Des Oberbürgermeisters Abschieds-Tour nach 21 Jahren

Ude ade

von Michael Grill

Was von CU übrig bleibt? Foto: Michael Grill

Jetzt ist dann aber endgültig Schluss: Nachdem Münchens Alt-OB Christian Ude seit gefühlten Jahren aus dem Amt schied, wird heute (16.5.2014) mit einem Festakt zu seinen Ehren im Deutschen Theater noch ein finales Mal glamour- und promimäßig gefeiert. Offiziell war Ude, der München 21 Jahre lang regiert hat, schon am 30.  April aus dem Amt geschieden, in dem er aus Altersgründen nicht verbleiben durfte. An jenem letzten Arbeitstag machte er, taktisch und rhetorisch geschickt versteckt, wie es seine Kunst ist, auch eine kleine kulturelle Grundsatz-Erklärung.

Groß aufgefallen war es deshalb gar nicht, wie Ude sein Alleinstellungsmerkmal unter deutschen Oberbürgermeistern herausstrich. Auf dem Marienplatz war er unter den Rathaus-Arkaden mit Stadtwache und Ehefrau Edith aufmarschiert, was zunächst mal zu der verblüffenden Neuigkeit führt, dass die Landeshauptstadt München eine Stadtwache hat, also gerüstete Männer die irgendwo zwischen Schefflertänzern und Narhallavorsitzenden changieren und blau-weiß-rote Uniformen tragen. Auf Tischen lagen Ude-Souvenirs bereit, also Tassen, Bücher, Süßigkeiten, die kostenlos verteilt werden sollten, eine wirklich nette Geste; und Ude begrüßte entspannt, er möchte sich von so vielen Bürgern wie möglich persönlich verabschieden, dazu sei er nicht nur "bereit", sondern dran auch "interessiert".

Vor den Fans am Rathaus. Foto (mit einem Filter von Vignette Demo): Michael Grill

Dann kündigte er an, keine Rede halten zu wollen, was ja die klassische Ankündigung für eine zumindest kleine Rede ist. Ude sprach von der Dankbarkeit, dass er seine Heimatstadt habe mitgestalten dürfen, und wie viel ihm das bedeute. Und schließlich: zählte er eine Handvoll Gründe auf, warum sich für ihn auch im Rückblick die Zeit gelohnt habe. So sprach er, das interessiert uns hier eben gerade in diesem Detail, von der "Weiterentwicklung der Kulturstadt München".

Am Rande der Absperrung, und nur von einigen bemerkt, stand bei diesen Worten auch ein gewisser Dieter Reiter. Ob er bei ähnlichen Anlässen in der Zukunft ähnliche Wort finden wird, bleibt skeptisch abzuwarten. Einen Vorgeschmack, was von ihm an Gestaltungswille, Verhandlungsgeschick und Souveränität zu erwarten sein könnte, hat er ja schon bei den Koalitions- oder Mehrheitsverhandlungen im Rathaus gegeben.

Dann begann auf dem Marienplatz ein Gedränge und Geschiebe, als wenn Justin Bieber seine Unterhosen verschenken würde. Das waren richtige Fans, und welcher Politiker hat die sonst schon?

Der Bayerische Rundfunk befindet übrigens zum aktuellen Ude-Servus im Deutschen Theater, der OB Ude sei "bundesweit vor allem durch den Fassanstich beim Münchner Oktoberfest bekannt geworden". In diesem Sinne wünschen wir allen Alt- und Neu-OBs viel Spaß mit der Kulturstadt.

Veröffentlicht am: 16.05.2014

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