"Werben und verkaufen" - eine eigenartige Foto-Ausstellung mit Hubertus Hamm in der Galerie Jordanow

von Achim Manthey

BMW-Welt im Potpourri (Fotos und Copyright: Hubertus Hamm, courtesy Galerie Jordanow)

In der Maxvorstadt in München ist eine eigenartige Ausstellung mit Arbeiten des Fotografen Hubertus Hamm zu sehen, die mehr Promotion als Werkschau ist.

Klar, auch ein so prominenter Foto-Künstler wie Hubertus Hamm muss am Markt ständig präsent sein. Das neue Buch will bekannt gemacht werden. Das kann dann schon mal so seltsame Blüten treiben wie das, was in der Galerie Jordanow aktuell als Werkschau über sein freies fotografisches Schaffen verkauft wird.

Eines vorneweg: Hubertus Hamms Qualität, sein Renommeè als Fotokünstler, ist völlig unbestritten. Er ist einer der bedeutensten Werbefotografen, die das Land zu bieten hat. Zu seinen Auftraggebern gehören die wichtigsten Unternehmen der deutschen Wirtschaft. Den Bau der Allianz-Arena in Fröttmaning bei München hat er in einem beeindruckenden Buch dokumentiert. Ganz selbstverständlich hat er sich mit freier, autonomer, künstlerischer Fotografie beschäftigt, die unabhängig bleibt von den Wünschen und Vorgaben seiner Auftraggeber. Und er erschließt sich phantasievoll neue Darstellungsmittel, die abseits liegen und nur mittelbar mit der Fotografie zu tun haben. Ausdrucksformen, in die er sein Publikum einzubeziehen, sie zum Teil des Kunstwerks zu machen versucht.

Seit Jahren schon beschäftigt sich Hubertus Hamm mit dem Einsatz der Nicht-Farbe Schwarz in der Fotografie. Aus der Reihe "Black in Dark" sind fünf Aufnahmen zu sehen, Design-Objekte an der Grenze zur Unkenntlichkeit. Die Serie war bis zum Februar 2011 trotz teilweise unglücklicher Hängung weit beeindruckender in der Pinakothek der Moderne zu sehen (Kulturvollzug berichtete). Die aktuelle Ausstellung kann dies nicht leisten.

Einmalige Spiegelung, Aufnahme aus der Staatsoper Mai 2011 (Foto: Achim Manthey)

Rechts neben dem Eingang zur Galerie hängen auf Hochglanz polierte und mit dem Hammer bearbeitete Stahlplatten. Mit den Objekten entfernt sich der Künstler von der Fotografie hin zu anderen Stilmitteln. " Molded Mirrors" ist der Titel der Reihe. Kunst wird daraus erst dadurch, dass durch die Spiegelung von Umgebung und Betrachter ein einmaliges Bild entsteht, das nur erhalten bleibt, wenn es fotografiert wird. Eine geniale Idee, Kunst zu schaffen. Einen Hinweis darauf, was das soll und wie das geht, gibt die Galerie erst auf Nachfrage. Auch das war eindrucksvoller in der Installation in Bayerischen Staatsoper anläßlich der langen Nacht der Musik zu sehen, wo die Werke allerdings nur kurz für die breite Öffentlichkeit sichtbar waren (Kulturvollzug berichtete).

Immerhin ist durch die Hängung in der Galerie  etwas gelungen, was offenkundig gar nicht beabsichtigt war. Nimmt man auf der rechten Seite des in der Mittes des Raumes plazierten Sofas Platz und schaut nach rechts, kann man eine Doppelspiegelung erleben. Die dort gezeigten Fotos spiegeln sich in den zerbeulten Stahlplatten, die sich wiederum in dem Glas der gezeigten Fotos spiegeln. Genau das ist es, was Hamm will. Es bleibt unverständlich, warum die Galerie aus diesem zufällig entstandenen optischen Gag nicht mehr macht.

Neues gibt es auch zu sehen: sechs Fotos der BMW-Welt, deren Aufbau Hamm fotografisch begleitet hat. Die Aufnahmen zeigen ein wunderbares Spiel mit Linien und Formen, Licht und Schatten, mit Spiegelungen und Lichtreflexen. Unterschiedliche Aspekte werden sichtbar. Sachverbundenheit verbindet sich mit dem Versuch, Raum- und Wahrnehmungs-Phänomene sichtbar zu machen. Große Kunst. Das "Buch zur Serie" ist am Markt, bei Te Neues erschienen und sehenswert.

Tree in front of the Museum, MoMa, NJC (Foto und Copyright: Hubertus Hamm, courtesy Galerie Jordanow)

Interessant auch die beiden Aufnahmen, die vermeintlich auf den Trottoir liegende Fotografien zeigen. Eine Sinnestäuschung, denn es handelt sich um am Boden liegende schwarze Platten, auf denen sich die Umgebung spiegelt. Eher in die originelle Ecke gehören drei Bilder aus der Reihe "Bäume vor Museen". Aufnahmen, die erkennbar im Vorübergehen entstanden, ebenso wie die beiden Fotografien von Friedhofsabfällen. Es sind Zufallsfunde, die in krassem Widerspruch zum dem stehen, was sonst gezeigt wird. In der Ausstellung entdeckt man sie eher zufällig, weil sie verborgen "um die Ecke" hängen.

Wer Hubertus Hamm und sein beeindruckendes Werk nicht kennt, bekommt einen sehr kleinen Überblick über sein freies Schaffen, findet die Ausstellung vielleicht sogar spannend. Die anderen werden nicht viel davon haben. Die beachtenswerten neuen Bilder reißen es nicht heraus. Eine Werkschau ist das nicht.

Man fühlt sich optisch abgezockt - irgendwie.

Bis zum 13. August in der Galerie Jordanow, Fürstenstr. 11 in München, Mi-Fr 14-19 Uhr, Sa 10-16 Uhr und nach Vereinbarung. Freier Eintritt.

Veröffentlicht am: 10.07.2011

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