Friedensappell in Variationen: Neue Arbeiten von Sébastien De Ganay

von Achim Manthey

Sébastien De Ganay, Intifada, 2011 (Foto: Courtesy Häusler Contemporary München/Zürich)

In der Ausstellung "Nothing but a Transit" zeigt Häusler Contemporary in München neue Arbeiten von Sébastien De Ganay, die sich mit dem israelisch-palästinensichen Konflikt auseinandersetzen.

Es begann mit einem Pressebild. Der Bildreporter Tom Stoddart  hatte während der ersten Intifada zwischen 1987 und 1993 eine palästinensische Familie auf der Flucht abgelichtet. Meist haben Fotos dieser Art reinen Nachrichtenwert, stehen selten für sich allein und ermöglichen insbesondere keine persönliche Annäherung an das gezeigte Geschehen. Diese Hürde versucht Sébastien De Ganay mit seinem Werk zu überwinden. Die Bilder werden zerlegt, seine Teile in immer neuen Variationen ins Zentrum der Betrachtung gestellt. Da werden die Gliedmaßen der abgebildeten Personen herausgelöst aus dem Kontext des Ursprungsfotos, werden verfremdet, in den Mittelpunkt gestellt, wie in dem Werk "Remembering Yitzak Rabin". Figuren werden anders angeordnet, aus kreisförmigen Versatzstücken neu gebaut, wie in "Intifada" von 2011. Der Aussagekern bleibt erhalten.

Sébastien De Ganay wurde 1962 im französichen Boulogne-Billancourt geboren. Nach seinem Studium an der Columbia University in New York lebt und arbeitet er heute in Bad Deutsch-Altenburg in Österreich. Auch das sicherlich ein Lebensweg. Sein Werk vertritt experimentelle Malerei und Skulptur, abstrakte Elemente werden mit Gegenständlichem verbunden. Die Suche nach der Struktur hinter den Dingen prägen sein Werk. "Mich interessiert bei meinem Arbeiten die Reflexion im Machen und Sehen, die möglichen Verbindungen zwischen den sensuellen Aspekten, der Selbstbeobachtung und ihrem rationalen Verarbeiten", so der Künstler. Im Klartext heißt das nichts anderes, als dass er dem Betrachter die Essenz einer Grundlage, eines Vorbildes offenbaren will, indem er den Blick auf das Detail zu lenken versucht und zugleich eine Entschleunigung von der täglichen Bilderflut vermittelt.

Sébastien De Ganay, Yesh Gvul, 2011 (Foto: Coutesy Häusler Contemporary München/Zürich)

Uniformen zu Spielbällen: Die Stoff-Skulpturen "Yesh Gvul", "Shourim Shtika" und "New Profile" sind aus militärischen Uniformstoffen gebildet. Nicht nur dies bedeutet einen Appell an Versöhnung und Frieden. Auch die Titel der Bilder, die jeweils an konkrete Ereignisse der Geschichte des Konflikts zwichen Israel und Palestina erinnern, mahnen. "November 4th 1995", ein Werk in Siebdruck auf Kupferplatte und Filz, nimmt das Datum der Ermordung Yitzak Rabins auf, "New Profile" steht für eine israelischen Organisation, die sich für die Entmilitarisierung des Landes einsetzt.

Die Ausstellung überzeugt im malerischen Werk des Künstlers, dort, wo er sich mit der Aussage des Ursprungsbildes auseinandersetzt. Die Skulpturen wie das aus Aluminium gerfertigte Faltboot mit dem Titel "Thinking of Ziyad Hadach", der an einen in Ramallah lebenden Autor erinnert, wirken eher profan. Das die Ausstellung prägende Werk der Ausstellung findet sich fast belanglos in einer Ecke plaziert: Eine Fußmatte zeigt das Originalfoto, darauf der nach der Vorlage neu gestrickte Pullover des Kindes auf dem Arm und eine Personenwaage. Nothing but a Transit. Es ist eine fast resignative Quintessenz.

Bis zum 15. Oktober 2011 bei Häusler Contemporary in München, Maximilianstr. 35/Eingang Herzog-Rudilf-Str., Di-Fr 11-18 Uhr, Sa 11-14 Uhr. Eintritt frei.

Veröffentlicht am: 13.09.2011

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