Er, das personifizierte Gegenprogramm: Dieter Hildebrandt bekommt im Alten Rathaussaal den Kulturellen Ehrenpreis

von Michael Grill

Dieter Hildebrandt ehrt sich selbst mit einem famosen "Best of", nicht nur die Biermösl Blosn (links neben der Bühne) staunt. Foto: Michael Grill

So viel Respekt war selten: OB Christian Ude bekannte eingangs seiner kombinierten Begrüßungs-Laudatio, dass seine Frau ihm schon beim Frühstück eingeschärft habe, an diesem Abend bloß nicht lustig sein zu wollen, „denn neben dem Dieter würdest du abstinken“. Und die Biermösl Blosn spielten einige ihrer Klassiker, machten aber immer deutlich, wer einzig und allein Mittelpunkt aller Darbietungen und Huldigungen war: Dieter Hildebrandt, deutscher Kabarett-Solitär, der als Münchner Preuße den mit 10000 Euro dotierten Kulturellen Ehrenpreis der Landeshauptstadt entgegennahm.

Oder entgegenzunehmen hatte, denn „Preise suchen unerbittlich ihren Träger“, wie Ude den zu Ehrenden zu zitieren glaubte, woraufhin Hildebrandt laut aus dem Publikum rief, dass der Satz aber doch vom Polt Gerhard stamme. Ude war nur kurz irritiert und fuhr unerbittlich mit dem Lob fort: Bei Hildebrandt sei selbst der Hoferichter-Preis, der ihm 1979 als 52-Jährigem verliehen worden war, „ein Akt der Nachwuchspflege gewesen“, und auch der Bayerische Poetentaler konnte ihm 2006 nicht vorenthalten werden, obwohl er „wahrlich kein typischer Bayer ist und nichts Poetisches an sich hat“. Da Hildebrandt aber in mehr als 50 Jahren als Münchner niemals woanders hinziehen wollte, konnte ihm Ude nun sozusagen die höchste aller denkbaren Auszeichnungen zurufen: „Du bist Bayer geworden!“

Hildebrandts Bedeutung als Kabarettist und Autor (abgestuft auch als Schauspieler) zu preisen, war freilich angesichts der Lebensleitung des 83-Jährigen auch für Ude nur unvollkommen möglich: Er habe der alten BRD ganze Themengattungen erschlossen, sein Spott, „mit einer eigenen Postion und Haltung war befreiend“. Heute sei er nicht nur der Altmeister der Zunft, sondern immer noch „das personifizierte Gegenprogramm zu Comedy und seichtem Geblödel“.

Altmeister und Kommunalsatiriker vor den Fotografen. Foto: Michael Grill

Der Alte Rathaussaal war restlos gefüllt. Selten sah man eine so geballte Anzahl von Stadtoffiziellen und Münchner Ehrenbürgern (Hildegard Hamm-Brücher, Hans-Jochen Vogel, Otto Meitinger, Hans-Peter Dürr, Georg Kronawitter) in einem Raum. Von den früheren Preisträgern waren Frank Baumbauer und Joachim Kaiser erschienen.

Hildebrandt, munter wie ein junger Sponti, dankte dem „einzigen Kommunalsatiriker in Deutschland“ und erinnerte an seinen legendären ehemaligen Lach- und Schieß-Parnter Sammy Drechsel: „Er hat die Plattform gebaut, auf der wir agieren konnten. Ihm hätte der Preis gebührt.“ Dann gab Hildebrandt ein triumphales Best-of aus seinen Programmen mit einer immer noch unfassbar guten Herbert-Wehner-Persiflage als Höhepunkt. Er war noch ganz Wehner, als er schloss: „Ich hoffe, das Hohe Haus wird mir meine Leidenschaft verzeihen, ich hätte Ihnen die Ihre auch gerne verziehen.“ Da ging ein Ruck durch den Saal und alles erhob sich von den Plätzen: hemmungslos applaudierend.

Veröffentlicht am: 02.02.2011

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