Grant als Touristenattraktion: Matthias Kiefersauer und Volker Derlath stellen im Vereinsheim ihr Buch "Weltstadt mit Föhn" vor

von Achim Manthey

Boarisch muas sei- aber dass soll man als Preiß ja auch nicht (Foto: Achim Manthey)

Schon klar, dass der Typ, der sich da in der Krachledernen und mit geschientem linken Bein auf die Bühne des Vereinsheims in München schleppt, Teil des Programms ist. Toby und Thomas umrahmten die Präsentation des Buches von Matthias Kiefersauer und Volker Derlath musikalisch und kündigten gleich zu Beginn an, den Abend bis zum musikalischen Niedergang zu begleiten. Nicht nur das gelang.

Luigi zu Besuch zur Wiesnzeit. Auf seine Frage, wann man denn aufbrechen müsse ins Bierzelt um Platz zu bekommen, antwortet der Autor "Um acht Uhr" und ergänzt "Morgens". Luigi stutzt. Der nächste Besuch im Juli des nächsten Jahres. Biergarten. Der Autor zeigt den Kocherlball, weckt Luigi um fünf Uhr morgens und radelt mit ihm zur fast nächtlichen Traditionsveranstaltung am Chinesischen Turm. Nach diesen Erfahrungen kann der italienische Freund daheim eigentlich nur von "Morgenmassen" erzählen? Der Münchner ist bereits am frühen Morgen - nun sagen wir mal bierselig. Und überhaupt: wer sich auf der Wiesn verlieben will, sollte besser Visitenkarten mitnehmen, weil Zahlendreher in im Suff eingegebenen Handynummern aller Aussichten zunichten machen könnten.

Und hier der wahre Künstler mit Fleisch und so (Foto: Volker Derlath)

Seit 2008 schreibt der Filmregisseur und Drehbuchautor Matthias Kiefersauer eine wöchentlich am Samstag in einer Münchner Tageszeitung erscheinende  Kolumne, in der er sich mit den Eigenheiten dieser Weltstadt mit Herz beschäftigt. Die kleinen Dinge sind es, die ihm bei seinen teils unfreiwilligen Streifzügen durch diese Stadt auffallen. Vor sich hin brabbelnde Passanten, die nicht zwingend an einer psychischen Erkrankung, in jedem Fall aber an der Freisprechanlage ihres Mobiltelefons leiden. Hierzulande wird das Gerät "Handy" genannt, was Thema einer eigenen Kolumne wäre. Auch die aktuell wieder zu beobachtenden lieben Touristen kommen vor, die, den Stadtführer in der Hand, in Horden abrupt vor U-Bahn-Aufgängen stehen bleiben oder mit Kind und Kegel Radfahrwege bevölkern. Heraus kommt auch, dass der berühmte Münchner Grant zur Touristenattraktion taugt: Die Besucher lassen sich gern anfegen, weil ihnen wer vorgegaukelt hat, das wäre typisch, authentisch. Gut zu wissen. Es sind amüsante, teils auch sehr liebevolle Alltagsskizzen in 329 Worten, die in dem Büchlein zusammengefasst sind. Eine leichte, sommerliche Lektüre, wenn man auf der Decke im Englischen Garten am Eisbach liegt und nicht gerade abgelenkt wird durch eine(n) Nackte(n). Auch das wäre eine Augenblicksaufnahme.

Ohne die bemerkenswerten und humorvollen Bilder des Stadtfotografen Volker Derlath wäre das Buch allerdings nur die Hälfte wert. Er sieht auf seinen unentwegten Rundgängen durch die Stadt all das, was andere nicht sehen und hält es im Bild fest. Längst schon hätte er den Titel als "Linsen-Sigi-Sommer" verdient. Er sollte ihn einfach an sich reißen.

Ein lustiges kleines Buch. Man begegnet dem Beschriebenen auf Schritt und Tritt. Könnte sein, dass man es grad deswegen immer wieder zur Hand nimmt. Die Heiterkeit übertrug sich übrigens auf die Präsentation im saunadampfigen Vereinsheim. An dem Abend lief die Fernsehübertragung des CL-Qualifikationsspiels zwischen Bayern und Zürich. Witzig zu beobachten, wie sich, je näher der Zeitpunkt der Fernsehübertragung rückte, die Präsentation auf der Bühne beschleunigte. Die Realität hatte das Buch eingeholt. Auch das ist München. Oder? Eher Schwabing? Aber das wäre ein eigenes Buch.

Matthias Kiefersauer/Volker Derlath, Weltstadt mit Föhn-Eine Münchner Pflichtlektüre, Verlag Langen Müller 2011, 14,99 Euro.

 

 

Veröffentlicht am: 21.08.2011

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