Vorschau auf das Dance-Festival 2015

Rückkehr des energischen Geists

von Isabel Winklbauer

Saburo Teshigawara in Aktion. Foto: Toshi Yamaguchi

Der japanische Choreograf und Tänzer Saburo Teshigawara ist den Münchnern seit 1999 bekannt: Damals choreografierte er "Le Sacre du Printemps" für das Bayerische Staatsballett. Seither gab es keine großen Berührungspunkte, einen Auftrag für die Ballettfestwoche 2005 sagte er ab. Nun kommt Teshigawara wieder an die Isar - mit "Landscape", einem Duett mit seiner Partnerin Rihiko Sato. Wie auch Kaori Ito und Les Ballets C de la B eröffnet er am 7. Mai 2015 das Dance-Festival.

"Alles ist möglich - oder?" lautet das Motto des mittlerweile 61-jährigen, in Tokyo geborenen Tänzers Teshigawara. Er ist ein Freund der Bewegung, der Äußerung, der starken Wirkung. Denn: "Kunst heißt, sich den sozio-psychologischen Grenzen entgegenzustellen, die unter der schönen Oberfläche lauern", erklärt er auf seiner Internetseite. Teshigawara nutzt den Raum mit einem untrüglichen Gespür für Komposition und Wirkung, dazu kommt seine extrovertierte Körpersprache. Kritiker lassen sich regelmäßig verzaubern und in die ureigene Welt des Japaners entführen, zuletzt in Saint-Quentin en Yvelines, wo "Landscape" uraufgeführt wurde. Teshigawaras Energie und sein rastloser Geist haben im Alter zweifellos magische Kräfte entwickelt.

Bei "Landscapes" handelt es sich um einen Pas de deux mit Rihiko Sato, Teshigawaras Schülerin, Muse und Assistentin. Die Prinzipien Mann und Frau trudeln darin durch eine musikalische Tour de Force aus Bachs "Goldberg Variationen", dem "Wohltemperierten Klavier", John Cages "In a Landscape" und Techno-Kompositionen des luxemburgischen Pianisten Francesco Tristano. Die Zusammenstellung klingt wüst, die Franzosen waren jedoch begeistert. "Barock und Techno haben vieles gemeinsam", las man nach der Uraufführung, "was der Tanz bewiesen hat."

Erwachsenenspiele von Kaori Ito. Foto: Chris van der Burght

Gleichermaßen spannend verspricht das andere Eröffnungsstück am 7. Mai zu werden. "Asobi. Adult Game" von Kaori Ito beschäftigt sich ebenfalls mit dem Durchbrechen von Konventionen. Ihre vier Tänzer und Tänzerinnen geben die Verstandeskontrolle im Laufe des Stücks immer mehr an die Führung ihrer Körper ab. In Japan ist Asobi nur den Männern vorbehalten, in der Muffathalle sind zum Glück auch Frauen beteiligt - das Stück dürfte mindestens für Japaner ungewöhnlich werden.

Der ferne Osten eröffnet also Dance. Was nichts zu bedeuten hat, denn im Laufe des Festivals folgen Stücke mit indischem, niederländischem und israelischem Schwerpunkt. Es gilt die Pralinenschachtel-Regel: Alle probieren, Lieblingsstücke finden.

Der Kartenvorverkauf für das elftägige Dance-Festival läuft seit dieser Woche. Die Kartenpreise variieren je nach Veranstaltungsort (unter anderem Nationaltheater, Residenztheater, Kammerspiele, Schauburg, Muffathalle, Gasteig und Schwere Reiter) zwischen 6 und 60 Euro. Neben Einzeltickets gibt es ein begrenztes Angebot an Festivalpässen, die zu einem Festpreis den Besuch von zehn Vorstellungen nach Wahl ermöglichen.

Das genaue Programm gibt es unter www.dance-muenchen.de, Karten unter www.muenchenticket.de

Veröffentlicht am: 04.03.2015

Über den Autor

Isabel Winklbauer

Redakteurin

Isabel Winklbauer ist seit 2011 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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