SeitenWände im Münchner Stadtmuseum: Ein Tagebuch und Leerräume (Folge 3)

von Achim Manthey

Forschung und Leere, 2011 (Foto: Jenny Schäfer

Wenn es ohne Buch nicht geht: In dem mehrteiligen Ausstellungsprojekt "Seitenwände. Fotografie im Buch oder im Raum" im Münchner Stadtmuseums ist der dritte Abschnitt zu sehen.

Ankommen in einem fremden Land ist nicht leicht. Die Koreanerin Sungeun Claire Choi hat ihre Ankunft in Deutschland und den Versuch der Einfindung und Annäherung in einem fotografischen Tagebuch festgehalten. Die Fotos zeigen Versatzstücke, Momentaufnahmen, bilden Installationen von Licht und Materialien in anonymisierten Räumen ab - und sind doch nichts als Ausdruck einer Suche nach Geborgenheit in der Fremde. Kleinformatige Farbaufnahmen sind in der Ausstellung zu sehen, gefangen in hölzernen Tafeln als Rahmen mit einer Auslassung in der Mitte,  die den Blick auf das Bild freigeben. Die Präsentation an der Wand zerstört die Assoziationen der Künstlerin, die in dieser Schau aber immerhin durch das Fotobüchlein transportiert werden.

Ohne Titel, 2011 (Foto: Paula Estrada Quintero

Die Kolumbianerin Paula Estrada Quintero dokumentiert in schwarz-weiß verlassene öffentliche Gebäude. Leerräume, in denen sie das Augenmerk auf kleine, unscheinbare Details lenkt wie die Gebrauchsspuren an Türen und Wänden, die ohnehin nie jemand beachtet hat. Ihre "ZwischenZeit" - so der Titel der Reihe - entrückt Ort und Raum. In dem ganz lustig als Leporello gestalteten Fotobuch lassen sich die Gedanken der Künstlerin zu den Bildern nachlesen.

Auch mit dem Buch Anleitung kommt man bei Jenny Schäfers Arbeit "Forschung und Leere" nicht weiter. Verblassende Fotografien, auf denen Blumensträuße oder auch nur ein zu Boden gefallenes Blatt Papier zu sehen sind, werden mit Fundstücken kombiniert; das alles führt an der Wand zu einer unruhigen, unfertig wirkenden Installation von Nichtigkeiten ohne inneren oder äußeren Bezug zueinander. Das aufwändig gestaltete Fotobuch löst das nicht auf.

Franziska Opel steuert eine Porzellanplatte bei, durch die der Satz "Im Hellen die Sterne dunkel leuchten" aufblinkt. Die Verbindung zur Fotografie soll sich - nun ja - durch den "Positiv-Negativ-Charakter" des Werks ergeben.

In dem mehrteiligen Ausstellungsprojekt untersuchen Studierende der Hochschule für bildende Kunst die Unterschiede in der Wahrnehmung von Fotografien, die an der Wand hängen oder im Buch betrachtet werden können. Auch in diesem dritten Teil  will sich der angestrebte Dialog zwischen der Intimität des Blätterns im Buch und dem öffentlichen Ausstellungsbesuch nicht vollständig einstellen. Die beiden Präsentationsformen stehen gleichwertig nebeneinander, ergänzen sich, ohne wirklich zu korrespondieren.

Noch bis zum 8. Januar 2012 im Forum 025 der Sammlung Fotografie des Münchner Stadtmuseums, St.-Jakobs-Platz 1, täglich außer Mo. 10-18 Uhr.

 

Veröffentlicht am: 02.01.2012

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