Weltexplosion in Mandelsplittern: Francine Stork Trembleys Bilder im Bürgerbüro

von Michael Wüst

Sie ist Meisterin der unmerklichen Grenzverschiebung. Fotos: M. Wüst

Befremdliches Leuchten aus der Stille der Gegenstände. Sous-Realisme. Magie des im Materiellen Verborgenen, in der Tradition der großen Impressionisten. Francine Stork Trembley, geboren in Genf, lebt und arbeitet seit 1972 in München und hat 1988 ihr Meisterschülerdiplom in München an der Akademie der Bildenden Künste abgelegt. Sie zeigt neuere Arbeiten im Bürgerbüro der SPD, Belgradstrasse 15.

Francine Stork Trembley, die in der Tradition des französischen Impressionismus steht, ist eine Meisterin des unterschwelligen Subtextes der Materie. Im Sinne eines Paul Cézanne, der schwindelnde Höhen des stillen Lebens erreichte. Im Zurückgelassenen der Gegenstände leuchtete etwas wie ein Nachbild des Kulturellen. In der Verlassenheit der Natur leuchtete etwas wie ein Nachbild der Schöpfungssekunde. Stillstand vor der Explosion. Magie, die die Grenze zum Wildwuchs des Surrealen zu verteidigen schien. Stillhalteabkommen.

Die einzelnen Elemente erstarren in einer seriellen Figuration.

Dabei ist Francine Stork Trembley eine Meisterin der unmerklichen Grenzverschiebung. Mit narkotisierendem Pinselstrich nähert sie sich dem Wesen ihrer „Gegenstände“ an, als da sind Köpfe, Hühner, Menschen. Im Wesen dieser „Dinge“ scheint sich die Abwesenheit jedweder proklamierten Einzigartigkeit zu erweisen. Das Gehabe der Existenz ist heruntergefahren, die einzelnen Elemente erstarren in einer seriellen Figuration, Sekunden nach der Bewegung.

Jedoch die „Dinge“ in den Stillstand führen, heißt auch ihre künftige Bewegung antizipieren. Gehen erweist sich als fortgesetzt kontrollierter Sturz. Trachtengruppen fallen von den Bildseiten, den Rändern der Welt ein, kleben quasi an der Steilwand einer sich rasend drehenden Welt. Tolle Stimmung! Unterstützt wird das Gefahrenpotential der Bilder manchmal auch durch eine Art umgekehrter Perspektive, die den Raum nicht in den Hintergrund verjüngt, sondern verbreitert, in jedem Fall mit mehreren Trajektorien arbeitet. Ein scheinbar naiver Gestus, der den Betrachter aus der Sicherheit des zentralperspektivischen Aussichtsturms in die ortlosen Gefilde des Unbewußten führt. Francine Stork Trembley malt den Vorgeschmack der Explosion - Mandelsplitter. Eine seltsame, stille Panik.

Noch zu sehen bis Freitag, 18. November 2011 im Bürgerbüro der SPD, Belgradstrasse 15a.

Mo-Fr 10-15 Uhr und 17-19 Uhr außer Fr nur 10-15 Uhr

Veröffentlicht am: 21.10.2011

Über den Autor

Michael Wüst

Redakteur

Michael Wüst ist seit 2010 beim Kulturvollzug.

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