Zum Maibockanstich im Hofbräuhaus mit Django Asül

"Hubert, mehr Lob geht nicht!" - was vom Derblecken übrigbleibt

von Michael Grill

Django Asül bei der Rede im Mai 2013. Foto: Sigi Jantz

Die kabarettistische Starkbierveranstaltung im Hofbräuhaus hat sich längst zu einer ernstzunehmenden Alternative zur berühmten Konkurrenz auf dem Nockherberg entwickelt. Maßgeblichen Anteil daran hat der Maibock-Festredner Django Asül, dessen niederbayrische Direktheit geradezu kathartische Wirkung hat. Heute (30.4.2014) ist es wieder soweit: Derblecken im Hofbräuhaus. Zur Einstimmung auf die neue Asül-Runde eine Dokumentation der letzten Rede.

 

 

Der Kulturvollzug hatte 2011 über den Maibock berichtet. Die Aufzeichnung der heutigen (30.4.2014) Veranstaltung im Münchner Hofbräuhaus wird im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt. Wir stimmen uns schon mal ein und dokumentieren  vor dem heutigen Auftritt die Rede von Django Asül vom 25.4.2013:

 

 

Herzlich willkommen zum Maibockanstich 2013 im Hofbräuhaus. Rekordkulisse. Wissen Sie, wie viele Gäste wir heute haben? Ich konnte die Zahl selber nicht fassen. Aber der Alex Dobrindt hat sie mir noch bestätigt: exakt 7000 Festgäste. Das leitet der Alex von der Deckenhöhe ab.

Seit dem politischen Aschermittwoch in der Passauer Dreiländerhalle ist der Alex eine lebende Legende. Ich hab ihn selber gefragt: Dobrindt, wie hast du denn das geschafft, 7000 Leute in einer 4000er Halle unterzubringen?

Hast da mit Unterdruck gearbeitet? Oder hast dich von Wiesenhof beraten lassen? Ideen hat der Alex manchmal. Bei dem sind ja die Grenzen zwischen Geistesblitz und Gedankenschoas wirklich fließend.

Ich hab gesagt: Dobrindt, Hand aufs Herz: Stimmt die Zahl wirklich? Jetzt hättest noch die Chance auf eine Selbstanzeige. Warst in Passau gedopt? Hast a Viagra inhaliert?

Jetzt heißt es, die CSU hätte die Sicherheitsvorschriften in der Dreiländerhalle gravierend ignoriert. Ist natürlich Blödsinn. Wo die CSU ist, ist es ja von Haus aus sicher. Das weiß auch die Opposition.

Lieber Christian, es hieß, du hättest uns abgesagt für heute. Das wäre ein ganz böses Omen für die Landtagswahl gewesen. Einige dachten schon, bei Euch kehrt langsam Realismus ein.

Jedenfalls behauptet Ihr, bei den Anwesendenzahlen am Aschermittwoch hat der Dobrindt rumgetrickst. Merkt Ihr eigentlich, wie lächerlich Ihr Euch selber macht?

Tricksen bedeutet doch: Man hat eine zweite Ebene. Jetzt mal ganz ehrlich, liebe bayerische Opposition: Wer von euch traut dem Dobrindt eine zweite Ebene zu? Er sagt ja selber: Wofür brauch ich eine zweite Ebene? Mein Büro ist ja im Erdgeschoss.

In den Sicherheitsvorschriften der Dreiländerhalle steht eindeutig: Mit Bestuhlung sind gut 4000 Besucher in der Halle erlaubt. Da hat der Dobrindt den CSU-Schatzmeister gefragt: Du, wie viele sind grob geschätzt gut 4000? Da kam als Antwort: Gut 4000 – das ist zwischen 4000 und deutlich über 4000.

Dann hat der Dobrindt zum Rechnen angefangen: Wenn die SPD in Vilshofen im Zelt 5000 Leute hat, in die Dreiländerhalle gut 4000 rein dürfen und Passau deutlich größer als Vilshofen ist, dann lassen wir 7000 rein. Und falls sich wer beschwert, sagen wir einfach:

Wir dachten, im Schaltjahr fällt der Aschermittwoch auf einen Donnerstag. Da überlässt der Alex nix dem Zufall. Den Aschermittwoch in Passau organisiert er mit der Präzision einer Schrotflinte.

SPD hatte in Vilshofen nur Zelt. Also temporäre Angelegenheit. Dadurch zeigt die SPD auch schon, wie sie ihre Chancen bei der Wahl einschätzt. Drum auch euer Slogan im Wahlkampf „Das Wir entscheidet“.

Damit habt ihr euch eh schon wieder disqualifiziert beim Volk. Wisst ihr, was sich ein bayerischer Wähler denkt, wenn er auf eurem Wahlplakat „Das Wir entscheidet“ liest? Der fragt sich: Seit wann schreibt man Bier mit W?

Grad weil der Dobrindt spielend 7000 Leute auf 4000 Stühlen unterbringt, kümmert er sich auch um die Umfragen der CSU. Da weiß man von vornherein, dass das richtige Ergebnis rauskommt.

Die Umfragen werden ja immer schwindelerregender. Absolute Mehrheit für die CSU. In Zahlen ausgedrückt: 48 Prozent. Und das, meine Damen und Herren, sagt viel aus über die wahre Kraft einer Partei: Wenn man mit weniger als 50 Prozent mehr als die Hälfte hat.

Da hat sich der Seehofer schon im Herbst gedacht: Das ist nicht gut. Wenn wir so lang vor der Wahl so weit vor der Konkurrenz  liegen, bleiben vielleicht am Wahltag unsere Stammwähler daheim, weil sie glauben, es ist eh schon gelaufen. Da müssen wir uns schon überlegen, wie der Wahlkampf bissl spannender wird.

Drum hat der Horst den Alex gefragt: Du, Dobrindt, wer hat denn bei uns grad nix zu tun? Sagt der Dobrindt: Der Strepp. Seehofer: Wer? Dobrindt: Der Strepp. Der sitzt bei uns in der Öffentlichkeitsarbeit rum. Aber quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Da hat der Seehofer gleich den Strepp herzitiert und ihm gesagt: Strepp, ruf mal bei ZDF an.

Der Strepp ganz verwundert: Ja, äh, gern, Chef. Aber was soll ich da sagen?

Der Seehofer: Ist doch Wurscht! Hauptsach', es steht morgen in der Zeitung.

Und da hat der bis dato völlig unbekannte Herr Strepp tatsächlich beim ZDF angerufen und gesagt: Wir von der CSU verurteilen Ihre Berichterstattung aufs Allerschärfste. Wir wissen nur noch nicht warum.

Als es dann in den Umfragen steil aufwärts ging, hat sich der Seehofer gedacht: Typisch, kaum geht mal was weiter, werden unsere Leute wieder übermütig. Drum hat der Horst die Chefin vom Allensbach-Institut nach Wildbad Kreuth eingeladen. Damit sie die CSU mal richtig schockt und wachrüttelt.

Und die Dame hat in Kreuth verkündet: 41 Prozent. Da haben die CSUler fast einen Herzkasperl gekriegt. Und dann diese Zahl sehr nüchtern analysiert: „Die spinnt wohl. Die hat ja gar keine Ahnung. Die ist ja zu blöd zum Rechnen.“

Andere meinten: Die CSU hat ja für einen enormen Mehrwert in Bayern gesorgt. Wahrscheinlich haben sie in der Umfrage aus Versehen die 19 Prozent Mehrwertsteuer weggelassen.

Als der Horst gesehen hat, dass die Schocktherapie wirkt, hat er wieder den Dobrindt von der Kette gelassen. Dobrindt hat dann der Welt verkündet: „Ich gebe hiermit zu Protokoll: Diese Zahlen stimmen nicht. Allein wir vor Ort waren ja schon 46 Prozent.“

Die SPD war da noch guter Dinge. Da hieß es nur: Wenn wir den Steinbrück aus Bayern fernhalten und die 60er in die erste Liga aufsteigen und der FC Bayern nicht Meister wird, schaffen auch wir die absolute Mehrheit. Zumindest innerhalb der SPD.

Moralisch sieht sich die SPD durch aktuelle Ereignisse sowieso im Aufwind. Wenn man da mal hinhört, was da alles von der SPD jetzt kommt: Der Merkel hätten wir alles zugetraut. Dem Seehofer sowieso. Aber Hoeneß?

Credo der Sozis lautet: Steuerhinterziehung nein, Steuerverschwendung jederzeit gerne. Viele SPDler sind ja große Fans von François Hollande. Aus ihrer Sicht hat der Hollande das optimale Mittel gegen Steuerbetrüger.

75 Prozent Spitzensteuersatz. Ist einfache Rechnung: Dann bleiben nur noch 25 Prozent fürs Schwarzgeld über. So ticken Sozialisten. Dafür hassen die Franzosen ihren Präsidenten. Der Hollande hat ja Umfragewerte wie der Thomas Müller in Barcelona. Da denken sich die deutschen Sozis: Was schlecht ist für Frankreich, kann nur gut sein für Deutschland.

Kleines Problem: Der Peer Steinbrück kassiert Millionen von Banken und Versicherungen. Aus Sicht der SPD ist das auch Schwarzgeld, wenn auch versteuert.

Denn wenn ein Sozi Millionen verdient durch Vorträge, dann ist er vielleicht ein Schröder oder Schmidt. Aber ganz sicher kein Sozialdemokrat. Dabei hat Steinbrück all diese Vorträge ja nur aus Selbstschutz gemacht.

Der Steinbrück hat gesagt: Er hält sich ganz bewusst vom Bundestag fern während der Sitzungszeit. Weil da immer Lobbyisten ihr Unwesen treiben und versuchen die Abgeordneten zu bestechen. Drum nutzt er die Zeit lieber sinnvoll und hält woanders Vorträge. Denn dadurch ist er nicht bestechlich, sondern nur käuflich.

Ilse Aigner lässt sich entschuldigen. Sie wäre furchtbar gerne gekommen. Aber die Arbeit für sie wird nicht weniger. Jetzt ist sie ja auch noch Bundesbeauftragte für Pferdelasagne. Will Frühwarnsystem installieren:

Betrüger müssen falsche Etiketten beim Verbraucherministerium anmelden. Dort wird dann geprüft, ob man sofort erkennt, dass es sich hierbei um eine sogenannte Offshore-Lasagne handelt.

Als es hieß, der Seehofer holt die Aigner nach Bayern zurück, fragten sich einige: Ob da der Horst wirklich auf das richtige Pferd setzt? Aus Proporzgründen macht es Sinn. Es geht ja um Bayern. Also um Oberbayern. Um Franken muss man sich keine Sorgen machen.

Da ist der Söder Charmebolzen genug. Womanizer und Wuchtbrummenizer in Personalunion. In Nordoberbayern hat man die Christine Haderthauer. In Südoberbayern Ilse Aigner.

Beide sind nicht nur charmant, sondern beherrschen ihr Handwerk. Was für die Ilse tote Pferde, sind für die Christine die Asylbewerber. Da wird die Christine jetzt sagen: Also, ich hab noch keinen Asylanten in der Lasagne entdeckt.

Wobei die Christine schon auf Ausgewogenheit achtet. Je mehr Krippenplätze, umso weniger Platz für Asylbewerber. Das leuchtet ein.

Sie besucht ja gern Asylbewerberheime. Bissl ähnlich wie beim FC Bayern, wenn die Spieler die Fanclubs besuchen. Und da soll es ja in einem Fall angeblich zu Unstimmigkeiten gekommen seien.

Angeblich soll sich die Christine den Asylbewerbern in den Weg gestellt haben, als die sich wieder Richtung Heimat aufmachen wollten. Sie soll gedroht haben: Wenn Ihr wieder heim geht, brauchts Euch hier nimmer blicken lassen!

So dramatisch war das alles sicher nicht. Sie hat lediglich die Asylbewerber wissen lassen: Erst wenn der 100.000ste Krippenplatz in Bayern geschafft ist, dürft ihr wieder heim. Und die Christine hat sich auch richtig reingehängt.

Und jetzt ratet mal, wo der 100.000ste Krippenplatz in Bayern entstanden ist. Nicht in München, nicht in Nürnberg. Unglaublich, aber wahr: In Ingolstadt! Und dann auch noch im Ortsteil Gerolfing! Sag mal, Horst, kennst du irgendwen, der da wohnt?

Was, du selber? Na, also Zufälle gibt’s! Wessen Stimmkreis ist das eigentlich? Der von der Christine? Jetzt sind wir aber alle sprachlos! Aber das passt schon so. Christine, du musst schauen, dass du deine PS wieder auf die Straße kriegst. Was ist denn los? Keine einzige Attacke vom Seehofer gegen dich! Das ist ja Höchststrafe!

Wer vom Seehofer ernstgenommen wird, kriegt ab und zu mal eins aufs Dach. Das ist quasi eine verschärfte Form des Kompliments. Weil wenn es ernst wird, werden die Reihen geschlossen. Siehe das konzertierte Auftreten von Söder und Seehofer beim Thema Länderfinanzausgleich.

Da seid ihr das eleganteste Tandem seit Beckstein/Huber. Nur dass ihr nicht hintereinander radelt, sondern nebeneinander. Damit ja jeder sieht, was der andere macht. Ihr wollt ja auch beide lenken. Das ist der Unterschied zu Huber und Beckstein. Gut, Huber und Beckstein wollten auch lenken. Aber sie haben nicht gewusst, wo der Lenker ist.

Alles, was ihr zum Thema Länderfinanzausgleich macht, wird ja sofort von der SPD kritisiert. Ihr habt gesagt: Wir sind solidarisch, aber nicht blöd. Da hat die SPD gleich aufgeheult: Wir sind das genaue Gegenteil!

Die Sicht der bayerischen Staatsregierung ist: Wenn wir nicht handeln, wäre das Untreue gegenüber dem bayerischen Steuerzahler.

Die Sicht der SPD ist: Ohne bayerische Milliarden kann unser Genosse Wowereit keinen Großflughafen bauen. Liebe Sozis, selbst mit den bayerischen Milliarden kann euer Genosse Wowereit keinen Flughafen bauen.

Jetzt haben sie ihn wenigstens rausgenommen aus der Schusslinie. Jetzt ist ja der Herr Platzeck der oberste Aufseher. Weil bisher war der Platzeck nur der Vize-Aufsichtsratschef. Drum lief alles schief. Platzeck hat ja dann gleich den Herrn Mehdorn verpflichtet als neuen Chef.

Weil der Platzeck sich gedacht hat: Der Mehdorn hat Stuttgart 21 versenkt. Danach hat er Air Berlin versenkt. Der passt zu uns. Da hat man gewusst: Aha, das geistige Tiefflugverbot über Berlin ist wieder aufgehoben.

Dem Wowereit geht die ganze Gaudi schon sehr nahe. Der wollte ja eigentlich gar nicht Aufsichtsratschef werden. Er hat sogar drei Gutachten vorgelegt, wo drin steht, dass er generell überhaupt keine Ahnung hat.

Er sagt auch jetzt noch, dass das schon sehr frustriert, dass sich ganz Deutschland auf dieses Eröffnungsjahr 2013 eingeschossen hat. Und er wüsste nach wie vor nicht, wie es zu diesem Zahlendreher überhaupt kommen konnte.

Jetzt hätte ja der Flughafen ursprünglich Willy Brandt heißen sollen. Bis sie gemerkt haben: Die haben den Brandschutz vergessen. Jetzt haben sie auch noch einen neuen Namen gebraucht. Und der steht jetzt aber seit einiger Zeit fest. Der Flughafen wird heißen: Edmund Stoiber Airport.

Jetzt verrate ich wahrscheinlich ein Geheimnis. Aber das hat der Seehofer durchgesetzt. Der Horst hat dem Wowereit vorgerechnet, dass der Flughafen aufgrund vom Länderfinanzausgleich jetzt schon Bayern gehört. Da wären die Namensrechte im Kaufpreis mit drin.

Die Berliner Verkehrsbetriebe waren sofort begeistert, als sie den neuen Namen gehört haben. Die haben gesagt: Sie haben jetzt ganz frisch eine Expertise vorliegen, wo drin steht, dass man vom Flughafen…

Unser Edi ist ja wieder richtig dick drin im Rennen. Wenn's um die Zukunftshoffnungen der CSU geht, fällt immer wieder der Name Stoiber. Die Konkurrenz wird schon nervös.

Wie hat der Aiwanger den Edmund genannt? „Archäopteryx aus Wolfratshausen“. Das war nicht schön von dir, Hubert. Archäopteryx! Sei froh, dass ich dich das jetzt nicht buchstabieren lasse, du Asterix aus Rottenburg.

Edi wäre heute gerne dabei gewesen. Er ist in Brüssel. Stoiber fordert von der EU-Kommission einen hauptamtlichen Beauftragten zur Vermeidung überflüssiger Gesetze. Also eine neue Behörde. Weil der Edi sagt: Weniger Bürokratie schaffen wir nur mit mehr Bürokratie.

Da müsst ihr Euch jetzt ranhalten an den Edi bei eurem Kampf gegen den Länderfinanzausgleich. Den richtigen Ton hat ja der Markus gleich getroffen:

„Seit heute Morgen um 9 Uhr wird geklagt.“ Kommentar Martin Zeil dazu: „Meine Wortwahl ist das nicht.“ Da hat sich der Zeil weit aus dem Fenster gelehnt. Zeil, eigentlich bringt man weder Wort noch Wahl mit dir in Verbindung. Wolltest der CSU wieder mal bissl Druck machen?

Das kannst dir schenken. Denn für Hochdruck in der bayerischen Politik ist ja neuerdings der Hubert Aiwanger zuständig. Und wenns nur für Bluthochdruck ist.

Zeil, bevor du den Wortkundelehrer für den Söder spielst, solltest erst mal Klassenlehrer in deiner Fraktion spielen. Dein Fraktionsvize im Landtag ist mit fliegenden Fahnen zum Aiwanger übergelaufen.

Dabei musst doch froh sein, dass der Seehofer dich nach der Gaudi um die Studiengebühren am Leben gelassen hat. Was war der Dank dafür? Hast nochmal den Wortkundelehrer gespielt. Weil euch der Horst Dipferlscheißer genannt hat.

Zeil hat das natürlich auch gleich sprachlich analysiert:  „Das gehört zur Kategorie der unangemessenen Äußerungen.“ Wenn du so weitermachst als Oberlehrer, wirst bald als Nachfolger vom Spaenle gehandelt.

Zeil, weißt, was euer Problem ist? Ihr seid verkopft und kopflos zugleich. So wie bei der Dirndl-Geschichte vom Brüderle. Da kommt die Leutheusser-Schnarrenberger daher und sagt sinngemäß: Diese Äußerung vom Brüderle war ja nicht sexistisch, sondern ein Kompliment. Und im juristischen Sinne sogar eine mathematische Feststellung.

In der FDP hat man ja den Brüderle gelobt. Die haben gesagt: He, Brüderle, nach Mitternacht an der Hotelbar mit so viel Promille kannst du noch berechnen, wie viel Oberweite in ein Dirndl gehört! Reschpekt! Den Westerwelle haut's schon nach zwei Prosecco vom Stangerl. Und den Rösler nach zwei Apfelschorle!

Da kann man sich gut vorstellen, wie die Diskussion in der CSU-Fraktion gelaufen ist.

Seehofer: Wenn wir die Studiengebühren abschaffen, dann machen wir uns beim Wähler glaubwürdig.

Einwand: Ja, aber ist das ist doch unlogisch. Weil wir haben doch die Studiengebühren 2007 eingeführt.

Seehofer: Schmarrn, was wir machen, ist eben logisch. Wenn du was abschaffen willst, musst es ja vorher eingeführt haben.

Im September wird zwar gewählt. Politische Wende scheint in Bayern kein Thema zu sein. Drum kann sich Seehofer neben dem Wahlkampf auch der wichtigeren Wende zuwenden. Und zwar der Energiewende. Und da zeigt der Horst durchaus Konsensfähigkeit.

Er hat früh verkündet: Wenn es dem sozialen Frieden im Lande dient, wird die Staatsregierung schweren Herzens auf ein Endlager auf bayerischem Boden verzichten.

Die Opposition sieht das natürlich gewohnt anders. Die Grünen sagen: Endlager gerne, aber nur wenn die Brennstäbe aus Tofu sind. Die SPDler sagen: Endlager ja, aber nur für Schwarzgelb.

Der Aiwanger ist da eher Pragmatiker. Hubert, bleib ruhig, Pragmatiker ist kein Schimpfwort! Aiwanger pokert hoch, spielt aber mit offenen Karten.

Er hat sich klar positioniert. Oft genug hat er betont: Für ihn kommt nur eine Koalition mit SPD, Grüne oder CSU in Frage. Es sei denn, es kommen neue Alternativen auf.

Aiwanger sitzt fest im Sattel. Er ist das Epizentrum der Macht. Jetzt müsste man wissen, was Epi heißt, gell Hubert? Aber du wirst deinen Leuten langsam zu mächtig. Drum gibt es schon Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen.

Wie ist da der Fachbegriff gleich wieder, Horst? Genau, Schmutzeleien. Die FW im Saarland wollen dich weg haben. Aiwanger, lass dich nicht unterkriegen. Kann dir wurscht sein, was Saarländer sagen. Seit Lafontaine ist das Saarland ja kein Bundesland in dem Sinn, sondern eher Druckmittel von Merkel gegen Frankreich.

Merkel zu Hollande: Entweder du parierst oder ihr kriegt das Saarland wieder! Pressemitteilung von den FW im Saarland besagt: Der Führungsstil von Aiwanger sei undemokratisch, eigenmächtig und unprofessionell.

Hubert, mehr Lob geht nicht. Vor allem wird dich jetzt jeder als idealen Partner ansehen.

Undemokratisch - da sagt die CSU: Unser Mann.

Unprofessionell - SPD: Das könnte einer von uns sein.

Eigenmächtig - da horchen die Grünen auf. Obwohl, mächtig kann man bei euch streichen. Aber bissl eigen seids ihr schon.

Aiwanger ist ja mittlerweile Kult. Der Pepe Grillo vom Bauernhof. Revoluzzer. Ein Volksbegehren nach dem anderen würde er am liebsten raushauen. Studiengebühren hat er schon gekippt.

Jetzt auch noch Forderung nach Wahlfreiheit zwischen G8 und G9. Ich kann den Hubert verstehen. G8 ist einfach zu stressig. Vor lauter Lernerei bleibt keine Zeit für Bildung.

Ob FW selber Volksbegehren starten, lässt Aiwanger offen. Jetzt baut er nur mal eine Drohkulisse auf. Hätte Hubert den gleichen Migrationshintergrund wie Grünen-Chef Özdemir, würde er quasi sagen: Seehofer, pass auf, ich weiß, wo dein Haus wohnt.

Gell, Pronold, Janecek, ihr wollt kein Volksbegehren. Stattdessen sollen die Wähler im September einfach SPD und Grüne wählen.

Auch SPD sagt: Der Druck auf Lehrer, Schüler und Eltern zu hoch. Alle sind überfordert. Beim Thema Überforderung sind Pronold und Co. ja wahre Insider. Aus SPD-Kreisen heißt es sogar, der Pronold hat Überforderung studiert.

Florian, angeblich bist ja im Schattenkabinett vom Ude für das Finanzressort vorgesehen. Da wärst du der Gastgeber beim Maibockanstich. Glaubst du, dass da einer von denen dann noch kommen würde? Vor allem, wie soll dann die Veranstaltung heißen? Maobockanstich?

Ude hingegen will ein Gymnasium der zwei Geschwindigkeiten. Sehr vernünftig. Mit zwei Geschwindigkeiten macht man ja auch in der Eurozone beste Erfahrungen. Deutschland schwimmt fleißig stromaufwärts, die anderen Euroländer gehen den Bach runter.

Dieses Prinzip will der Ude aufs bayerische Gymnasium übertragen.

Der ganze Festsaal beim Maibock. Foto: Michael Grill

Wenns nach'm Ude geht, haben wir dann Abitur und Gracherl-Abitur. Mit dem einen Abitur kannst studieren. Mit dem anderen Abitur kriegst Ermäßigung im Freibad und eine Mitgliedschaft bei der SPD.

Aber in Sachen Bildung zählt ja nicht der Ude, sondern einzig der Spaenle. Der Ludwig war ja laut Wikipedia von 1978 bis 1990 als Bahnarbeiter bei der Deutschen Bundesbahn. Das erklärt natürlich auch deine Art, Bildungspolitik zu machen. Erst verstehst Bahnhof. Und dann stellst die falschen Weichen.

Spaenle will Schülern ermöglichen, sich freiwillig ein Jahr mehr Zeit zum Abitur zu nehmen. Aber kein G9. Sondern G8 in 9 Jahren. Freiwilliges soziales Jahr an einem bayerischen Gymnasium. Und dann soll alles passen.

Gestern noch hab ich den Spaenle gefragt: Ludwig, ist das dein Ernst? Wenn du wirklich so kurzsichtig denkst, gehörst zu den Politikern, deren Intelligenzquotient in Dioptrin gemessen wird. Heut abend kann er nicht hier sein. Er hat ein Kündigungsgespräch mit seiner Frau.

Ich hab zu ihm gesagt: War die tatsächlich angestellt bei dir? Das war unnötig, Ludwig. Weil so wie du dich immer anstellst, brauchts da keine weiteren Personen. Jetzt hab ich auch noch gehört, du hast einen Doktortitel. In Verbindung mit dir klingt das wie eine Bewährungsstrafe.

Wo hast denn den Doktortitel her nach 12 Jahren Deutsche Bahn? Von Märklin? Pass bloß auf, dass es dir nicht so geht wie der Frau Schavan. Die Schavan kann auf unschuldig plädieren. Das kannst du nicht. Weil die Schavan sagt: Sie hat ihren Doktortitel in Nordrhein-Westfalen gemacht.

Vom Bildungsniveau her müsste es da für einen Doktortitel in NRW ausreichend sein, wenn man keinen Rechtschreibfehler drin hat. In Bayern sind da die Standards wesentlich höher. Wegen des Bildungsgefälles. Derzeit ist es nämlich so: Wenn man in NRW fertigstudiert, ist das so wie wenn man in Bayern mit der Grundschule fertig ist.

Aber letzten Endes hat der Spaenle auch Dusel. Seit dem Verkauf der GBW-Wohnungen stürzt sich die SPD ja viel lieber auf den Söder. Und jetzt muss ich doch auch eine Lanze für den Markus brechen. Gut, vielleicht nicht gleich eine Lanze. Fangen wir mal mit einem Zahnstocher an.

Der Vorwurf lautet ja: Söder habe gegen besseres Wissen gehandelt. Infame Unterstellung. Lächerlich. Überhaupt einen Zusammenhang herstellen zu wollen zwischen besserem Wissen und Söder!

Sogar an den Horst Seehofer hat die SPD appelliert, er möge doch diese Entscheidung über den Verkauf nochmal überdenken. Das ist zwar nett gemeint. Aber der Horst braucht da keinen Ratschlag von außen. Der Horst hat oft bewiesen: Er ist durchaus in der Lage, ganz allein seine Meinung zu ändern.

Die SPD ist insgesamt bissl arg hektisch derzeit. Die Grünen sind da wesentlich entspannter. Weil sie wissen, falls es mit der Regierung nix wird, sind die Sozis schuld. Das macht souverän. Das muss mal lobend erwähnt werden. Ihr seid eine gute Mischung aus Esoterik und Vernunft.

Für Vernunft steht der Janecek. Der Janecek wurde sogar mehrmals von Grünen-Chef Özdemir kritisiert. Das beweist, dass der Janecek das Hirn auf dem rechten Fleck hat. Dobrindt, jetzt bloß ned neidisch werden!

Für das Esoterische steht Frau Bause. Weil sie hat unlängst in einem Interview gesagt:„Ich werde ich sein.“ Frau Bause, jetzt muss ich doch mal nachfragen: Wer waren Sie bis jetzt? Sagen Sie jetzt bitte nicht, Sie waren die Claudia Roth.

Wenn ihr ein gutes Ergebnis erzielen wollt am 15. September, solltet Ihr die Claudia Roth immer weit, weit weg von Bayern halten. Sonst werdet ihr dafür bitter büßen. Denn schon der Krieg in Afghanistan hat gezeigt: Unbemannte Drohnen richten nur Schaden an.

Wagen wir zum Schluss einen kleinen Ausblick über die Wahl hinaus.Was wird nächstes Jahr sein? Ein Realist würde sagen: 2014. Ein Brachialstochastiker wie Dobrindt würde sagen: Wenn's gut läuft, vielleicht sogar 2015.

Drum, liebe Staatsregierung, liebe Opposition: Hängt euch rein. Oder wie es Edi sagen würde: Bringt die Lot zum Gludern! Aber: Seid euch eurer Sache nie zu sicher. Ob vor oder nach der Wahl. Und keine Schmutzeleien!

Das Oberlandesgericht München hat unmissverständlich erklärt: Sollte es im Wahlkampf unfair zugehen, werden in Zukunft nicht nur Sitzplätze im Gerichtssaal, sondern auch Wahlen per Los entschieden.

Und frei nach Seehofer schließe ich ab mit einer Aufforderung an das Bayerische Fernsehen: Das können Sie alles senden.

 

Django Asül

 

Veröffentlicht am: 30.04.2014

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