Münchner Konzertsaal: Wir holen die Kuh vom Eis

von Michael Grill

Vorweg in aller Kürze: Da ist noch gar nix fix. Bei der so leidigen wie komplexen Thematik "Münchner Konzertsaal" hat nun ein SZ-Forum im Münchner Künstlerhaus zwar keine neuen Argumente und Aspekte geliefert, und auch die Debatte selbst war eigentlich eher eine Art gemeinsames Kuh-vom-Eis-holen, auf dem sie nach einem, nun ja, Lösungsversuch durch einen Ministerpräsidenten und einen Oberbürgermeister gelandet war. Doch es kann nun vermeldet werden, dass nochmal neu gedacht werden darf in der Stadt mit den vielen Weltklasse-Orchestern. Dass alles einfach irgendwie in den Gasteig gepackt wird, erscheint mehr als unwahrscheinlich. Die Wagner-Interpretin Waltraud Meier schmetterte den Philharmonie-Verstehern ein erfrischendes "Sie wissen nicht, was Sie vermissen" entgegen. Der Bochumer Orchester-Chef Steven Sloane legte den Finger in die richtige Wunde: "Was ist die Vision für diese Säle? (Nämlich ja die Frage, wie man Kulturorte so herrichtet oder neu schafft, dass sie für viele Jahrzehnte Menschen faszinieren und dadurch der Kultur das Überleben sichern.) Der künftige Kammerspiel-Intendant Matthias Lilienthal war verstörend nett, plädierte aber trotzdem ein bisschen aufmüpfig für die Möglichkeit von Stadtrandlösungen. BR-Intendant Ulrich Wilhelm und Kulturreferent Hans-Georg Küppers (SPD) verteidigten so sanft wie nur möglich die Wagenburgen ihrer Institutionen. Schließlich war es an Kulturminister Ludwig Spaenle (CSU), mit der Forderung, die Museumsinsel wieder als Saal-Standort ins Visier zu nehmen, nicht nur einen Rettungsanker in eigener Sache zu finden, sondern auch einen tatsächlich sinnvollen Ansatz für einen Neubeginn. Der Minister mit geradezu orakelhafter Klarheit: "Das Ja hab ich meiner Frau gegeben und die ist ein Konzertsaalfan." gr. / Foto: Michael Grill

Veröffentlicht am: 18.03.2015

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