Im Stechschritt durch Liszts "Préludes"

von kulturvollzug

Oberflächlich und grob gewebt: Dirigent Zoltán Kocsis versucht beim Konzert im Gasteig vergeblich, Harmonie zwischen dem Solisten Daniel Müller-Schott und dem Orchester der Ungarischen Nationalphilharmonie herzustellen.

Im langsamen Satz des Cellokonzerts kam plötzlich Verwirrung auf. Ein Vöglein begann zu zwitschern. Des Rätsels Lösung: ein nicht ausgeschaltetes Mobiltelefon. Reichlich lange wühlte deren Besitzerin in den Tiefen ihrer Handtasche, bis sie den Störenfried ruhig gestellt hatte. Da schmunzelten sogar einige Musiker auf dem Podium.

Ansonsten gab es für die Ungarische Nationalphilharmonie im Gasteig nur wenig zu lachen. Dirigent Zoltán Kocsis, einst ein bemerkenswerter Pianist, jetzt, wie sich Zeitungsinterviews entnehmen lässt, ein strammer Anhänger der rechten Machthaber in Budapest, hält nicht viel von Charme, Eleganz oder Raffinesse. Liszts „Les Préludes“ kam im Stechschritt daher. Beethovens siebte Symphonie wurde geradezu aufmüpfig oberflächlich exekutiert.

Nur die Melodiestimmen schienen dem Dirigenten wichtig. Den tiefen Streichern, rechts von ihm postiert, wandte Kocsis nahezu ständig den Rücken zu. Und auch die Bläser blieben auf sich allein gestellt.

Auf diesem  grob gewebten Teppich hatte es der sensible Daniel Müller-Schott nicht leicht, sich zu behaupten. Dvoraks Cellokonzert verlangt strikte Harmonie zwischen Orchester und Solisten. Sie ließ sich an diesem Abend nicht herstellen. Das eindringlichste Stück des Abends war Müller-Schotts Zugabe, der erste Satz der Cello-Suite Op. 80 („Declamato“) von Britten, dessen Largo-Ruhe geradezu Bach'sche Intensität erreichte.

Volker Boser

Veröffentlicht am: 17.02.2011

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Imre Sallay
21.02.2011 17:23 Uhr

Aus meiner Zeit in München weiß ich, dass Herr Boser ein FAN von A. Fischer ist. Da ist es klar, dass er ein Konzert von Kocsis zerpflückt, der es wagt Fischers Verhalten zu kritisieren. Ojje, Politik und Musik - was soll das? Unwürdig!

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