Eine Studie in Bildern von Max Regenberg - Werbung im öffentlichen Raum

von Achim Manthey

Foto: Max Regenberg, courtesy Galerie f 5,6

In der Ausstellung "Come To Where" zeigt die Galerie f 5,6 eine bemerkenswerte Studie über Straßenwerbung des Fotografen Max Regenberg.

Aus dem Straßenbild der Städte und Dörfer ist sie seit langer Zeit verschwunden: Zigarettenwerbung auf großformatigen Plakaten an Häuserwänden und Werbetafeln. Zwischen 1978 und 1984 dokumentierte Max Regenberg anhand der Werbung für "Marlboro", wie stark diese Werbeträger das Bild des öffentlichen Raums geprägt haben. Die Aufnahmen entstanden überwiegend in und um Köln, aber auch Bilder aus New York und Spa sind zu sehen. Die Wirkung bleibt ohnehin neutral.

Nahezu an jeder Straßenecke war sie zu sehen, diese Suggestion von Freiheit, Weite und Genuss. "Der große Geschmack. Die große Frische.", verheißt ein Plakat, auf dem der Marlboro-Cowboy Pferde durch blühende Landschaften treibt - natürlich mit der Fluppe im Mundwinkel.

"Come To Where". Der Titel der Ausstellung leitet sich ab von einem Werbeslogan der Marke, den einige vielleicht heute noch im Gedächtnis haben: "Come to where the flavour is, come to Marlboro Country". Es ist die totale Vereinnahmung eines Staates durch eine Parole, die zunächst 1971 in den USA erfolgreich das Selbstverständnis eines Landes der unbegrenzten Möglichkeiten, ohne Grenzen und mit dem Cowboy und Westernhelden als echtem Kerl aufnahm. Das ließ sich - West-Deutschland war seinerzeit ohnehin mehr als empfänglich für jeden Trend, der über den großen Teich herüberschwappte - ohne große Umstände auch die hiesigen Verhältnisse übertragen. "Schau her!", brüllte die Werbung in die bundesdeutsche Beschaulichkeit. "Auch Ihr seid Marboro Country! Auch Ihr seid echte Kerle!" Frauen kamen nicht vor in den Kampagnen, durften das Produkt aber immerhin kaufen.

Max Regenberg, 1951 in Bremerhaven geboren, zählt zu den wichtigsten zeitgenössischen Dokumentarfotografen. Nach einer klassischen Ausbildung zum Werbefotografen lebte er einige Jahre in Kanada und Nordamerika. Die Bilderflut in Kultur und Medien, die ihm dort begegnete, gab den Anstoss zu seinem späteren künstlerischen Schaffen. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland im Jahr 1978 begann er seine fotografische Langzeitstudie "Das menschliche Abbild in der Werbung im öffentlichen Raum", aus der auch die in der Ausstellung gezeigten Fotografien stammen. Formästhetische Anleihen, wie man sie beispielsweise in den typologischen Serien von Bernd und Hilla Becher findet, sucht man in diesen Bildern vergeblich. Da ist nichts inszeniert, sondern das Verhältnis von Werbung und urbanem Umfeld wird ungeschminkt dargestellt.

Die Fotos zeigen kuriose Werbekonstellationen, die den Besucher der Ausstellung auflachen lassen. Das "Marboro"-Plakat neben einem solchen von McDonalds "Der Big Mac ist toll. Jawoll", der Schmusewolle von "Perwoll" oder der "Zweiten Haut", einer Unterhose von "Eminance". Die Ausstellung gibt aber auch wieder, wie stark sich durch die intensive Werbung die Marke festgesetzt hatte in der Wahrnehmung der Menschen. Ein Bild, das ein Teil des Gesichts des "Marlboro"-Mannes durch das Seitenfenster eines VW-Busses abbildet, assoziiert unwillkürlich die Marke.

Die Fotografien zeigen deutlich den Übergang von der Schrift- zur Bildersprache in der Werbung. Emotionalisierende Fotos mit eingängigen Schlagworten: das bleibt hängen. Zugleich sind die Bilder ein Spiegelbild der Zeit, in der sie aufgenommen wurde. Das, was sich seinerzeit in den Innenstädten abspielte, sieht man heute fast nur noch in den Einkaufszentren am Stadtrand oder als Perversion an den großflächigen Behängen städtischer Baustellen.

Die Ausstellung ist sehenswert.

Bis zum 15. Oktober 2011 in der Galerie f 5,6, Ludwigstraße 7 in München, Di-Fr 12-18 Uhr, Sa 11-15 Uhr. Freier Eintritt. Zur Ausstellung ist ein Buch erschienen.

Veröffentlicht am: 21.09.2011

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