderb vom Wohlwollen der „Funktionäre“ existentiell abhängig. Wer offen Stellung bezieht, riskiert, keine Gigs mehr zu kriegen. Wer kann sich das leisten? Hornstein hat es sich geleistet. Die anderen heulen mit den Wölfen.

Laia Genc
04.02.2012 01:29 Uhr

Man diskutiert nicht nur in München schon seit längerer Zeit, wie man es am Besten angehen soll mit dem Jazz in Deutschland in der Zukunft. Ich selber bin der Negativismen leid. Warum können wir nicht eine richtungsweisende und fachliche Diskussion führen. Man liest Überschriften wie \"Betriebsstörung\" oder \"Zugabe oder Abgesang\" oder auch \"Jazz hat´s ... Nicht\" Oder es tauchen Artikel auf, die \"Was Sie über Jazz wissen sollten\" heißen. Alles bei Interesse nachzulesen.

Es ist auch bemerkenswert, daß die Meinungen allenthalben so weit auseinanderklaffen. Die einen sagen, daß an den Hochschulen nur die Musiker als Lehrkräfte landen, die es auf dem freien Markt nicht geschafft haben und ergo auch nichts auf dem Kasten haben. (Was übrigens nie eine richtige Schlussfolgerung ist. Meistens sind die stillen Wasser die richtig tiefen) Die anderen sagen, daß eine junge stetig wachsende Generation Musiker von international arbeitenden Topkräften ausgebildet wird. Wer hat nun hier recht? Also ich kann nur für meinen Standort sprechen, ich stehe für die Musikhochschule Köln, die ein Topniveau bietet. Weltklasse. Und gerade in den letzten Jahren einige DER jungen deutschen Jazzer rausgebracht hat. Die auch übrigens über unsere Fachkreise hinaus durchaus bekannt sind und einen Wirkungskreis haben. Und jetzt mal aus meiner Sicht: es ist vielmehr Hornstein, der seinen Frust zum Ausdruck bringt in seinem Artikel. Daß sein Artikel diese Diskussion in diesem Maße anheizt finde ich allerdings ganz hervorragend! Denn wir müssen uns bemerkbar machen und vor allem auch selber untereinander (unter den Jazzern) klar und einiger werden, um dann eine Zugkraft aufzubauen, um unsere Bedürfnisse einfordern zu können. Zumindest um uns bemerkbar zu machen, das ist der Anfang! Es steht um viele Dinge im Argen in unserem Genre. Die Verhältnisse, bzw. der monetäre Gegenwert für die wir arbeiten sind bis auf einige Einzelfälle nicht der Rede wert. Z.Zt. passiert aber viel Gutes. Viele Initiativen bringen den Menschen diese unsere Musik näher und locken sie zu den Veranstaltungen. Und so gibt es auch die Neuigkeiten vom KölnerWinterJazz Festival, das aus allen Nähten geplatzt ist und das mit einem Publikum, das von Kindern bis hin zum berühmten Rotweinpublikum (- wir haben Euch alle lieb!!!!! -) reichte. Oder Aussagen von jungen Leuten, habe ich selbst so gehört, die sagen: \"Wenn ich mit meiner Freundin schick auf ein Konzert gehen will, dann gehe ich doch auf ein Jazzkonzert! Ist doch voll angesagt.\" Und daß Journalisten oder Veranstalter mit Jazz Geld verdienen stimmt so auch nicht. Viele Clubs arbeiten ja ehrenamtlich und kämpfen stets darum, daß es weitergeht. Guter Fachjournalismus im Jazz ist zur Zeit ein gesuchtes Gut. Auch hier wird viel ehrenamtlich gearbeitet und nicht immer am Zahn der Zeit. Und natürlich kann man auch diese schöne Betätigung nicht Hauptberuflich verfolgen. Geschweige denn, daß viel über Jazz in den Zeitungen oder Medien untergebracht wird. Das ist mit der Pressepräsenz z.Zt. ja zum Glück etwas anders. Jetzt wünschte ich mir nur eine fachlich richtige und gute Berichterstattung. Gerne auch mit wissenschaftlichem Ansatz, denn auch das gibt es in Deutschland. Eine wirklich wissenschaftliche Aufarbeitung des Jazz. Es ist einfach unhaltbar zu schreiben, daß in der Jazzmusik in den letzten 20 Jahren nichts neues passiert ist. Die Szene ist so spannend und vielfältig wie noch nie zuvor!!! Es drängen immer mehr hervorragend ausgebildete Musiker auf den Markt, die der Welt sehr wohl etwas zu sagen haben. Ich will mich nicht in Grund und Boden schreiben lassen. Was wir jetzt nicht brauchen ist Rufmord. Und genau darum dreht sich das Ganze hier. Gerade in einem Moment, wo sich so viel Energie in eine positive Richtung entwickelt kommt natürlich auch ein Feedback. Aber eines, in dem ich die derzeitige Lage nicht immer ganz korrekt abgebildet finde. Laßt uns weiter debattieren!

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