Tanzkultur auf offener Münchner Bühne

Unter Dianas Dach zurück ins alte Buenos Aires

von kulturvollzug

Der Dianatempel, wie wenn er auf Tänzer warten würde. Foto: Jörg Lutz / Tourismusamt München

Der Dianatempel im Hofgarten bietet im Sommer weit mehr als nur als den schönen Anblick einer kulturellen Sehenswürdigkeit. Hier - direkt neben dem Tambosi - wird im informellen Rahmen bei gutem Wetter und sommerlichen Temperaturen das sprichwörtliche Tanzbein geschwungen. Stilistisch gibt es täglichen Wechsel - von Swing über Salsa bis Tango. Die feurig-melancholische Töne des Tango Argentino erklingen immer freitags von 20 Uhr an in den Rundbogenarkaden des 400 Jahre alten Renaissancepavillons. Doch was genau ist Tango Argentino? Ein subjektiver Erklärungsversuch.

Es geht nicht um Exegese oder Exerzierung.  Es geht um das alte Buenes Aires sowie ein bemerkenswertes Körpergefühl. Und hier soll Lust gemacht werden - auf einen sehr besonderen Ort in der Münchner Tanzwelt.

Der Begriff „Tango“ geht naturgemäß einher mit allerlei Assoziationen. Er wird begleitet von starken Emotionen und eskortiert von subtiler Erotik des ausklingenden 19. Jahrhunderts. Tango Argentino hat die gleichen Wurzeln,  aber sonst nicht viel gemein mit dem Standardtanz, welcher in jeder Tanzschule propagiert wird. Die domestizierte Form wurde Anfang des 20. Jahrhunderts erfunden, um die „anzüglichen“ Bewegungen aus den argentinischen Vororten den Sitten auf den europäischen Tanzbühnen anzupassen.

Beim einer Rückkehr zum ursprünglichen Tanz, eben jenem Tango Argentino, sollte man die klassische Tanzhaltung des Standard- sowie Lateintanzes vergessen und sich bis auf Weiteres nicht stoisch an Schrittfolgen klammern. Wenn dann moderne Tangorhythmen von Astor Piazzolla oder auch rauchige Grammophonklänge aus den Lautsprechern  fließen, fühlt man sogleich den Alltag an sich abperlen. Die Anfänge dieses Tanzes sind eine seidige Offenbarung. Sind wie eine Erinnerung an ein Miteinander als Paar. Wichtig: Hier herrscht nicht nur nonverbale Kommunikation, sondern Intuition. Der Herr ist gerade nicht damit beschäftigt, seine Dame an Armen und dem Rücken zu ziehen und zu drücken, um sie auf diese Weise scheinbar zu führen. Beim Tango Argentino haben beide Partner vielmehr die maßgebliche Kontaktfläche im Brustbereich.

Durch diese intime und nahe Tanzhaltung kann der Mann der Dame alle Informationen bezüglich Tanzrichtung, Geschwindigkeit und Schrittfolge zukommen lassen. Allerdings: Beide Tanzpartner müssen sich auf diesen intuitiven Tanz einlassen und echtes Gespür füreinander entwickeln. Wenn es funktioniert, kann die Frau den Tango Argentino in rasantem Tempo mit vollkommen geschlossenen Augen tanzen. Sie kann und muss sich fallen lassen in die Führung ihres Partners, denn sein Oberkörper verrät alle Geheimnisse der kommenden Schritte. So gesehen ist dieser Tanz ein geradezu ziviliationskritisches Statement. Er bietet einen geschützen Rahmen aus Klängen des 200 Jahre entrückten Buenos Aires, in dem man sich vollkommen auf einen anderen Menschen einlassen kann. Und: Der Tango Argentino ist eine Hommage an das männliche und weibliche Prinzip. Er verbindet.

Im Grunde verhilft kein Bericht zum wirklichen Verstehen. Man muss erleben, in aller Wucht, Intensität und Zartheit.

Nadine Rasthofer

Tangoabend ist im Dianatempel im Hofgarten (Galeriestraße 4) in lauen Sommernächten freitags ab 20 Uhr. Aktuelle Infos zum jeweiligen Tag über http://www.swingandthecity.com/muenchen/studios/hofgarten/

Veröffentlicht am: 29.08.2014

Andere Artikel aus der Kategorie

Artikel kommentieren...






Reload Image