Die Kunst der Selbstinszenierung

von Achim Manthey

Chantal Michel, Vater, aus der Serie "Die Sage von Lichtenberg", 2008 (Foto: Chantal Michel, courtesy Galerie Karin Sachs)

Kunst betrifft die eigene Person und den eigenen Körper, meint Chantal Michel. Die Galerie Karin Sachs zeigt Fotoarbeiten der Künstlerin.

Sie ist sich selbst genug. Kunst liegt nicht draußen, sondern in sich selbst, in der eigenen Person, im eigenen Körper. So inszeniert sich die schweizer Künstlerin Chantal Michel selbst in Video, Performance und Fotografie. Ihr eigenes Dasein ist ihr Stoff genug, um daraus Kunst zu entwickeln. Sie arrangiert ihren Körper, vervielfältigt sich in Gruppenaufnahmen. Die in der Ausstellung gezeigten Aufnahmen aus der Serie " Die Sage von Lichtenberg" zeigen in den Einzelbildern arrangierte männliche und weibliche Doppelgänger. In jedem Bild verkörpert die Künstlerin eine andere Rolle. Einmal ist sie Küchenmagd, die am Tisch sitzt, Gemüse putzt oder das Essgeschirr für die Herrschaft aus dem Schrank holt. Eine Fotografie, die an Gemälde von Veermer erinnert. Ein anderes Mal gibt sie fünf elegant im Gehrock der Biedermeierzeit gekleidete Herren in einer Bibliothek und löst das Motiv gleich wieder ironisch auf, indem zwei der Herren auf dem Erker vor dem Gemälde des Ahnen Platz nehmen. Die Haltungen wirken gestellt vor kulissenartigem Hintergrund.

Die 1968 geborene Künstlerin studierte in Bern und an der Kunstakademie Karlsruhe. Das Material, mit dem sie arbeitet, ist ihr eigener Körper, unverkennbar auch ihr Ego. Mal Frau, mal Mann. Es spielt in den gezeigten Aufnahmen keine Rolle. Märchenhaft-autistische Wesen entstehen, die zwar einem Geschlecht zuordnenbar erscheinen, es in Wirklichkeit aber nicht mehr sind. Exemplarisch dafür steht das Bild der  wiederum fünf Herren, in weiß gekleidet, ein biedermeierliches Hotelzimmer, wie es scheint, die Gesichter scheinen dem Film "Planet der Affen" entnommen. Die Aufnahmen wirken wie Tableaux vivants, lebende Bilder.

Beim ersten Hinsehen sind die in der Ausstellung gezeigten Aufnahmen witzig. Aber sie tragen nicht. Es erscheint zunächst wie ein Spiel mit Motiven, Stimmungen, Anlehnungen, lichtbildnerischen Aphorismen - und reduziert sich dann doch auf ein: Schaut her, ich bins.

Bis 23. Juli in der Galerie Karin Sachs, Augustenstr. 48 in München, Di-Fr. 13-18 Uhr, Sa 12-16 Uhr

Veröffentlicht am: 10.06.2011

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