Ausstellung der Münchner Krippenfreunde im Alten Rathaus

Bollywood-Maria und Brauchtum

von Christa Sigg

Loammandl-Krippe in der Spanschachtel aus Steyr. Foto: Annette Krauß

Wie praktisch! Geht’s auf Weihnachten zu, nimmt man einfach nur den Deckel ab. Nach Dreikönig kommt er wieder drauf, und die ovale Spanschachtel verschwindet im Keller oder sonst wo. Dazwischen aber hat man eine veritable Krippe mit allem Drum und Dran. Entstanden ist diese zweckmäßig kompakte Szenerie im oberösterreichischen Steyr, derzeit befindet sich die ansehnliche Loammandl-Krippe allerdings im Foyer des Alten Rathauses und gehört zu den Hinguckern einer Ausstellung.

Die Münchner Krippenfreunde präsentieren hier das Weihnachtsgeschehen in etwa 30 unterschiedlichen Varianten. Dem Verein, der nächstes Jahr 100-Jähriges feiert, geht es dabei weniger um historische oder besonders wertvolle Krippen, wie sie jetzt wieder im Bayerischen Nationalmuseum zu bewundern sind. Vielmehr sieht man im Alten Rathaus, was in den Wohnzimmern stand und steht, was Profis und versierte Hobbykrippenbauer geschaffen haben.

Das reicht bis in unsere Tage und über den Alpenraum hinaus, manchmal sogar deutlich. Neben einer hinreißend schlichten Lehm-Formation aus Peru zeigt das etwa eine Heilige Familie aus Indien: Landestypisch trägt Josef eine Schiffchenmütze wie man es von Jawaharlal Nehru her kennt, und Maria könnte mit ihrem rosafarbenen Überwurf problemlos in einem Bollywood-Film auftreten. Dagegen ist Jesuleins weißes Windeltuch ein eher globales Phänomen.

Auffälliges findet sich hier aber genauso aus unseren Breiten. Da wären Siegfried Königers „Geburt Christi und die Anbetung der Könige“ ganz aus Kork oder eine besonders berührende Trümmerkrippe – das darf man wörtlich nehmen –, die im Jahr 1945 gleich nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist. Und ein Nadelkissen, das auf einer kleinen Vitrine mit dem Jesuskind sitzt, deutet auf die schmerzvolle Zukunft, also die Passion Christi. Dieses außergewöhnliche Nähkästchen stammt übrigens aus der Biedermeierzeit und wurde von einem Vereinsmitglied auf der Auer Dult entdeckt.

Die kleine Schau lohnt sich, denn sie erzählt viel vom Brauchtum in Bayern und besonders im Münchner Raum, von der Kunstfertigkeit der Krippenliebhaber und ihrer Fantasie. Mit geschickten Fingern lassen sich auch Mandl aus Loam formen, also kleine Figuren aus Lehm wie in der eingangs beschriebenen Spanschachtel. Oder Drahtblumen und andere Krippendekorationen. Wer das selbst ausprobieren möchte, findet bei den Krippenfreunden kundige Anleitung (Treff: jeden dritten Dienstag im Monat ab 18 Uhr im Wirtshaus am Rosengarten im Westpark).

Ausstellung der Münchner Krippenfreunde im Alten Rathaus, bis 8. Januar 2017 täglich von 10 bis 18 Uhr, geschlossen am 24. und 31. Dezember, an Neujahr ab 12 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Veröffentlicht am: 23.12.2016

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