Die Feder als Waffe

von kulturvollzug

Heinrich Kley: Arbeiterstudie. Foto: Marianne Franke

Zu Lebzeiten war Heinrich Kley ein bekannter Zeichner, Maler und Karikaturist der berühmt-berüchtigten Satirezeitschrift „Simplicissimus“. In der Villa Stuck gibt es momentan die bisher umfassendste Sammlung zu seinem Leben und Werk zu sehen.

Ein Mann starrt von der Wand in den Raum hinein. In seinem Gesicht spiegelt sich eine Mischung aus unerklärlicher Verwunderung und Stolz. Von einer Funzel angeleuchtet, hält er eine Art Schürhaken in der Hand. Der Mann – sein Name ist nicht überliefert – war Arbeiter in einem Krupp’schen Stahlwerk. Er ist das Motiv von Heinrich Kleys 1907 entstandenem Aquarell „Arbeiterstudie“. Was in ihm vorgeht? Man weiß es nicht, heiter sieht der Kumpel jedenfalls nicht aus. Aber eben auch nicht anklagend.

 

In der von Alexander Kunkel kuratierten Ausstellung „Heinrich Kley – Ein Meister der Zeichenfeder im Kontext seiner Zeit“ werden Kleys Biographie und Werk in elf Stationen beleuchtet. Sowohl Kleys Leben und Freundschaften, als auch seine Arbeiten für den „Simplicissimus“, einige Naturstudien und Auftragsarbeiten für die Industrie werden präsentiert. Durch die Gegenüberstellung mit Arbeiten von Zeitgenossen wie Franz von Stuck wird Kleys Werk in einen zeitlichen Kontext gesetzt. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen dabei Zeichnungen und Aquarelle.

Die „Arbeiterstudie“ findet sich gleich zu Beginn der weitgehend chronologisch aufgebauten Ausstellung und ist bezeichnend für Kleys Werk als Industriemaler: er verstand es, dokumentarische Genauigkeit mit atmosphärischer Stimmung zu verbinden und bekam deshalb Aufträge von Industrieriesen wie Krupp, MAN und Bilfinger Berger. In seiner Rolle als Industriemaler sah sich Kley selbst stets als Beobachter, nicht als Richter seiner Zeit.

Zwei Räume weiter findet sich eine Auswahl von Kleys Arbeiten für den „Simplicissimus“. Im Vergleich mit den Arbeiten anderer Mitarbeiter des „Simplicissismus“ werden sowohl zeichnerische als auch interpretatorische Unterschiede deutlich. Hier zeigt sich die Detailgenauigkeit des Karikaturisten Kley ganz besonders. Und es wird deutlich: Die Deutung seiner politischen Zeichnungen gestaltet sich ohne Hintergrundwissen schwierig. Einer breiten Rezeption war und ist das erfahrungsgemäß eher abträglich. Biographie und Werk wurden erst vor kurzem von der kunsthistorischen Forschung aufgearbeitet. Zwar war Heinrich Kley bereits zu Lebzeiten bekannt und erfolgreich, er geriet aber mit der Zeit zusehends in Vergessenheit.

Bei Münchner Kunstkennern dürfte der Name Kley allerdings trotzdem ein Glöckchen klingeln lassen. Bereits 2008 bzw. 2009 wurden einige seiner Werke im Rahmen der Ausstellung „Walt Disneys wunderbare Welt und ihre Wurzeln in der europäischen Kunst“ in der Hypo-Kunsthalle ausgestellt. Die ab 1909 vom Albert-Langen-Verlag herausgegebenen illustrierten Alben des Simplicissimus entdeckte Disney Anfang der 30er Jahre. Kleys Zeichnungen inspirieren ihn unter anderem bei der Gestaltung seines dritten abendfüllenden Trickfilms, „Fantasia“.

Noch bis zum 1. Mai. Am 17. März findet zudem ein Gespräch zum Thema „Ausgezeichnet? Bemerkungen zum Stand der Karikatur“ statt. Zu Gast sein werden OB Christian Ude, Dieter Hanitzsch, Rudi Hurzlmeier und Marcus Weimer vom Cartoonisten-Duo Rattelschneck.

 

Jasmin Körber



Veröffentlicht am: 19.02.2011

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