Die Weltmusikgruppe "Fei Scho" mit ihrer neuen CD "Weltensprung"

Hier gibt's die neuen Panorama-Ohren

von Michael Wüst

Das Cover der CD. Foto: Galileo

Zum Jahreswechsel sollte man mal wieder die Schubladen durchschauen, eventuell neu beschriften: Es gilt da diese Gruppe „Fei Scho“ einzuordnen. Wo tun wir die also hin? „Volksmusikgruppe“ – schlecht, da lungern die traditionell Korrekten herum. TV-Taugliches ist da vorherrschend bis hin zu Maria „Highway to“ Hellwig. „Volxmusikgruppe“ kann man auch nicht mehr hören und sehen. Pseudo-Spontis. Tahrirplatz-Zwiefacher, Hafenstraße-bleibt-Jodler. „Fei Scho“ ist für diese Etikette zu eigenartig, im guten Sinne viel zu fein. Bayerische Weltmusik? Das könnte imperial missverstanden werden. Man gibt auf. Dann eben nicht. Aber gerade das macht einem klar: Ach so, das ist ja immer so, wenn man einräumen muss: Das ist einfach nur gute Musik!

„Fei Scho“ gibt es fei scho seit zehn Jahren. Damals im Jahre 2003, als sich Juri Lex und Stefan Straubinger zusammengefunden hatten, um diese Gruppe zu gründen, war die Lawine der alpinen Volks-, respektive Volxmusik allerdings bereits abgegangen, es staubte nur noch etwas. Der Goiserer Hubert hatte den ersten großen Karriere-Achttausender bezwungen und entspannte sich ein bisschen mit Klangschalen, und um die Haudegen mit den stachligen Bärten, der diatonischen Ziach, den chronisch runtergerutschten Wadlstrümpf und ihre wuiden Weiber mit de feierroten Haar und der grünen Geign wurde es ein bisschen ruhiger. Doch das Fraunhofer Theater überbrückte die mageren Jahre beharrlich mit seinen Volksmusiktagen, und seit einiger Zeit schiebt sich ja in dieser Hinsicht wieder einiges auf der Schotterbühne der Polkas und Zwiefachen. „La Brass Banda“ nahm gleich sämtliche 8000er wie im Flug. Das waren die schnellsten Blech-Stakkato-Sätze, die es je ohne Atemgerät gab.

Neu formiert, bereit zum Weltensprung. Foto: Galileo Booking Agency

Ganz anders „Fei Scho“. Ihre neue CD „Weltensprung“ ist ein Wurf. Und ganz unprätentiös. Da fliegt eine Disque weit hinaus. Fliegt über Höhen und Tiefen musikalischer Gefühlswelten und beschreibt mit großen Kreisen den weiten Blick. Man bekommt Panorama-Ohren. Hyperaktivitäts-Polkas, urtümliches Klischee-Gehabe, alles, was aus den Marketing-Küchen des Volkstümlichen herauskriechen mag, interessiert die Kompositionen, die in der Mehrzahl von Anschi Hacklinger (Kontrabass ) und Martin Lidl (Gitarre) stammen, nicht.

Mit der neuen CD zeigt sich die Gruppe auch in neuer Formation. Zu den beiden komponierenden Gründungsmitgliedern dazugekommen sind Roberto Alonso (Trompete, Tenorhorn), Helmut Sinz (Akkordeon) und Schorsch Karrer (Perkussion).

Am Beginn der Tour d´Horizon, und von Weltmusik mag man bei „Weltensprung“ sehr wohl reden, steht der "Andenjodler". In großer Höhe scheint es möglich, die Krümmung der musikalischen Welt zu erkennen. Im Beiheft wird Peru, wohl wegen der Höhenverwandtschaft, als Heimat angegeben, man gleitet jedoch gleich mit einem Gitarrenthema im Stile der kubanischen Tres-Gitarre in die Karibik, in einen Montuno a la Manera Cubana. Roberto Alonso ist stark mit einem strahlend aufsteigenden Trompetensolo.

Direkt anschließend, mit feiner Musette-Melancholie, „Walzer für den Frühling“ von Anschi Hacklinger. Einen Moment fühlt man sich „Sous les Toits de Paris“. Ein Glockenspiel verbindet die Strophen wie ein gläsernes Karussell. In „Quartl“ spielt der Perkussionist die Djembe. Zusammen mit dem Kontrabass wird ein maghrebinisches Ornament gelegt, worüber Gebläse und Akkordeon ein festlich-östliches Thema weben, bis harte Doppelschläge das Tableau zerreißen. Auf den Ruinen entsteht ein Tanz, der zwischen Tango und Pasodoble eine Bebop-Struktur gewinnt. Die Fata-Morgana-Blase zerplatzt wiederum, der festlich östliche Zug wälzt sich über die Dünen nachhause. Da nimmt es schon fast Wunder, dass mit „Welttag des Ausmistens“ etwas Lustiges daher hopst: eine Art Kintopp-Uptempo-Polka stolpert durchs Kinderzimmer und liegt am Schluss in einer Blueslinie zerlegt am Boden.

Schon steuert die CD einem weiteren Höhepunkt entgegen: Der „Weltensprungjodler“ ist, und das sei in absoluter Wertschätzung gesagt, ein Meisterwerk des großen Kitsches. Niemand kann sich gegen diesen Song wehren! Und man kann nur entwaffnet mit Tränen antworten: Ja, das Herz füllte sich mit diesem Glanz. Und rundherum hallten die Echos der Bravorufe von den Wänden der Dolomiten.

Fei Scho: "Weltensprung" (Galileo)

Veröffentlicht am: 03.01.2014

Über den Autor

Michael Wüst

Redakteur

Michael Wüst ist seit 2010 beim Kulturvollzug.

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