Unter den Wolken mit Klaus Leidorf: Ein Bayern-Portrait aus der Luft

von Achim Manthey

St. Bartholomä am Königsee (Foto: Klaus Leidorf)

In dem neuen Fotobuch "Hoch über Bayern" zeigt der Luftbildfotograf Klaus Leidorf den Freistaat in spektakulären Bildern aus der Vogelperspektive und führt auf manche Spur.

Das Kunstwerk ist nur aus der Luft zu entdecken. "Eine Insel für die Zeit" nennt sich das gewaltige Relief von Wilhelm Holderied und Karl Schlamminger in der Nähe des Münchner Flughafens, ein Erdzeichen. Die vergoldete Kuppel des von Friedensreich Hundertwasser entworfenen Kuchlbauerturms im niederbayerischen Abensberg gleißt im Sonnenlicht und verbirgt weite Teile der bunt-surreal verkitschten Architektur. Wie ein ins türkisblaue Wasser des Eibsees unterhalb der Zugspitze geworfenes Herz schwimmt die Scheibeninsel und scheint sich in gleichmäßig-rhythmischen Bewegungen entfernen zu wollen.

Klaus Leidorf (55) studierte zunächst Vor- und Frühgeschichte und war unter anderem für das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege tätig, bevor er zur Fotografie kam, die er mit seiner Leidenschaft für das Fliegen verknüpfte. Wenn er es zusammenrechnet, war er über ein Jahr im bayerischen Luftraum unterwegs, um bisher unentdeckte Bodendenkmäler zu dokumentieren und die Strukturen, Besonderheiten, aber auch die von Menschenhand geformten Landschaften darzustellen.

Reihenhaussiedlung in Fürstenfeldbruck (Foto: Klaus Leidorf)

Das neue Buch zeigt faszinierende Naturlandschaften wie das Wampenmoos bei Bad Tölz, eines der wenigen Hochmoore, oder die Eggstätt-Hemhofer Seenplatte im Chiemgau. Bizarre Muster ergeben sich, wie bei der Aufnahme der Bewässerungspuren auf einem Acker bei Bergtheim oder des zugefrorenen Vilstalsees in der Nähe von Frontenhausen. Friedvoll verschneit schmiegt sich St. Bartholomä an den tiefblauen Königsee im Berchtesgadener Land, eine Fischreuse im Ammersee wirkt wie ein gigantischer Rochen.

Aber auch die gravierenden Eingriffe des Menschen in die Landschaften werden auf neue Art sichtbar. Tiefe Wunden schlägt eine Betonitgrube bei Binsham. Wie ein wendländdisches Runddorf sieht die kreisförmig angeordnete Neubausiedlung in Fürstenzell aus, was so gar nicht den klassischen bayerischen Siedlungsformen entspricht. Futuristisch wiederum die Reihenhaussiedlung in Fürstenfeldbruck, erschreckend eintönig eine Neubausiedlung in Erbendorf, straßenzugweise nebeneinander angeordnet mit blauen oder gelben Fassaden, roten Ziegeldächern mit Solaranlagen. Und doch entwickelt die Perspektive von oben eine gewisse Ästhetik.

Aus der Luft, aus einer Höhevon cirka 100 Metern aufgenommen vermitteln die Bilder völlig neue, spannende Ansichten auf die Vielfalt Bayerns. Vieles ist dabei, das sich auch vom Boden aus zu erkunden lohnt. Anderes lässt sich nur von oben sehen. Die Begleittexte zu den einzelnen Bildern sind zuweilen etwas zäh, was aber nichts daran ändert, dass es ein uneingeschränkt empfehlenswertes Fotobuch ist. Wer auf die Schnelle noch etwas für den Gabentisch sucht, kann mit diesem Buch nichts falsch machen.

Klaus Leidorf, Hoch über Bayern, Einmalige Entdeckungen aus der Vogelperspektive, Volk Verlag München, 192 Seiten, 24,90 Euro

 

 

 

Veröffentlicht am: 23.12.2011

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