"Café & Kosmos" mit Andreas Burkert zu Gast im Atelier Ugo Dossi

Von Murnau bis ins Schwarze Loch

von Michael Wüst

Atelier Dossi, Murnau. Foto: Michael Wüst

Neben den TV-Philosophen der Denk-Blasen-Quartette, versteht sich besonders auch der neuere Typus des Tele-Astrophysikers bestens darauf, kosmische Sonderheiten und Schöpfungsschwänke erfrischend aufzubereiten. Feinste Denkhäppchen werden da gerne frech, skurril – sozusagen fast ein bisschen „petit fou“ präsentiert. Zum Beispiel der heiß geliebte Harald Lesch. Jeder kennt diesen spät nächtlichen Fex der dunklen Materie, diesen Clown am imaginären Hofe des ersten unbewegten Bewegers. Astrophysik-Entertainment ist beliebt, spannend und amüsant. Gescheite Unterhaltung allemal. Außerhalb der Glotze gibt es das auch, und zwar bei der öffentlichen Diskussionsrunde „Café & Kosmos“, die an zweiten Dienstagen oder Mittwochen im Monat im „Vereinsheim“ in Schwabing stattfindet.

Diesmal aber machte die Veranstaltung einen Ausflug ins schöne Werdenfelser Land. Der Astrophysiker Andreas Burkert besuchte mit kleinem technischen Gepäck Ugo Dossi in seinem Atelier in Murnau, genau gesagt in Neu Egling. Zwischen den Himmelsgewandten Themen des Künstlers, Schamanentreppen, die sich drehen und verwinden, Doppelleitern, der Helix gleichend, sich vereinigen zu Abgrundstrudeln, Vortices und Abyssen, durch die Messiasse herabfliegen… dort in Dossis Kunstwelt referierte Burkert also über das „reale“ All. (Wie wir später ahnen dürfen, dient der Begriff „real“ eigentlich nur der Unterscheidung…)

Berichtete die Neuigkeit, eine Beobachtung zunächst: Aktuell stünde nämlich innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre ein Ereignis an, das noch nie beobachtet wurde, so Burkert. Wohlgemerkt, in der Vergangenheit, wie immer, wenn wir tiefer in den Himmel blicken. Kosmisch gesehen, handelt es sich da um den Bruchteil einer Millionstel Sekunde. Ein kurzer Moment, der sich da in der Vergangenheit ereignet haben wird.-Plusquamfutur2perfekt?

Das kleine Gaswölkchen „G2“ jedenfalls wird da in ein zentral in unserer Galaxie gelegenes, schwarzes Loch gesogen werden-wurden-worden! Dieses putzige, winzige, nur wenige Erden schwere Wölkchen, wird in Nähe des schwarzen Abflusses in Wirbel versetzt wie wir es von der Badewanne her kennen und dort „spaghettifiziert“, wie Burkert mit spitzbübisch, leicht boshaftem Lächeln anmerkte. Und schwarze Löcher, wie sie alle Galaxien, einem zentralen Stepp-Punkt gleich, haben, sind Raum-Zeit-Tore. Das sind Tore, die eine räumliche Bewegung, einen Schritt zum Beispiel, in eine Zeiteinheit umwandeln, Schritt-Tack macht es da. Das Gaswölkchen wird-wurde also hinein gesogen. Einmal dort angelangt, verwandelt sich die räumliche Bewegung des Eintretens in eine zeitliche, es ist nicht mehr „dort“, sondern „seit“. Und da es in der Zeit nur vorwärts geht, kann alles, was der Zeit unterliegt, nur älter werden.

Aber in der Mitte des Schwarzen Lochs angekommen, da wurde-wirds spannend: da soll die Zeit stehen bleiben, so rechnen es die Modelle. Muss. Wir denken kurz an „2001 Odyssee im Weltraum“ und verspüren eine zerebrale ¾-Krümmung. Was wird denn dann auf der anderen Seite des Schwarzen Lochs zu beobachten sein? Welcher Plusquamper wird da wohl herauskommen? Sowas wie Zsa Zsa Gabor (kleiner Scherz)? Innerhalb der ganz seltenen Chance der nächsten Jahre, in der Vergangenheit von Millionen Jahren? Far out! Entertainment mit Tendenz zur Schwerelosigkeit!

Veröffentlicht am: 21.07.2014

Über den Autor

Michael Wüst

Redakteur

Michael Wüst ist seit 2010 beim Kulturvollzug.

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