Ein Hort der Ruhe - Die Galerie f 5,6 in München zeigt Arbeiten der Fotografin Donata Wenders

von Achim Manthey

In the Street Car, Paris 2009 (Foto u. Copyright: Donata Wenders, courtesy Galerie f5,6)

In der Ausstellung "Contemplation" in der Galerie f 5,6 sind Frauenportraits  der Fotografin Donata Wenders zu sehen.

Eine brennende Zigarette - fast unvermeidlich in Pina Bauschs Hand.  So auch auf  zwei 2004 in Paris entstandenen Portraits.  Grobkörnig aufgelöste Bilder in schwarz-weiß. Sie zeigen die Tanz-Künstlerin versonnen lächelnd, in sich gekehrt. Die Fotografin scheint gar nicht anwesend zu sein. Das ist eines der Geheimnisse für den Zauber, der von den stillen Frauenportraits ausgeht. Donata Wenders gelingt es, eine solche Nähe zu der Person aufzubauen, die sie ablichten will, dass sie selbst im Moment der Aufnahme vergessen wird. Die Portraitierte darf sie selbst - darf für sich  bleiben. Ganz besonders augenfällig wird dies bei den Bildern zweier Lesender. Die eine, sitzend in die Lektüre eines Buchs auf ihren Schenkeln versunken, die andere, nackt im Bett, das Buch vor sich - Momente tiefster Intimität.

Donata Wenders, 1965 in Berlin geboren, wo sie bis heute lebt und arbeitet, hat Kommunikationswissenschaften mit dem Schwerpunkt Kamera und Film studiert, ist ausgebildete Kamerafrau. Die Fotografie, der sie sich autodidaktisch annäherte, kam zwangsläufig dazu. Menschen sind ihr Sujet. Sie hat hierfür eine ganz eigene Bildersprache entwickelt.

Spellbound, Berlin 2006 (Foto u. Copyright: Donata Wenders, courtesy Galerie f5,6)

Manchmal sind es nur gekreuzte Hände wie in der 2009 entstandenen Aufnahme "In the streetcar". Oder die auf dem schlafenden Hund ruhende Frauenhand in dem Bild "The dog.'Friday'". Kontemplation -  Besinnlichkeit, innere Versenkung. Die Aufnahmen zeigen es. Ganz anders die Fotos, die zwei Frauentorsos zeigen. Durch Schraffuren auf der Filmoberfläche erscheinen die Bilder wie in Schieferplatten gemeißelte Reliefs. "Milla", 1999 in Los Angeles aufgenommen, zeigt eine rauchende Frau, die Augen geschlossen, die Darstellung unscharf. Das Foto wirkt wie die Wiedergabe einer Totenmaske. "Spellbound" wiederum, das Bild einer eleganten, schönen jungen Frau im nächtlichen Licht Berlins (2006) ist lebhaft und bezaubernd zugleich. Ein zum Niederknien schönes Bild. Auch im Umgang mit den Nicht-Farben schwarz und weiß übt sich die Fotografin. "Daylight I" zeigt ein gerade noch zu erkennendes Frauenportrait in schwarz, "Daylight II" ein solches in weiß und praktisch unkenntlich. Seit Hubertus Hamm wissen wir, dass der Umgang mit Nicht-Farben in der Fotografie funktionieren kann. Bei Donata Wenders klappt das noch nicht.

Wer von der Betriebsamkeit der Ludwigstraße die Galerieräume betritt, gelangt in einen Hort der Ruhe, kann einen Gang zurückschalten. Zu sehen sind beeindruckende Bilder.

Bis zum 30. Juli in der Galerie f 5,6, Ludwigstr. 7 in München, Di-Fr 12.18 Uhr, Sa 11-15 Uhr. Der Eintritt ist frei.

 

Veröffentlicht am: 14.07.2011

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