Weltuntergang im Volkstheater: Bela B. von den Ärzten liest Exit Mundi von Maarten Keulemans

von Michael Grill

Wie macht man auf lustige Apokalypse, wenn in Japan tatsächlich ein Atomkraftwerk explodiert? Foto: Bela B.

Es ist nicht lustig, auf Lesetour mit Texten zu sein, die den Untertitel „Die besten Weltuntergänge“ tragen, wenn in Japan real Tsunamis rollen und Atomkraftwerke explodieren. Bela B., bei der Punkrock-Legende „Die Ärzte“ zuständig für Schlagzeug und Skurriles, hat bei seiner eher lustig als apokalyptisch gemeinten Fachliteraturverwurstung von „Exit Mundi“ des holländischen Autors Maarten Keulemans erst mal das richtige Fingerspitzengefühl.

Zu seinem das Volkstheaters locker füllenden Fan-Publikum (überwiegend weiblich, alle Altersklassen) sagt Bela B.: „Das ist ein haariger Moment.“ Er habe ernsthaft überlegt, die Tour abzublasen, dann aber entschieden, die Sache durchzuziehen, allerdings ohne Katastrophentexte, die sich auf Tsunamis oder Atomkraft beziehen. Er trägt das klug formuliert und im richtigen Tonfall vor – obwohl ernsthafte Betroffenheit normalerweise wirklich nicht sein Gebiet ist.

Es folgt eine Lesung, mit gut drei Stunden so lang wie ein Ärzte-Konzert, mit Samt-Thron und Rauchschwaden so barock wie eine Stückl-Inszenierung. Bela B. in Drakula-Hemd, grauen Hosen, die in Cowboystiefeln stecken, und mit einer jugendlichen Falco-Frisur, reist mit uns durch die von Keulemans zusammengetragenen Apokalypsen: Vernichtung durch Roboter? - „Super!“ Aussterben der Männergene? - „Erschütternd, finden Sie nicht?“ Ein Super-Meteor? - „Das ist wirklich düster.“ Er würzt das alles mit Splatter-Filmchen und Bela-B.-Humor, und ist dabei oft ernsthafter als man glauben mag. Ein äußerst unterhaltsamer Mix aus Grusel-Quatsch und populärwissenschaftlicher Lesung, bei dem letzteres manchmal sogar überwiegt.

Bela B. trägt sehr gut vor, schließlich ist er ja auch Schauspieler und Hörspielsprecher, er bekämpft die Konzentration seiner Zunge erfolgreich im Laufe des Abends mit mehreren Gläsern Wein. Das macht aber nichts. Denn hier geht es darum, wirklich etwas über des Pudels Kern zu erfahren, und die bitteren Wahrheiten mit Comic-Sarkasmus und Mehrfach-Ironie so in einen Spaß umzumünzen, dass das Ganze erträglich wird. Nichts anderes als bei den Ärzten eigentlich.

Schließlich singt Bela B. noch zusammen mit dem beglückt schunkelnden Saal seine eigene Version von R.E.M.s „It's The End Of The World (As We Know It)“ mit gefühlten 180 Strophen, in denen viele ernsthafte Umweltschutzgedanken gut versteckt sind. Dann gehen wir wieder nach Hause und warten fröstelnd auf die nächsten Nachrichten aus Japan.

Heute Abend (14. März) tritt im Volkstheater mit „Krawall & Satire“ Ex-Titanic-Chef Martin Sonneborn auf (20 Uhr).

Veröffentlicht am: 14.03.2011

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