Zum Filmstart von "Step Up All In"

Ein bisschen viel Zirkus um Breakdance

von Isabel Winklbauer

Briana Evigan als Andie hat Alyson Stoner vom Thron geschubst. Foto: Constantin Film

Es ist schwer zu erklären, warum Tanzfilme wie „Step Up“ erfolgreich sind. Von Teil eins bis fünfundzwanzig spielen sie dem Zuschauer mehr oder weniger dieselbe Handlung vor, die Charaktere werden nicht erwachsen und auch die tänzerischen Stilrichtungen ändern sich wenig. Offenbar ist der Tanz selbst Grund genug für einen Film – so wie im Klassiker "Die roten Schuhe". Nicht nur das Hauptthema, auch dessen Artisten-Aura übernimmt sein jüngster Nachfahre, "Step Up – All In".

Moose (A. Sevani) und Camille (A. Stoner) kuscheln statt zu tanzen. Foto: Constantin Film

Im fünften Teil der „Step Up“-Saga sehen sich Held Sean (Ryan Guzman) und seine Freundin Andie (Briana Evigan) unangenehmen Realitäten gegenüber. Vom Tanzen können sie nur schlecht leben, deshalb findet man Sean zu Beginn des Films von seiner Crew verlassen vor, die anderen bekannten Figuren sind fast alle in bürgerlichen Berufen gelandet. Besonders ernst ist es damit Moose (Adam Sevani), der durch Laborarbeit sich und seine Camille (Alyson Stoner) ins Familienleben führen will. Er schmeißt das normale Leben nicht so schnell hin wie die anderen, als Sean Tänzer sucht, die mit ihm beim ultimativen Internet-Tanz-Wettbewerb „The Vortex“ in Las Vegas antreten sollen.

Warum dabei ausgerechnet Alyson Stoners Rolle so winzig geraten ist, obgleich der Film fleißig mit ihrem Namen wirbt, ist nicht zu begreifen. Stoner ist nicht nur aus den vorigen Step-Up-Folgen bekannt, sondern vor allem für ihren Kinderauftritt in Missy Elliotts Video „Work it“, obendrein tanzt sie fabelhaft. Doch für diesmal wird sie zur bürgerlichen Verlobten mit komischer Ponyfrisur degradiert. Eine einzige Tanzszene im Finale hat sie, und auch da hält die Kamera nicht länger als zwei Sekunden auf sie.

Regisseurin Trish Sie konzentriert sich stattdessen auf die Beziehung zwischen Sean und Andy. Auch in Las Vegas müssen die beiden es mit harten Wahrheiten aufnehmen, genauer gesagt mit den „The Vortex“-Produzenten und ihrem geheimen TV-Drehbuch. In diesem stehen die Gewinner des Wettkampfs längst fest. Zudem ist Andy traumatisiert von einer früheren Verletzung, weswegen sie sich nicht an einen Wurfsalto mit Sean wagt – den Schlüssel zum Sieg.

Großes Finale in der Battlearena. Foto: Constantin Film

Das Saltomotiv ist kein Zufall. Auch die Crew der Protagonisten gleicht einer Zirkusfamilie: Martin und Facundo Lombard geben die spleenigen Santiago-Twins, die Figur der Jenny Kido entspricht der asiatischen Schlangenfrau,  es gibt den italienischen Feuerschlucker (hier der Tango-Eintänzer Hair) und eine Punkerin (die Kettenfrau). Den Höhepunkt der illustren Reihe bildet die Ex-Ballerina Izabella Miko: Sie gestaltet die Rolle der Moderatorin Alexxa Brava schrill, exaltiert und elegant – eine anziehende Magierin. Übertrieben wird die Zirkusnummer jedoch mit einem Roboterpärchen aus verfeindeten Crews. Sie wackeln unaufhörlich umeinander herum. Unnötig.

Mit derselben Vehemez zelebriert die Ausstattung das Fantastische. Die Battlearena erinnert an das riesige Parlament aus „Star Wars“, oder wenigstens an die Arena aus „The Hunger Games“, die schillernden Las-Vegas-Kulissen und die Kostüme im Camouflage-, Preppy- und „Monster-High“-Stil tun ein Übriges.

Sean (Ryan Guzman) und Andie (B. Evigan) auf dem Breakdancer. Foto: Constantin Film

Doch zum Tanz. Retro heißt das Gebot der Stunde! Breakdance ist alles, Popping und Locking fast der ganze Rest, Hiphop ist gestorben oder schläft zumindest. Eine Szene auf einem Rummelplatz, ironischerweise sogar auf dem Karussell Breakdancer, erinnert liebevoll an den Jazzdance der 80er Jahre. Es ist die einzige Szene mit ruhiger Kamera.

Alle anderen Sequenzen gleichen temporeichen, kurzen Schnipseln, die nur ahnen lassen, wie die Choreografie eigentlich gedacht ist. Konfetti fliegen, Röcke wirbeln, Rastazöpfe peitschen, Hüften kreisen und die 3D-Kamera hält auf alles aus Bauchhöhe. Der einfache, aber reizvolle Blickwinkel fängt das physische Geschehen erstaunlich imposant ein und wird auch fast über den ganzen Film beibehalten. Eine gute Entscheidung – so stören nicht eitle Rundfahrten die Dynamik des Augenblicks. Der Zuschauer befindet sich vielmehr selbst mitten im Trubel und tanzt als Teil der Crew beim Finale mit. Und das zu The Prodigys „Firestarter“.  Was will man mehr?

„Step Up – All In“, USA 2014, FSK ab 6

Regie: Trish Sie. Mit Ryan Guzman, Briana Evigan, Adam Sevani, Izabella Miko, Alyson Stoner.

Veröffentlicht am: 24.07.2014

Über den Autor

Isabel Winklbauer

Redakteurin

Isabel Winklbauer ist seit 2011 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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