Titus Waldenfels und Michael Reiserer im "Nomiya"

Ein Mambo ohne Namen in der Traumstadt ohne Herz

von Michael Wüst

Michael Reiserer und Titus Waldenfels sind direkt münchnerisch. Foto: Michael Wüst

Titus Waldenfels und Ferdinand „Ferdl“ Schuster sind beide Münchner und kennen sich. Und zwar schon jahrelang. Möglicherweise sind solche Begegnungen vor Jahren leichter zustande gekommen. Der Erstgenannte war lange Zeit als One-Man-Bandleader seiner selbst unterwegs, während zweitgenannter Ferdl der Wirt des sogenannten bayerischen Japaners „Nomiya“ an der Wörthstraße 7 ist. Und das seit 17 Jahren. Mit Titus Waldenfels und Michael Reiserer erlebten wir mal wieder einen schönen Abend im „Nomiya“.

Vielleicht sollte man nicht mehr zu laut reden von diesen wenigen Plätzen in München, die noch das Flair der Traumstadt atmen. Man will ja keine schlafenden Immobilienhunde mehr wecken. Zu viel ist schon kaputt gegangen und verbissen worden. Man denke nur an die Fraunhofer Schoppenstube, wo selbst das Engagement von OB Christian Ude letztlich wirkungslos war. Das „Nomiya“ hat jetzt auch eine satte Erhöhung kassiert. Und da man sich in der Sache mittlerweile geeinigt hat, wollen wir diskret sein, dennoch aber dem Ferdl alles Glück dieser Erde und die Solidarität und Treue seiner Gäste wünschen, den neuen Pachtzins zu stemmen.

Nur so viel sei gesagt: die neue Pacht, liegt nur knapp unter dem, was laut Aussage des Eigentümers "der Markt hergibt". Wie immer sucht man vergebens nach Menschen, es ist der Markt, der etwas hergibt und das Geld, das arbeitet. Ja, in der Traumstadt ist wirklich das Lächeln stehen geblieben. Schon lange. Du hast keine Chance, nütze sie. Diesen Satz konnte Herbert Achternbusch, ein anderer Sohn dieser Stadt, vielleicht auch nur hier lernen.

Trotzdem passen Titus Waldenfels und Partner Michael Reiserer wunderbar leicht in die Ecke des Haidhausener Lokals. Als Überlebensmusiker mit Nischenraffinesse kommen sie mit etwa zwei Quadratmetern klar. Und weil diese Quadratmeter einem in Haidhausen so teuer entgegenkommen, hat man auf zwei Quadratmetern eine Gitarre, ein Drumset, eine Geige (Strohvioline?) mit Kinder-E-Piano auf der Rückseite, eine singende Säge, ein Akkordeon, Mundharmonikas in allen Tonarten inklusive Bassmundharmonikas, Ukulele und - tatsächlich - mit den Füßen zu bedienen, den One-String-Foot-Bass eines E-Basses untergebracht. Ähnlich vielfältig bis wild wuchernd stellt sich das Programm dar. Man startet jahreszeitlich passend mit „Rudolph the Rednose“, dann geht es über „Billies Blues“, den Titus Waldenfels Billy Gibbons von ZZ Top gewidmet hat, zu „Clandestino“ von Manu Chao.

Swing, Blues, Latin. Dazu ein Mambo mit singender Säge, für den die beiden noch keinen Titel haben. Alles wird so unprätentiös, lässig und auf eine so charmante Weise schräg dargeboten, dass man verleitet ist, es münchnerisch zu nennen, wenn man Anlass hätte, zu glauben, es würde verstanden.

 

Der Kulturvollzug berichtete über ein anderes Projekt von Titus Waldenfels in 2010 hier.

Veröffentlicht am: 10.12.2013

Über den Autor

Michael Wüst

Redakteur

Michael Wüst ist seit 2010 beim Kulturvollzug.

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