Funny van Dannen mit neuem Album, Peter Pichler mit der Uraufführung einer Huldigung

Geile Paradies-Welt im Schwere Reiter

von Michael Grill

Für ein Wochenende im Schwere Reiter: "Zurück im Paradies" von Peter Pichler. Foto: Edward Beierle

13 Alben hat der Berliner Liedermacher Funny van Dannen bislang veröffentlicht, er ist ein Monolith der skurrilen Poesie. Nach langen zweieinhalb Jahren ist nun „Geile Welt“ erschienen, 17 neue Songs, die sozusagen in großer Besetzung eingespielt wurden, also mit „richtiger“, voll elektrifizierter Band. Und die rockt ab, dass man eigentlich auch gleich die mit van Dannen eng verbandelten Toten Hosen hätte nehmen können. Es klingt ungewohnt voll und laut, denn van Dannen ist viele Jahre ein puristischer Solopoet mit Lagerfeuer-Gitarre gewesen. Es passt aber gut genug, dass dies es sein neuer Stil für längere Zeit sein dürfte. Er selbst lässt jedenfalls ausrichten, „so glücklich wie noch nie nach einer Plattenproduktion“ zu sein. Zudem: In München wird ein lustiges Stück über van Dannen uraufgeführt, eine Hommage von Peter Pichler.

Doch was macht dieser Funny van Dannen eigentlich? Den Blues für die deutsche Mittelschicht der Babyboomer? Wer einmal versucht hat, van Dannen zu beschreiben, weiß um die Schwierigkeit: Sein Faszinosum läuft über viele subtile Komponenten. Ihm angemessen zu huldigen, ist kaum möglich, ohne dass es plump und peinlich wird.

Annett Krause und Stephan Zinner. Foto: Michael Grill

Von Dannen erfand einst „den Schlager für die Indie-Szene“, sagt der Münchner Musiker Peter Pichler, und damit sei er eine prägende Figur für die letzten 20 Jahre deutscher Musikgeschichte geworden.

Pichler hat als Musiker selbst schon umfassend mit van Dannen gearbeitet: „Ich bin ein Fan, ich finde alles von ihm toll.“ Wie aber ehrt man jemanden, der nicht zu beschreiben ist? - Pichler versucht es mit einem trashigen Musiktheaterabend, den er „transhumane Posse“ nennt: „Zurück im Paradies“, heißt die Posse. Dabei sind viele alte Bekannte aus der Münchner Musikszene wie Tschinge Krenn und Jan Kahlert, es schauspielern und singen Stephan Zinner, Annett Krause und Jochen Striebeck.

Der Elch-Chor. Foto (alle Bühnen-Aufnahmen von den Proben): Michael Grill

Was vor der heutigen Uraufführung bei einem Blick auf die Probenbühne zu sehen war, wirkt  in etwa so: In einem großen bunten Weltenraum, eingerichtet offenbar mit kindlicher Freude, finden sich überall kleine Funny-Accessoires, „Herzscheisse“-Sticker, CDs, 70er-Jahre-Poster. Darin wandern Adam und Eva umher. Bei ihnen sind „die Kinder aus dem Haus“, also kommen sie aus ihrem Tante-Emma-Laden und schauen mal wieder bei Gott vorbei. Der ist ohnehin ein wenig melancholisch (und summt „Ich brauche einen neuen Psychiater“), also zieht man gemeinsam Zwischenbilanz übers Menschliche. Ein verrückter Elch-Chor marschiert ein und singt „Dingficker, na und?“ Na und? - Gott muss irgendwann auch sterben, aber das ist alles nicht so sehr wichtig, denn auch er ist nur ein Teil in diesem schönen, ausbalancierten Mobile, das Pichler aus Kunst & Krempel, Dannen-Songs und -Zitaten gebaut hat, um das Mysterium irgendwie sicht- und begreifbar zu machen. Schrullig. Schön. Sehr menschlich. Sehr traurig-komisch, und deswegen auch wieder gerade nicht.

Peter Pichlers „Zurück im Paradies“ am 5.-7. Dezember  2014 im Schwere Reiter (20.30 Uhr).

Funny van Dannen: „Geile Welt“ (Warner); live am 12. März 2015 in der Muffathalle.

Nachtrag (28.4.15, 16 Uhr): "Zurück im Paradies" nach Funny van Dannen kommt nochmal auf eine Münchner Bühne, und zwar vom 5.- 7. Mai 2015 im i-camp/neues theater münchen.

Veröffentlicht am: 05.12.2014

Über den Autor

Michael Grill

Redakteur, Gründer

Michael Grill (1968) ist seit 2010 beim Kulturvollzug.

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