Wedel, wedel ;-) Das Stadtmuseum zeigt, was Fächer und Smiley flirttechnisch (und auch sonst) gemeinsam haben

von Achim Manthey

Briséfächer, Freundschaftsfächer (c) Münchner Stadtmuseum

In der Ausstellung "Fächerflirt - Die Sache mit den Codes" zeigt das Münchner Stadtmuseum eine Kultur- und Sittengeschichte des Fächers.

Emoticons verschaffen keine Kühle, wenn es heiß ist. Sie schützen auch nicht vor der Sonne und vertreiben weder schlechte Gerüche noch lästige Fliegen. Ansonsten haben Smiley und Co. längst die Rolle als Flirt-Instrument übernommen, die über viele Jahrhunderte dem Fächer zukam.

Das Kühlen der Herrschaften, das Wedeln mit Palm- oder Federfächern war in den afrikanischen Ländern, in China und Japan ursprünglich die Aufgabe der Diener und Sklaven. Schon im 10. Jahrhundert brachten Seefahrer und Kaufleute den Fächer nach Europa. Von Spanien aus begann das Instrument im 16. Jahrhundert als absolutes modisches Muss seinen Siegeszug durch Europa. Vorbehalten zunächst den sogenannten besseren Kreisen fand der Fächer schnell weitreichende Verbreitung. Er war Standesmerkmal und Statussymbol.

Anhand von etwa 200 Fächern zeigt die Ausstellung die Bedeutung des Fächers als eines der damals wichtigsten Accessoires der Damenmode. Historische Kleider und Modedarstellungen, Plakate, Gemälde, Modejournale und Fotos ergänzen die Ausstellung. Die unterschiedlichsten Fächerarten entstanden über die Jahrhunderte: von den einfachen Brisé- und Faltfächern über über Radfächer, Handschirme, Cabriolet-, Parasol- und Teleskopfächer bis hin zu Feder-, Miniatur- und Riesenfächern. Die Gestelle waren meist aus Holz, Elfenbein, Perlmutt oder Schildpatt hergestellt. Für die Blätter verwendete man Papier, Seide oder ein "Schwanenhaut" genanntes, ganz feines Ziegenleder.

Die Hochzeit des Fächers

Zwei Faltfächer mit Blumenmotiven auf bemalter Seide, links um 1890/1900, rechts um 1805/10 (c) Münchner Stadtmuseum

Hochzeiten des Fächers waren Barock und Rokoko. Der galanten Mode angepasst wurden die Fächer immer prunkvoller gestaltet. Edelste Seiden und wertvollste Materialien wie Gold- und Silberauflagen und Edelsteine verzierten sie, die Blätter waren bemalt mit Bildern aus der Tier- und Pflanzenwelt oder den beliebten Genre-Szenen mit Schäfermotiven oder Liebenspaaren in der freien Natur. Als "Szepter der Dame" fungierte der Fächer, als Spielzeug in der feinen Hand, das die geheime Sprache der Liebe sprach. Eigene Fächersprachen entwickelten sich, Anleitungen dazu wurden veröffentlicht.

Nach der französichen Revolution, im Empire und Biedermeier, wurde die Bedeutung des Fächers zurückgedrängt. Sie wurden kleiner und schlichter, waren auch nicht mehr ständiger Begleiter. Erst im sogenannten "zweiten Rokoko", das unter dem modischen Einfluss der Kaiserin Eugénie stand, wurden die Fächer wieder üppiger. Und eine neue Blütezeit erlebte der Fächer in der Belle Epoque. In der Fächerstadt Karlsruhe fand 1891 die erste Fächerausstellung in Deutschland statt.

In München waren um 1900 in Künstlerkreisen  die Künstlerfächer weit verbreitet. Unter anderem ist in der Ausstellung ein Exemplar von 1899 zu sehen, hergestellt zum Pressefest der Pensionsanstalt deutscher Journalisten, dessen Blätter auch von Defregger, Kaulbach und Stuck bemalt wurden.

Immerhin noch im Fasching

Moderner Metallfächer, Entwurf Christina Busch 2011 (c) Münchner Stadtmuseum)

Nach dem ersten Weltkrieg verlor der Fächer seine Bedeutung. Das Rollenbild der Frau änderte sich, non-verbale Kommunikationsmittel wurden mehr und mehr überflüssig. Auf Kostümfesten und im Fasching allerdings blieb der Fächer ein begehrtes Accessoire. Kaum ein Plakat, das zu einem Ball einlud, kam ohne die befächerte Schöne aus. Eine kleine Rolle spielt der Fächer nach wie vor als Souvenir und in der Werbung. Aber seine allgemeine Bedeutung ist heute verloren. Auf Laufsteg-Präsentationen der Haute Couture kommt er noch als elegantes Spielzeug der Models zur Geltung. Im asiatischen Tanz wird er weiterhin eingesetzt. Und in südlichen Ländern verwendet man ihn tatsächlich noch als Kühlung, so man keinen elektrisch betriebenen Ventilator zur Hand hat.

Das Stadtmuseum zeigt eine unterhaltsame Schau. In Kooperation mit der Ausstellung sind Arbeiten der Designschule München, der Deutschen Meisterschule für Mode zu sehen, die das Thema Fächer und non-verbale Konversation kreativ und teilweise sehr witzig umgesetzt hat.

Und in Wahrheit funktioniert auch das mit den Codes im wahren Leben noch. Denn jeder weiß oder wird es lernen, was Goethe schon wusste: "Der Fächer ist nur ein lieblicher Flor/Er verdeckt mir zwar das Gesicht/Aber das Mädchen verbirgt er nicht/Weil das schönste was sie besitzt/Das Auge, mir ins Auge blitzt."

In diesem Sinne ;-)

Bis zum 8. Januar 2012 im Münchner Stadtmuseum, St.-Jakobs-Platz 1, Di-So 10-18 Uhr

 

Veröffentlicht am: 27.07.2011

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