Laut und niedlich: Die Thermals im Feierwerk

von Michael Grill

So sehen sie sich selbst. F.: W. Glass

Volles Haus im Feierwerk, denn auf der Bühne steht eine der extremsten Punkrock-Bands der Nullerjahre. Auch wenn die Thermals in letzter Zeit reifer (oder zahmer?) geworden sind: Das Trio aus Portland, Oregon, ist eine Art Ramones der Gamer-Generation, obwohl die Penetranz des rockenden Ausfallschritts bei ihm etwas von Status Quo hat. Der Begriff Party-Rock'n'Roll wird dennoch als Beleidigung empfunden – denn es geht kritisch um die große Politik und (neuerdings auf ihrem Album Personal Life) auch herzzerreißend um große Beziehungsgefühle.

Auf der Bühne des Feierwerk waren vor allem zwei Typen zu erleben. Hier Hutch Harris an Mikro und Gitarre, der Prototyp des zornigen jungen weißen Mannes – ständig unter Spannung, fast schon ein klampfendes Magengeschwür. Und dort Kathy Foster, das im Takt sich wiegende süße, exotische Punkrock-Girl mit dem schönsten Lächeln im Raum.

Und so sah man sie im Feierwerk. Foto: Michael Grill (mit freundlicher Genehmigung von Kathy Foster)

Das ist die Mischung aus der die Band und ihr Sound entsteht: Das swingt, das rockt, da wippt man gerne mit, es wird mitgeklatscht (was die Musiker leicht irritiert) und dann auch Pogo getanzt. Der Hit „Now We Can See“ kommt etwas spröde von der Rampe, wird aber trotzdem bejubelt. Auch wenn diese gute Stunde Powerlärm viel Spaß macht: So richtig bekam man keine Antwort darauf, wohin die Thermals nun eigentlich wollen. Zum Pop oder zum Punk? Das ist jedenfalls nicht so offensichtlich wie die Erkenntnis, wo hautenge Hosen wieder in Mode sind – zumindest im Nordwesten der USA. Nach der Show schreibt die Band nett und fleißig Autogramme für erstaunlich junge Kids. Die Thermals arbeiten weiter an ihrer Verniedlichung. Aber warum eigentlich nicht?

Veröffentlicht am: 13.04.2011

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