Ehrung für Pressefotografen: Bayerischer Journalisten-Verband zeichnet Pressefotos des Jahres 2011 aus

von Achim Manthey

Das Gewinner-Foto: Passionsende (c) Karl-Josef Hildenbrand

Unter der Schirmherrschaft von Landtagspräsidentin Barbara Stamm hat der Bayerische Journalisten-Verband (BJV) am Mittwoch zum zwölften Mal die Pressefotos des Jahres geehrt. Nach dem Ausrutscher im vergangenen Jahr blieb die Jury dieses Mal auf der sicheren Seite.

And the winner is: Karl-Josef Hildenbrand. Wie schon im Vorjahr ging der Fotograf aus dem Allgäu als Gesamtsieger aus dem Wettbewerb hervor. Ausgezeichnet wurde sein am 4. Oktober 2010 entstandenes Foto "Passionsende". Es zeigt Darsteller der letztjährigen Oberammergauer Passionsspiele beim örtlichen Friseur. Bärte und Haarprachten, die sich die Akteure für die Aufführungen hatten wachsen lassen, mussten nach Ende der Spiele wieder herunter – Rückkehr in den Alltag. Eine gute Entscheidung der Jury. Hildenbrand beweist durch seine Arbeit seit Jahren immer wieder, dass er ein Erkenner von Situationen ist, die er in technisch wie handwerklich hochwertige Bilder umsetzt – Fotos, die Geschichten erzählen.

Kopfüber (c) Alexander Hassenstein

Seit 1999 kürt der BJV die Pressefotos des Jahres. Der Wettbewerb soll, so der Verband, die Arbeit von Fotojournalisten würdigen, "die das Zeitgeschehen professionell im Bild festhalten und damit aussagekräftige Dokumente über das Tagesgeschehen hinaus schaffen". Die Preise wurden am gestrigen Mittwoch in einer Feierstunde im Bayerischen Landtag unter der Schirmherrschaft der Landtagspräsidentin Barbara Stamm vergeben, die gleichzeitig die Ausstellung "Pressefoto Bayern 2011" eröffnete. In seiner Ansprache kritisierte BJV-Vorsitzender Wolfgang Stöckel die zunehmend schlechter werdenden Arbeitsbedingungen für freie Bildjournalisten, deren Existenz durch Dumping-Honorare gefährdet sei. Verschärft werde dies dadurch, dass Verlage zunehmend auf Bildbeiträge von sogenannten "Bürgerreportern" oder das von Polizei und Feuerwehr kostenfrei angebotene Material zurückgreifen würden. Das ist mehr als berechtigt wenn man weiß, dass Tageszeitungen die professionellen Fotografen mit denselben Honoraren nach Hause schicken, mit denen sie "Leserbilder" entlohnen.

Dirk Nowitzki in der Heimat (c) Frank Rumpenhorst

Aus 780 Einsendungen hatte die Jury auszuwählen, um die Preisträger in insgesamt sechs Kategorien zu ermitteln. In der Rubrik "Sport" gewann Alexander Hassenstein aus Schwaig für das rasante Foto einer Skeleton-Abfahrt. Unschärfe erzeugt Dynamik und Geschwindigkeit. Das nächtlich beleuchtete Treppenhaus eines Parkhauses am Nürnberger Flughafen zeigt das in der Kategorie "Umwelt und Energie" prämierte Foto "Step by step" des Nürnberger Fotografen Herbert Liedel. In der Kategorie "Serie" hatte der Münchner Juri Gottschall mit seiner Bilderfolge aus dem Münchner Kreiswehrersatzamt kurz nach Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht die Nase vorn. Die Aufnahmen zeigen gähnende Leere an einem Ort, an dem zuvor täglich hunderte junger Männer gemustert wurden und an dem sich nur noch wenige Freiwillige einfanden. Besondere Erwähnung findet das Foto, das den von Apple Deutschland gestifteten Sonderpreis gewann. Der Frankfurter Fotograf Frank Rumpenhorst erhielt es für sein Bild "Dirk Nowitzki in der Heimat", das den Basketballer auf dem Balkon der Würzburger Residenz zeigt, wie er sich seinen Fans präsentiert. Die Aufnahme ragt heraus, weil hier ein in der Pressefotografie eher selten verwendetes Fisheye-Objektiv eingesetzt wurde.

Neben den Siegerfotos zeigt die Ausstellung "Pressefoto Bayern 2011" insgesamt 60 ausgewählte Aufnahmen aus dem diesjährigen Wettbewerb. Nachdem sich die Jury im vergangenen Jahr einen Ausrutscher leistete (Kulturvollzug berichtete), bleibt man bei der Auswahl in diesem Jahr auf der sicheren, weil konservativen Seite. Wir hatten uns vor einem Jahr die Hinwendung zu einer eher modernen Betrachtungsweise bei der Ausrichtung des Wettbewerbs gewünscht. Tendenzen dazu sind weiter nicht erkennbar.

Die Ausstellung "Pressefoto Bayern 2011" ist bis zum 30. Dezember 2011 im Bayerischen Landtag, Eingangshalle West, Mo-Do 9-16 Uhr, Fr 9-13 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei. Anschließend geht die Schau auf Wanderschaft durch Bayern.

Veröffentlicht am: 08.12.2011

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