Gestohlene Lebenspausen - Fotografien von Antoine Wagner

von Achim Manthey

Somewhere, Known Where, Island 2010, Foto und Copyright Antoine Wagner, courtesy Henn Galerie

In der Ausstellung Landscapes Escaped zeigt die Henn Galerie in München 18 Fotografien des amerikanischen Fotografen Antoine Wagner, der mit Franz Liszt verwandt ist.

Die Straßen führen ins Irgendwo oder ins Nirgendwo, bleiben im dichten Nebel stecken, der Blick endet einfach in der grobkörnig abgebildeten grauen Brühe. Entschleunigung. Die beiden 2010 in Island entstandenen Aufnahmen zeigen, wie es die Natur fertig bringt, die Geschwindigkeit herauszunehmen aus dem hektischen Alltag. Melancholisch verbergen sie die Weite, die sich auftun würde, sähe man denn etwas. Das Leben macht Pause. In seinen Bildern setzt sich Antoine Wagner mit der Weite der Landschaft Islands und der Schönheit ihrer Leere, auch mit der Weite ihres Himmels auseinander. Inspiriert haben ihn die Bilder von den durch die Asche des Vulkans Eyjafjallajokull geschwärzten Schneeflächen, ein Motiv, dass er in dem Bild "D-Tails" aufnimmt. "Was mich an Island besonders fasziniert hat, waren das Licht und die Weite und die extremen Lichtverhältnisse von Sommer und Winter, wenn es fast nicht dunkel oder fast nicht hell wird", erzählt er.

Antoine Wagner, 1982 als Sohn der heutigen Co-Intendantin der Bayreuther Festspiele Eva Wagner-Pasquier geboren, wuchs in Deutschland, Frankreich und England auf und lebt und arbeitet heute als Filmemacher und Fotograf in Paris und New York. Er ist der Urururenkel von Franz Liszt, dessen Tochter, die Pianistin Cosima, mit Richard Wagner verheiratet war. Die Wurzeln in Bayreuth sind bis heute spürbar. Das Video zur aktuellen Single der Gruppe Phoenix "Lisztomania" hat er im April 2011 in Teilen in Bayreuth gedreht.

Glasklar, eiskalt ist die Aufnahme "Ice One", die eine Gletscherlandschaft zeigt, eine Eiswüste, die durch das Meer abgelutschten Eisschollen spiegeln sich in der ruhigen See. Eine kleine Kirche unter dem endlos grauen Himmel in dem Bild "Tall Horizon". Völlig abweichend davon "Balls", das eine zum Golf-Abschlag abgemähnte Grünfläche unterhalb eines Felsmassivs zeigt. Der Mensch erobert sich seinen Raum oder er lässt ihn sich als Passagier auf einem Ausflugskutter vorführen, wie auf der Aufnahme "Shore B".

Ergänzt wird die Ausstellung durch Bilder aus einer 2009 entstandenen Serie von Alaska-Aufnahmen. "Barrow", eine Videothek im Holzhaus. Eine völlig heruntergekommene, unpassierbare Dorfstraße in der Aufnahme "Beverly Hills". Ironische Momentaufnahmen.

Völlig überflüssig, ja störend sind zwei beliebig hinzugefügte Fotografien, die den Badestrand von Rio de Janeiro und einen Autofriedhof in Tijuana zeigen. Das stört den positiven Gesamteindruck, weil hier offenbar das Verkaufsinteresse überwiegt.

Bis zum 27. Juli in der Henn Galerie, Augustenstraße 54 in München, Di-Fr. 13-19 Uhr, Sa 11-16 Uhr. Eintritt frei

 

 

Veröffentlicht am: 23.06.2011

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