Simone Kermes und Vivica Genaux im Herkulessaal

Barocke Rivalitäten und heutige Geschmacklosigkeiten

von kulturvollzug

Eine von den historischen Damen: Faustina Bordoni. Abb.: Rosalba Carriera / Wikipedia

Einen historisch-musikalischen Wettbewerb zwischen zwei Barock-Diven, nämlich Faustina Bordoni und Francesca Cuzzoni wollten Simone Kermes und Vivica Genaux musikalisch in Szene setzen: Dass das auf der kahlen Bühne des Herkulessaales ohne den Charme verbindender Worte nicht einfach werden würde , war zu befürchten. Es kam schlimmer.

Zum allgemeinen Bedauern war Frau Kermes, deren Name besser Kirmes lauten sollte, wenn man in Rechnung stellt, wie sie sich auf der Bühne mit dem  Charme einer Megäre aufführt, nicht mehr rothaarig wie auf den Plakaten. Dafür sang sie gewohnt schnell und gewohnt laut barocke Koloratur-Arien erster, zweiter und dritter Güteklasse und wies außerdem mit einem aufwendigem grünen Kleid, das beim Rezensenten deutliche Assoziationen an die Hauptfigur der legendären Muppet-Show hervorrief, die Konkurrentin in die Schranken.

Diese war um Temporeiches ebenfalls nicht verlegen, fiel aber dabei durch einen Wobbel in Stimme und Kiefer auf, der wie ein akustisches Stroboskop wirkte und ernste Sorgen um die Stimmbänder beim Rezensenten hervorrief. Davon abgesehen hatte sie allerdings das Unglück, mit dem einzigen(!) langsamen Satz während des ganzen ersten Konzertteils, unverhofft musikalisch werden zu dürfen und trug außerdem ein deutlich geschmackvolleres Kleid.

Das absolut unnatürliche Gehabe beider Damen sowie das Fehlen jeglicher Moderation ebenso wie Dekoration machte diesen Vortrag einfach zu einer Abfolge von sehr schnellen, laut gesungenen Koloratur-Arien des Barock, Prädikat "absolut unerträglich". Brillant und makellos hingegen das Orchester, die historisch musizierende Capella Gabetta - Chapeau!

Leider hielt es der Rezensent nur bis zur Pause aus. Sicher war danach alles ganz anders. Bravos und großen Beifall gab es jedenfalls schon im ersten Teil.

Aaron Tatzel

Veröffentlicht am: 18.01.2014

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Robert
19.01.2014 10:32 Uhr

Sehr geehrte Redaktion vom Kulturvollzug,

mit bedauern musste ich lesen wie viele Persönliche Lebensenttäuschung, schlechte Laune und Eitelkeiten in einer Kritik stehen können.

Ist es Kleider-Neid, Beziehungsstress oder wurde Herr Tatzel in der Vergangenheit nicht vorgelassen zu Frau Kermes?

Ich bin nicht der Meinung das es derart beleidigende Berichte über den Readationsschluss schaffen sollten.

Alles ist Geschmacksache, seinen hat es offensichtlich nicht getroffen, weshalb man nicht Fuß stampfend, um Aufmerksamkeit buhlend um sich schlagen muss - einfach nur peinlich!

Außerdem bin ich der Meinung wenn man einen Artikel verfäßt und kritisiert sollte man schon den ganzen Abend beiwohnen.

Nach der Pause ein unglaublich ernstes und gefühlvoll vorgetragenes Stück von Frau Kermes ( wusste nicht das Sie das so toll kann),

die fehlende Moderation auf der Bühne und ein wahnsinniger charmanter Kuss auf der Bühne es fehlten nur noch die Stopp-Homophobia-Schilder.

Zugaben, Blumen Geschenke und Standing ovation für Musikerinnen und Orchester - zumindest hat es dem dummen Münchner Publikum gefallen die sich auch noch Reihenweise CDs signieren liesen und sogar lange dafür anstanden.

Ich finde es toll das es Musiker gibt die sich auf solch Projekte einlassen und mit Spass dabei sind, der definitiv nicht gefehlt hat (ausser bei Herrn Tatzel vielleicht)

Beste Grüsse

Richard Schreiber
24.01.2014 12:42 Uhr

Schade, dass Herr Tatzel von Musik keine Ahnung hat. Nur: warum darf er dann eine Kritk schreiben?

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